Aus der Defensive in die Offensive

20. Januar 2017

Vredens Landwirte wollen mit Nachhaltigkeit punkten

Erzeugerpreismisere, Akzeptanzkrise, Abwasserpilz-Geschehen, Tierschutz-Vorwürfe und, und, und. 2016 war für Vredens Landwirte weiß Gott kein gutes Jahr. Bei der Winterversammlung des landwirtschaftlichen Ortsvereins „Vreden/ Gaxel/ Große-/ Kleinemast/ Dömern“ in der Gaststätte Schwering waren sich die 60 erschienen Mitglieder wie auch die Referenten einig: 2017 wollen Vredens Landwirte aus der Defensive wieder in die Offensive kommen.

Nachhaltigkeit – Dieser Begriff, der seinen Ursprung in der Land- und Forstwirtschaft hat, wurde in den letzten Jahren von nahezu jedermann in Politik und Wirtschaft für die unterschiedlichsten Zwecke vereinnahmt. Nun will der bäuerliche Berufsstand ihn für sich zurückgewinnen. Gelingen soll dies mit einer Analyse der eigenen Stärken und Schwächen, verbunden mit der Zielrichtung, konkrete Leitprojekte für die Zukunft zu entwickeln, etwa geeignete Maßnahmen zu finden, um häufiger auf das Kürzen der Langschwänze bei den Schweinen verzichten zu können. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) diskutiert derzeit auf allen Ebenen seine Nachhaltigkeit-Offensive. Die 60 Anwesenden der Vredener Mitgliederversammlung taten dies durchaus kontrovers, auch die ein oder andere selbstkritische Anmerkung war dabei, was nicht zuletzt Kreisverbandsvorsitzender Ludger Schulze Beiering in seinem Bericht begrüßte: „Wer sich etwas eingesteht, ist kein Schwächling, sondern zeigt Stärke.“ Bürgermeister Christoph Holtwisch beglückwünschte in seinem Grußwort den WLV zu diesem ambitionierten Projekt: „Das ist die richtige Strategie, um mit der Gesellschaft im konstruktiven Dialog zu bleiben.“

Wenn Mitglieder in dieser Diskussion erklären: - „Ich bin seit 40 Jahren mit Leib und Seele Bauer und handle nach bestem Wissen und Gewissen. Aber bei einer Diskussion wie dieser komme ich mir vor, als hätte ich in der Vergangenheit alles falsch gemacht“ - , betonte WLV-Kreisgeschäftsführer Sümpelmann, ginge es nicht darum, vergangenes in falsch und richtig einzuteilen, sondern darum zuzulassen, das eigene Tun vor dem Hintergrund des Wertewandels in der Gesellschaft zu hinterfragen und sich Verbesserungen oder neuen Erkenntnissen zu öffnen. Sümpelmann nannte als positives Beispiel die selbstkritische Aufarbeitung der Abwasserpilz-Problematik im letzten Winter: „Wir haben uns als Berufsstand das Problem eingestanden und haben seither verschiedene Maßnahmen angestoßen, um die Situation zu verbessern. Wir haben inzwischen das Gefühl, dass wir in dieser Frage wieder ernst genommen werden.“ Wie der Leiter der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW, Dr. Peter Epkenhans, in seinem Bericht ausführte, sind jetzt, ein Jahr später, kaum Fälle aufgetreten: erkennbar sei das Erntegut im Herbst deutlich trockener gewesen und auch die Sauberkeit auf den Betrieben ist verbessert.

WLV-Ortsverbandsvorsitzender Matthias Temminghoff bekräftige nochmals, dass die Landwirte trotz ihres Austritts aus dem Förderverein Kulturlandschaft auch am Thema Artenvielfalt nachhaltig weiterarbeiten wollen: „Wir Landwirte haben nichts gegen die Ziele des Vereins. Wir haben nur Probleme mit der Umsetzung. Für die Zukunft bieten wir weiterhin unsere Zusammenarbeit an.“ Trotz der seit zwei Jahren bestehenden Hemmnisse durch praxis-fremde EU-Auflagen will der Ortsverbandsvorstand 2017 mit gutem Beispiel vorangehen und auf einer Gesamtfläche von 36.000 Quadratmetern auf zusammen zehn Kilometern Länge Blühstreifen anlegen: „Wir fänden es schön, wenn viele andere mitziehen und bieten bei Bedarf Hilfe bei der Aussaat an.“ Auch mit den Imkern sei man im Austausch, welche Saatmischungen die besten für die Bienen seien.

Dass die hiesige Landwirtschaft im Austausch mit der Bevölkerung insgesamt bleiben will, unterstrich auch Landfrauen-Ortsvorstand Andrea Leuker in ihrem Bericht zur Fortführung des Hofbesuche-Projekts für Schulklassen, wo sie weiterhin um die Unterstützung der Betriebe warb. Der WLV-Ortsverband hat zusätzlich für das kommende Jahr seine finanzielle Unterstützung zugesagt. Interessierte Lehrer und Eltern finden ausführliche Informationen auf der 2016 runderneuerten Seite www.vredener-bauernfamilien.de.

Presse-Kontakt

Vorstandstisch Winterversammlung Vreden

Bei der Winterversammlung des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Vreden waren sich die Referenten, wie etwa WLV-Ortsverbandsvorsitzender Matthias Temminghoff (im Bild: stehend), einig: 2017 wollen Vredens Landwirte aus der Defensive wieder in die Offensive kommen. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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