Bauernfamilien trauern um Constantin Freiherr Heereman

Ehrenpräsident Constantin Freiherr Heeerman zusammen mit dem amtierenden WLV-Präsidenten Johannes Röring und Ehrenpräsident Franz-Josef Möllers (v.l.n.r).

WLV-Präsident Röring: „Ein Vorbild für eine Generation von Bauern“

Am gestrigen Mittwoch (26. Juli) ist Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, langjähriger Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) und des Deutschen Bauernverbands (DBV), im Alter von 85 Jahren verstorben. Freiherr Heereman war annähernd 30 Jahre der führende Repräsentant beider Verbände und damit länger im Amt, als jeder seiner Vorgänger oder Nachfolger. 

 „Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck war für unseren Verband und die Bauernfamilien in Westfalen-Lippe über Jahrzehnte eine Galions- und für manche auch eine Vaterfigur. Als durchsetzungsstarker und zugleich humorvoller Kämpfer für die Interessen der Bauernfamilien war er ein Vorbild für eine ganze Generation. Auch wenn er schon vor 20 Jahren als Präsident des WLV altersbedingt ausgeschieden ist, sprechen unsere Mitglieder bis heute mit größter Hochachtung und Dankbarkeit über „ihren Baron“ und sein beeindruckendes Lebenswerk“, würdigte WLV-Präsident Johannes Röring den Verstorbenen.

Als noch weitgehend unbekannter Landwirt übernahm Freiherr Heereman 1968 das Amt des Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, ein Jahr darauf auch die Führung des Deutschen Bauernverbands (DBV). Beide Ämter hatte er bis 1997 inne. Aus seiner nationalen Funktion heraus wurde er sowohl zum Präsidenten des europäischen Bauernverbandes COPA (1979 bis 1981 und 1990 bis 1992) sowie zum Präsidenten des Weltbauernverbands IFAP (1982 bis 1986) gewählt.

Freiherr Heereman führte die landwirtschaftliche Interessenvertretung durch harte politische Auseinandersetzungen und gestaltete die deutsche wie europäische Agrarpolitik maßgeblich mit. Als Ansprechpartner der Bundeskanzler Brandt, Schmidt und Kohl sowie mehrerer Landwirtschaftsminister vertrat er leidenschaftlich die Interessen der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes.

In Nordrhein-Westfalen war er kritischer Gegenspieler, aber auch freundschaftlich verbundener Partner von SPD-Agrarminister Klaus Matthiesen, insbesondere in der Veredlungs-, Umwelt- und Wasserpolitik des Landes. Dies galt auch für die spätere NRW-Agrarministerin Bärbel Höhn. Starkes Augenmerk legte Heereman auf die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Hauptgenossenschaften für Milch, Vieh und Fleisch sowie Ware in Westfalen-Lippe.

Schwerpunkte seiner politischen Arbeit, die er zwischen 1993 und 1990 auch als Mitglied des Deutschen Bundestages für seinen Wahlkreis Steinfurt umsetzte, waren u.a. die Markt-, Preis- und Handelspolitik, aber auch die Agrarsozialpolitik und der Schutz des Grundrechts auf Eigentum. Ein wiedervereinigtes Deutschland und ein starkes Europa waren ihm ebenso ein Herzensanliegen wie  der Zusammenhalt des Bauernverbands und die Öffnung der Bauern in Richtung auch traditionell landwirtschaftsferner Kreise. 

 „Freiherr Heereman hatte Format und Stil. Er hat den Strukturwandel in der Landwirtschaft nicht aufhalten können, aber immer dafür gekämpft, den Betrieben, die ausgeschieden sind, eine Perspektive zu geben. Zugleich stand er auch für Heimatverbundenheit im besten Sinne des Wortes. Er gestaltete das Leben in seinem Heimatkreis Steinfurt vielfach mit,  übernahm auch Verantwortung für das Gemeinwesen vor Ort und engagierte sich zudem als großzügiger Mäzen im kulturellen Bereich. Der Name Freiherr Heereman steht für eine Lebensleistung, die beeindruckt“, so WLV-Präsident Röring.

Freiherr Heeremans jahrzehntelanges Engagement wurde von Regierungen und Verbänden im In- und Ausland vielfach gewürdigt. So erhielt er 1997 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband verlieh ihm im selben Jahr die Schorlemer-Plakette in Gold und ernannte ihn zu seinem Ehrenpräsidenten.

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