Landwirte diskutieren Wertschätzung und Wertschöpfung von Lebensmitteln

29. Januar 2018

15 Mio. Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr auf dem Müll. Allein deutsche Haushalte werfen Nahrungsmittel für 20 Mrd. Euro weg. Ein Missstand, dem der Landwirtschaftliche Kreisverband seine Jahrestagung widmete und „Wertschätzung und Wertschöpfung – hier und in der gesamten Welt“ diskutierte.

Eine zukunftsweisende Agrarwirtschaft müsse nach Ansicht des Referenten Weihbischof Dr. Stefan Zekorn eine gute und bezahlbare Ernährung sicherstellen, Landwirten ein Auskommen sichern, Umwelt und Schöpfung in allen Bereichen der Lebensmittelproduktion angemessen berücksichtigen sowie globale Verantwortung übernehmen, die eine Produktion Zulasten ärmerer Länder ausschließe. „Die Nachhaltigkeitsoffensive des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes ist gut und aus Sicht der Kirche zukunftsweisend. Sie sind damit Deutschlandweit Vorreiter!“, lobte der Geistliche.
„Unsere Landwirte stehen im Wettbewerb zu Landwirten anderer Länder, die niedrigere Produktionsstandards haben“, so Jens Kaß, der im „Bundesverband Groß- und Außenhandel e.V.“ Vorsitzender des Ausschusses für Agrar- und Ernährungswirtschaft ist. Er gab außerdem zu bedenken, dass in Deutschland immer weniger Geld für Lebensmittel ausgegeben werde, während für Unterhaltungsgeräte wie Handys immer höhere Beträge finanziert würden. Eine höhere Wertschätzung von Nahrungsmitteln sei dringend erforderlich.
Auch Ahlens Bürgermeister Dr. Alexander Berger betonte; „Landwirte stehen in einem nicht endenden Erklärungszwang für ihr Handeln. Es ist – gerade wieder in den vergangenen Monaten – in der öffentlichen Darstellung ein schiefes Bild vom verantwortungslosen Landwirt gezeichnet worden.“
Landrat Dr. Olaf Gericke lobte in seinem Vortrag die gute und intensive Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und nannte insbesondere den Kiebitzschutz, die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, den Naturschutz und Hochwasserschutz sowie den Breitbandausbau.
Als neuer Präsident der Landwirtschaftskammer NRW appellierte Karl Werring an die Notwendigkeit, „den Beruf des Landwirts weiter attraktiv zu gestalten und junge Menschen dafür zu begeistern“.
„Mit dem Essen, das in Europa in die Mülltonnen wandert, könnte man alle Hungernden dieser Welt zweimal ernähren“, kritisierte Markus Overhues von der Landjugend. Und auch 20 Teilnehmer des Internationale Landwirtschaftliche Hauptkurses der Landvolkhochschule  demonstrierten mit einem packenden Auftritt das Ausmaß unserer Wegwerfgesellschaft und zeigten, warum 18 von 19 Kartoffeln in der Tonne statt auf dem Teller landen.
Dass es dringend höherer Wertschätzung unserer Lebensmittel bedarf, daran appellierte auch Kreisverbandsvorsitzender Hermann-Josef Schulze-Zumoh und kritisierte, dass Verbraucher zwar hohe Qualität forderten, aber an der Ladentheke oft doch nicht bereit seien, den entsprechenden Preis zu zahlen. 

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