Erträge und Qualitäten mit Unterschieden - Preise teils niedrig

10. Oktober 2017

WLV-Kreisverbandsvorsitzender zieht Erntefazit

So wie hier in Wessum waren regional unterschiedlich zwischen 10 und 20 Prozent der Maisbestände nach dem Sturmtief Sebastian umgeknickt. Foto: Jan Elpers

Die Bauern im Kreis Borken blicken zurück auf ein Erntejahr, in dem oftmals die Erwartungen bei Erträgen und Qualitäten wie auch bei den Erzeugerpreisen nicht erfüllt wurden. Insgesamt ist festzustellen: Extreme Trockenheit zwischen April und Anfang Juli haben 2017 zu großen Ertrags- und Qualitätsunterschieden über alle Regionen, Bodenarten und Kulturen hinweg geführt. Aber auch Wind- und Wetterverhältnisse haben einzelnen Kulturen bis in den September hinein stark zugesetzt. Dieses Fazit zog der Vorsitzende im WLV Kreisverband Borken, Ludger Schulze Beiering anlässlich der Erntepressekonferenz des Verbands heute in Borken auf dem Hof Grave.

„Die Bedingungen bei der Aussaat des Getreides im letzten Herbst waren gut und der weitgehend milde Winter ließ auf eine gute Ernte hoffen. Das trockene Frühjahr aber hat sich jedoch vor allem auf den sandigen Böden im Kreis negativ auf die Kornausbildung ausgewirkt. In Erinnerung bleibt vielen Bauernfamilien sicherlich der sehr regenreiche Juli, der die Erntearbeiten erheblich erschwerte. Nicht zuletzt die Schäden durch den Spätfrost im April und die jüngsten Stürme erinnern uns daran: "Wir bleiben in der Landwirtschaft abhängig von den Unwägbarkeiten der Natur, und so mussten wir uns in diesem Jahr mit Einbußen sowohl bei den Mengen wie den Qualitäten abfinden“, so Schulze Beiering.
 
Der WLV Kreisverband Borken geht für die Gerste von durchschnittlichen Erträgen aus, wobei auf Sandböden aber nur etwa 50% erreicht wurden. Bei Triticale und Roggen führte die Frühjahrstrockenheit zu überwiegend enttäuschenden Ergebnissen, die 10-30% niedriger waren als sonst. Auch der Weizen blieb im Ertrag deutlich hinter den Erwartungen zurück. Wegen der schlechten Erntebedingungen haben die Menge wie vor allem die Qualität beim Stroh gelitten. Die Erträge bei Winterraps waren ebenfalls schwach, was an den Spätfrösten im April lag. Der Mais konnte als Pflanze mit subtropischer Herkunft die Trockenheit im Frühsommer gut überbrücken. Mais als Zweitfrucht nach Gras hatte jedoch im Juni schwer zu kämpfen und benötige Zeit zur Stablilisierung. Insgesamt aber haben wir in diesem Jahr überdurchschnittlich gute Silomais- und CCM-Erträge mit hohen Kolbengewichten. Diese führ(t)en bei großrahmigen Sorten während des Sturmtiefs „Sebastian“ zu entsprechendem Windbruch. Die Ertrags- und Qualitätsverluste sind jedoch bei zügiger Ernte und gut abgereiften Beständen im Rahmen. Spürbare Rückgänge zeichnen sich ab beim Körnermais. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2016 werden hier Ertragseinbußen in einer Größenordnung von 10 Prozent erwartet.

Die erste Grasernte im Jahr war noch relativ ertragsstark. Wegen der anschließen-den Trockenheit bis in den Sommer waren der 2. und 3. Schnitt mager. Nach den im Juli einsetzenden Niederschlägen wurde es besser, insgesamt aber haben die Bau-ern im Kreis sicher 30 % weniger Gras eingeholt. Die Kartoffeln haben sich trotz Trockenheit im Frühjahr gut gemacht und teils sogar leicht überdurchschnittliche Er-träge gezeigt. Die Zuckerrüben haben insgesamt sehr gute Ergebnisse: interessant ist, dass die Anbaufläche im Kreis wächst, aktuell liegen wir bei gut 1450 Hektar.
Logistisch war die Ernte in diesem Jahr insgesamt anspruchsvoll, da die Arbeiten immer wieder vom Regen unterbrochen wurden.

Die Stimmung in der Landwirtschaft hat sich gebessert dank spürbar höherer Erzeu-gerpreise vor allem bei Milch und auf den Fleischmärkten. Nach den bitteren vergangenen 2 Jahren war das auch dringend nötig. Bauern können das aufgelaufene Minus abbauen und teils sogar wieder investieren. Die anhaltenden gesellschaftlichen Debatten über die Ausrichtung der heimischen Landwirtschaft führen jedoch dazu, dass gleichwohl bei vielen Betrieben noch eine abwartende Haltung überwiegt.

„Nachdem wir das Krisenjahr 2016 mit desaströsen Erzeugerpreisen vor allem bei der Milch hinter uns gelassen haben, erlauben uns die aktuellen Preise, die entstandenen Löcher langsam wieder zu füllen. Auch in der Landwirtschaft sind extrem schwankende Erlöse und Weltmarktpreise heute Realität. Das gilt er    kennbar völlig unabhängig sowohl bei einer regionalen wie einer internationalen Ausrichtung der Erzeugung. Hierauf stellen sich unsere Betriebe ein. Wir kön-    nen als Landwirtschaft auch im Kreis Borken mithalten, wenn man uns den nötigen Freiraum lässt und uns nicht abregelt“, so der Kreisverbandsvorsitzende Schulze Beiering.

Die eher mäßige Getreideernte bei uns wie auch in ganz Deutschland wird überlagert durch erneut sehr gute Ernten in Nordamerika, der Ukraine und der Russischen Föderation. Nach nunmehr fünf Jahren mit guten Getreideernten auf der Nord- wie auch der Südhalbkugel der Erde sind die Vorratsspeicher weiter gut gefüllt, die Erzeugerpreise für die Getreidebauern allerdings dadurch entsprechend niedrig.

Das Fazit für die Verbraucher lautet daher, dass aktuell die Versorgung mengenmäßig und preislich auskömmlich ist. Für Verbraucher ist das zu Erntedank sicher eine gute Botschaft ihrer Bauern.

Die einzelnen Ackerkulturen in der Übersicht

Eine ausführliche Übersicht zu den Ergebnissen der einzelnen Ackerkulturen im Kreis Borken finden Sie in der Rubrik "Kreisverband Aktuell".

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