Landwirte werben um Verständnis

08. Februar 2017

Die Ackersaison 2017 beginnt bald mit der Gülledüngung

 Der Prallteller, mit dem in der Vergangenheit üblicherweise die Gülle auf den Feldern breit verspritzt wurde, ist ein Auslaufmodell in der Landwirtschaft im Kreis Borken. Immer mehr zum Standard ist inzwischen die bodennahe und geruchsarme bodennahe Ausbringung geworden, wie hier im Bild mit Schleppschläuchen. Foto: WLV

Sobald in den nächsten Tagen der Frost die Felder wieder befahrbar macht, beginnt für den Großteil der Landwirte im Kreis Borken die Ackersaison 2017. Den Anfang macht wie immer die Ausbringung sogenannter „Wirtschaftsdünger“.

Die Technik der Gülleausbringung hat sich in den letzten Jahren mit neuen Verfahren deutlich Richtung Geruchsminderung weiterentwickelt. Mithilfe von Schleppschläuchen oder immer häufiger auch Schlitzgeräten werden die Dünger bodennah ausgebracht, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken, Ludger Schulze Beiering (Weseke): „Das Verspritzen der Gülle mit dem Prallteller ist ein Auslaufmodell. Die bodennahe Ausbringung bringt Vorteile für die Pflanze, für das Grundwasser und auch für die Nase.“ Vollständig „nasenfreundlich“ wird die Düngung aber auch diesmal nicht vonstatten gehen können, wofür der Weseker Landwirt vorab um Verständnis bittet: „Wichtig ist uns aber das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme, wofür wir unsere Mitglieder bei allen sich bietenden Gelegenheiten immer wieder sensibilisieren.“

Auch das Abwasserpilz-Geschehen im letzten Winter habe bei seinen Berufskollegen nochmals für eine erhöhte Wachsamkeit im Umgang mit Nährstoffen gesorgt: „Ich beobachte, dass die gemeinsamen Anstrengungen von Kammer und Verband in den letzten Monaten auch Früchte getragen haben. Behörden und Angler erkennen das auch an und die deutlich geringere Zahl von gemeldeten Verstößen unterstreicht dies.“

Klar müsse aber auch sein: „Nährstoffe vom Bauernhof sind nichts Böses“, so Schulze Beiering: „Das sind wertvolle organische Dünger, ohne die auf unseren Feldern wenig gedeihen würde. Der Begriff ‚Naturdünger‘ wäre eine andere gute Bezeichnung für Gülle. Denn sie enthält die wichtigsten Nährstoffe, die unsere Pflanzen zum Wachsen brauchen.“ Schulze Beiering beschreibt das seit Jahrhunderten bewährte Prinzip der landwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft: „Wir geben dem Boden auf diese Weise zurück, was ihm durch die Ernte der Pflanzen entzogen wurde. Dass wir nicht ganz falsch liegen erkennt man daran, dass wir es mit Zuwachs an Wissen und gewissenhafter Arbeit geschafft haben, dass sich die Humusgehalte unserer Böden und damit deren Fruchtbarkeit in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert haben.“

Dr. Peter Epkenhans ist als Leiter der Borkener Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW zugleich Landesbeauftragter. Als solcher hat er die hoheitliche Aufgabe, dass die Düngeverordnung von den Landwirten eingehalten wird. In ihr wird die sogenannte „gute fachliche Praxis“ für die Anwendung von Wirtschaftsdüngern rechtlich verbindlich geregelt. Verstöße können negative Auswirkungen auf die Qualität von Grund- und Oberflächengewässern haben. Epkenhans: „Die Entwicklung der Nitratwerte der hiesigen Grundwassermessstellen ist immer wieder in der Diskussion. Tatsächlich hat die Landwirtschaft im westlichen Münsterland in den letzten Jahren hart daran gearbeitet, die Nitratwerte zu verringern und das ist ihnen auch gelungen. Genau da müssen wir in unserer Wasserschutzberatung und die Landwirte Hand in Hand weitermachen.“

Zum Thema: Sperrfrist

Gemäß Düngeverordnung dürfen die Bauern zum Stichtag 1. Februar nach der Winterpause wieder Gülle, Jauche, Geflügel-Kot und Gärsubstrat aus Biogasanlagen ausbringen, um den Pflanzen den nötigen Nährstoff für optimales Wachstum zu geben. Voraussetzung ist aber, dass die Bodenverhältnisse dies zulassen. Wenn der Boden höher als fünf cm mit Schnee bedeckt, zehn cm tief gefroren oder – wie in den letzten Tagen – an vielen Stellen wassergesättigt ist, darf nicht gefahren werden.

Wer im Herbst früher aufgehört und einen Antrag auf Verschiebung der sogenannten „Sperrfrist“ gestellt hatte, durfte auch schon am 16. Januar beginnen. Einige Landwirte in der Region haben hiervon Gebrauch gemacht und konnten den Frost der letzten Januarwochen nutzen, um die Gülle bodenschonend auszubringen.

Anschaulich erklärte Hintergründe dazu, was Gülle eigentlich ist und wann und wie sie ausgebracht werden darf findet man auf einer Themenseite der Landwirtschaftskammer im Internet unter www.guelle-nrw.de 

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