Gewinner sind: Bienen und Landschaftsbild

07. März 2017

Start für Projekt „1000 neue Hofbäume im Kreis Borken“

 "Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde" heißt es in einem alten Volkslied. Das nahm Landwirt Ludger Pass aus Erle (Mitte) wörtlich und geht so mit gutem Beispiel für das Ziel "1000 neue Hofbäume im Kreis Borken" voran. Das Gemeinschaftsprojekt von Landwirten und Imkern startete gestern auf seinem Betrieb im Beisein von (v.l.) Kammerdirektor Dr. Peter Epkenhans, Raesfelds WLV-Ortsverbandsvorsitzendem Ewald Becker, Kreisimker-Vorsitzendem Franz-Josef Löchteken und WLV-Kreisvorsitzendem Ludger Schulze Beiering. Foto: Stephan Wolfert, WLV

1000 neue Hofbäume im Kreis Borken – der Titel ist gleichzeitig Programm für das neue Projekt des Borkener Kreisverbandes im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) in Kooperation mit dem Kreisimkerverein. Gestern setzten Verbandsvertreter symbolisch die drei ersten Linden am Hof Pass in Erle.
WLV-Kreisvorsitzender Ludger Schulze Beiering (Weseke) erinnert sich, dass die Idee zum Projekt vor einigen Monaten im lockeren Gespräch mit dem Imker-Kreisvorsitzenden Franz-Josef Löchteken (Raesfeld) gereift sei: „Wir waren uns einig, dass auf unterschiedliche Weise etwas für die Biene getan werden muss.“ Die Tatsache, wie gewinnbringend Hofbäume nicht nur für das Landschaftsbild in den Bauerschaften, sondern auch für Bienen und andere Arten sein können, sei in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten, so Löchteken: „Im Wald sind 1000 Bäume nicht viel. Über viele Höfe hinweg verteilt sind 1000 Bäume aufgrund ihrer Einzellage und Vertikalität Gold wert.“ Eine Linde, wie sie Erles WLV-Ortsvorsitzender Ludger Pass ausgewählt habe, verheiße einen zusätzlichen Ertrag für ein nahegelegenes Bienenvolk von 500 Gramm, schätzt der freiberufliche Imkerei-Dozent: „Also ein klassisches Honigglas voll. Übrigens bringen gerade Linden einen sehr guten Honig.“ Der Nutzen erschöpfe sich freilich nicht mit dem süßen Gewinn für das Frühstücksbrötchen, betont er. Hofbäume brächten vielfältigen ökologischen Nutzen, etwa für die Vogelwelt: „Sie sind als Nisthilfe sehr begehrt.“
Ludger Pass räumt ein, dass er sich über den Biodiversitätsgewinn durch Hofbäume bis vor kurzem wenig Gedanken gemacht habe. Und das, obschon er jeden Tag auf dem Weg zum Kühe melken mit Freude an seinem stattlich mitten auf dem Hof gewachsenen Ahornbaum vorbei geht: „Wir vom Ortsverband sind in den letzten Jahren intensiver mit den Imkern ins Gespräch gekommen. Da bekommt man auch einen anderen Blick. Im letzten Sommer ist mir richtig aufgefallen, wie viele Bienen sich in der Ahornkrone getummelt haben. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich sofort zugesagt habe, als Ludger mich gefragt hat, ob ich bei der Hofbäume-Aktion mitmache.“
Ebenfalls begeistert war Dr. Peter Epkenhans von der Initiative. Der Leiter der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW sagte bei der Vorstellung der Idee im WLV-Kreisvorstand spontan zu, die erste Linde zu stiften: „Bäume sind prägend für die Ästhetik unserer Höfe. Und sie sind ein wichtiges Symbol für die generationenübergreifende Verantwortung der Landwirte für die Kulturlandschaft.“ Einer Verantwortung, der die Landwirte im Übrigen durch ein breites Bündel weiterer Aktivitäten nachkommen. Beispiel Wallhecken. Allein im Kreis Borken pflegen Landwirte an ihren Feldern insgesamt über 4000 Kilometer der hölzernen Kleinbiotope – und das in den meisten Fällen unentgeltlich. In ihrer Beratung lege die Kammer inzwischen einen deutlich stärkeren Fokus auf Biodiversität. In den letzten Monaten habe man bei einem knappen Dutzend regionaler Infoveranstaltungen rund 800 Landwirte zu geeigneten Biodiversitätsmaßnahmen informiert. Die Landwirtschaftskammer habe mit einer Naturschutzberaterin eine Stelle geschaffen, wodurch Betriebe eins zu eins und kostenlos begleitet werden können: „Die Landwirtschaft hat auch in der Vergangenheit schon einiges für den Artenschutz unternommen, aber nicht alles war effektiv. Wir lernen da immer noch dazu. Aber wir sind davon überzeugt, dass Naturschutz und intensive Landbewirtschaftung zusammen möglich sind.“

"Ich habe gerne mit Bäumen zu tun, sie haben uns viel zu erzählen." (Ludger Schulze Beiering)

Schulze Beiering hat bei den laufenden Winterversammlungen der Ortsverbände beobachtet, dass ein Umdenken im Gange ist. Auch deswegen sei er zuversichtlich, dass das Hofbäume-Projekt ein weiterer Baustein für die Artenvielfalt im Kreis Borken sein könne. Er bewirtschafte genau wie die meisten anderen Landwirte im Kreis ein paar Hektar Wald auf seinem Betrieb und empfinde dies häufig als wohltuenden Ruhepol gegen die sonstige Hektik in der Landwirtschaft. „Ich habe gerne mit Bäumen zu tun, sie haben uns viel zu erzählen.“

Zum Thema: Projektmaßnahmen

Der WLV-Kreisverband möchte das Ziel „1000 neue Hofbäume“ mithilfe mehrerer Maßnahmen und Instrumente erreichen:
Platzierung des Themas bei WLV-Veranstaltungen und in WLV-Publikationen
Info-Flyer mit Vorstellung besonders „bienenfreundlicher“ Hofbäume, zum Beispiel Winterlinde, Stieleiche, Berg- oder Feldahorn, Hain- oder Rotbuche
Abwicklung mithilfe von Hofbaum-Bestellkarten im Postkartenformat (verteilt unter anderem über die Landwirtschaftlichen Ortsverbände).
Einzelberatung und Bezug über die örtlichen Baumschulen
Evaluation nach zwölf Monaten bezüglich des Umsetzungsstands
Weitere Maßnahmen zur Werbung für das Projekt befinden sich in Vorbereitung

Weitere Informationen finden Sie in der Rubrik "Kreisverband Aktuell".

Presse-Kontakt

Auftakt des Hofbäume-Projekts

"Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde" heißt es in einem alten Volkslied. Das nahm Landwirt Ludger Pass aus Erle (Mitte) wörtlich und geht so mit gutem Beispiel für das Ziel "1000 neue Hofbäume im Kreis Borken" voran. Das Gemeinschaftsprojekt von Landwirten und Imkern startete gestern auf seinem Betrieb im Beisein von (v.l.) Kammerdirektor Dr. Peter Epkenhans, Raesfelds WLV-Ortsverbandsvorsitzendem Ewald Becker, Kreisimker-Vorsitzendem Franz-Josef Löchteken und WLV-Kreisvorsitzendem Ludger Schulze Beiering. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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