Im Dialog zu Lösungen kommen

09. Dezember 2016

Bauern diskutieren beim Kreisverbandstag über Nachhaltigkeit

 Ludger Schulze Beiering bei seinem Bericht zur Lage der Landwirtschaft im Kreis Borken. Foto: Stephan Wolfert, WLV

„Nachhaltigkeit“ war neben „Tierschutz“ (siehe gestriger Bericht) wohl der meist gebrauchte Begriff beim gestrigen Kreisverbandstag der Borkener Landwirte in Stadtlohn. Dabei nahm in der Stadthalle die Diskussion der jüngst offiziell vorgestellten „Offensive Nachhaltigkeit“ des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) breiten Raum ein. Nur wer seine Stärken und Schwächen benennt kann auch seine Position bestimmen und Ziele oder Visionen beschreiben, die man erreichen will. Dazu betonte WLV-Präsident Johannes Röring: „Das ist der Kern dieser Offensive, die damit zukunftsfähige Landwirtschaft beschreibt. Und nicht jeder, der heute etwas an unserer Landwirtschaft kritisiert, hat vielleicht von vorn herein Unrecht, sondern verdient es, ernstgenommen zu werden.“ Hierfür gab es Zuspruch aus dem Munde zweier prominenter Nicht-Landwirte.

Sowohl Münsters Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke als auch Landrat Dr. Kai Zwicker lobten den auch vom Kreisverbandsvorsitzenden Ludger Schulze Beiering als Mitglied einer landesweiten Fokus-Gruppe mitentwickelten Antritt. Zwicker: „Bei alledem geht es um Glaubwürdigkeit. Das schließt selbstkritisches Reflektieren des eigenen Handelns mit ein.“ Als positives Beispiel wurde verschiedentlich der selbstkritische Umgang der hiesigen Landwirtschaft mit den Gewässerverunreinigungen im letzten Winter genannt. Schulze Beiering: „Da wurde Klartext geredet. Das ist aber auch gut so, dann kommt man schneller zu Lösungen.“ WLV-Kreisgeschäftsführer Jörg Sümpelmann betonte, dass hier genau wie bei anderen Themen auch der Dialog mit allen Betroffenen wichtig sei: „Mit den Anglern wie mit dem NABU haben wir eine ganze Reihe an Gesprächen zu den Ursachen der Gewässerverunreinigungen geführt. Wir sind uns darin einig, dass wir auf dem richtigen Weg sind, das abzustellen. Auch unsere Mitglieder nehmen das Thema ernst.“

In seinem Tätigkeitsbericht ging Sümpelmann darüber hinaus auf die extremen Hochwasser- und Starkregenereignisse des letzten Sommers und mögliche Reaktionen darauf ein. Stadtlohns Bürgermeister Helmut Könning hob in diesem Zusammenhang die Umsetzung des lokalen Hochwasserschutzkonzeptes mit 13-Millionen-Euro teuren baulichen Maßnahmen hervorhob, die im Einvernehmen auch mit den landwirtschaftlichen Anliegern entwickelt werden sollen. Dahingegen erneuerte Sümpelmann nochmals das im Sommer per Brief an alle Bürgermeister im Kreis unterbreitete Angebot, dass die Landwirtschaft geeignete Überflutungsflächen zur Verfügung stellen könne als Alternative dazu, „immer wieder teure Konzepte zum Hochwasserschutz zu beauftragen und mit großflächigen Einschränkungen für die Landwirtschaft zu überfrachten“. Dass man mit der Landwirtschaft zu konstruktiven Lösungen zum Nutzen aller kommen könne, lasse sich an den Gesprächen zum Bau von Energieleitungstrassen durch den Kreis ablesen. Aktuell stehen mit der OpenGrid-Ferngasleitung „Zeelink2“ und der nächsten Amprion-Stromtrasse „A-Nord“ weitere Projekte in den Startlöchern, so Sümpelmann: „Dafür, dass sich unsere bisherigen Verhandlungsergebnisse sehen lassen können, spricht wohl auch, dass sich mittlerweile Kirchengemeinden, Kommunen und andere an uns orientieren.“

Orientierung gegeben haben auch sieben Studierende der Fachschule für Agrarwirtschaft. Sie stellten in zwei Vorträgen Ergebnisse ihrer Projektwoche vor: selbst entwickeltes Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe („Vom Ferkel bis zum Schwein“) und einen Leitfaden für landwirtschaftliche Betriebe, die eine Kindergartengruppe auf ihrem Hof zu Besuch haben. Neue Wege beschreitet auch der Kreisverband in seiner Öffentlichkeitsarbeit. Mit der Transparenz-Initiative „Das Fenster zum Hof“ und dem Antritt, in Kooperation mit den Landfrauen und dem Kreis-Schulamt Landwirtschaftsmodule zum Einsatz an weiterführenden Schulen zu entwickeln, habe der Berufsstand vielversprechende Projekte gestartet, was auch der Regierungspräsident Klenke hervorhobt und dabei ebenfalls das „Zauberwort“ verwendete: „Das ist der richtige Weg. Die Präsentation von Landwirtschaft in der Schule muss nachhaltiger werden.“

Weitere Berichte und Bilder finden sich auf den Seiten des Kreisverbandes unter www.wlv.de

Presse-Kontakt

300 Besucher beim Kreisverbandstag

300 Besucher verfolgten beim WLV -Kreisverbandstag der Borkener Landwirte in Stadtlohn unter anderem den Vortrag von Geschäftsführer Jörg Sümpelmann. Foto: Stephan Wolfert, WLV

Ludger Schulze Beiering

Ludger Schulze Beiering bei seinem Bericht zur Lage der Landwirtschaft im Kreis Borken. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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