Landwirtschaft sagt schon mal sorry
Die Gülle - Ein wertvolles Gut

31. Januar 2017

Ab dem 1. Februar dürfen die Landwirte wieder organischen Dünger ausbringen. „Wir können verstehen, wen sich die Menschen über den Geruch ärgern und sagen schon mal sorry“, bittet der Vorsitzende um Verständnis.

WLV (Re) Nun, wenn der Boden genügend abgetrocknet und befahrbar bzw. leicht gefroren ist, fahren die Bauern Gülle oder Gärsubstrat aus Biogasanlagen aus. Ab dem 1. Februar, dürfen die Landwirte ihre Äcker und Wiesen wieder mit dem Naturdünger düngen. Wer im Herbst schon früher aufgehört und einen Antrag gestellt hat, durfte auch schon am 15. Januar beginnen.

Dem einen „stinkt es“– dem anderen ist die Gülle ein wertvoller Dünger, ohne den auf unseren Feldern wenig gedeihen würde. „Der organische Dünger ist für das Wachstum der Getreidepflanzen und das Grünland unverzichtbar“, so der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld Hermann Dedert.

Mit dem natürlichen Dünger versorgen die Bauern das Wintergetreide wie Gerste, Weizen oder Triticale (Kreuzung aus Roggen und Weizen), das im Herbst gesät wurde, mit wichtigen Nährstoffen. Und die stecken in den Hinterlassenschaften der Tiere. „Der Dünger ist wertvoll und das er riecht, liegt daran, dass er aus Kot und Urin der Tiere besteht“, erklärt der Vorsitzende. Durch die Gülle, die einen wichtigen Mehrnährstoffdünger darstelle, könne eine nahezu vollständige Ernährung des Getreides sichergestellt werden. Damit werde dem Boden zurückgegeben, was ihm durch die Ernte der Pflanzen im Vorjahr entzogen wurde. „Diese Kreislaufwirtschaft hat sich seit Jahrhunderten bewährt“, unterstreicht Dedert.

Manch ein Bürger fragt sich, ob das alles mit dem Gülledüngen so richtig ist? Besonders häufig fällt es auf, wenn Gülle auf Grünland ausgebracht worden ist, und das Gras danach braun aussieht. „Wir Bauern sind an Gesetze und Auflagen gebunden, die streng kontrolliert werden“, so der Vorsitzende und bekräftigt, „ein guter Umgang mit Boden und Natur ist uns besonders wichtig und gehört zu unserem Eigenverständnis.“ Beim Zeitraum, bei der Menge und der Dokumentation sind die Landwirte an Gesetze gebunden wie die Düngeverordnung, die streng überwacht wird. Die Bauern stellen weiter Düngebilanzen auf, um pflanzen- und damit nährstoffgerecht zu düngen. Fahren die Landwirte Gülle aus, haben sie sowohl die gesetzlichen Regelungen im Blick als auch den Nährstoffbedarf der Ackerkultur und die Witterungsverhältnisse. Im Winter beispielsweise darf keine Gülle ausgebracht werden, denn in dieser Zeit wachsen die Pflanzen nicht und benötigen somit kaum Nährstoffe. Da die Pflanzen, wenn es wieder wärmer wird, so richtig mit dem Wachstum loslegen, brauchen sie Nährstoffe.

Schleppschläuche verringern Geruchsbelästigung

Die Landwirte versuchen mit verschiedenen Methoden, die Gerüche einzudämmen. Sie sind beispielsweise größtenteils mit Schleppschläuchen unterwegs, die die Gülle direkt auf dem Boden ablegen. Dedert: „Dies reduziert die Geruchbelästigung, verhindert Nährstoffverluste und sichert eine gleichmäßige Verteilung der Gülle.“ Landwirte arbeiten bei der Ausbringung von Gülle auch mit Lohnunternehmen, die über moderne Technik verfügen. Gelegentlich wird der organische Dünger aus Regionen mit höherer Tierhaltung in Ackerbauregionen transportiert. Weil Entfernungen zu überbrücken sind, werden LKW‘s eingesetzt und die Güllefässer dann am Feldrand betankt.

Abschließend bittet der Kreisverbandsvorsitzende die Mitbürger um Verständnis. „Wir können verstehen, wen sich die Menschen über den Geruch ärgern und sagen schon mal sorry.“ Das Ausbringen der natürlichen Dünger sei unbedingt notwendig. Die Bauern passen den genauen Zeitpunkt ab, wenn ihre Flächen abgetrocknet, befahrbar bzw. leicht gefroren sind, so dass die Treckerreifen kaum Spuren hinterlassen und die Gülle in den Boden zur Pflanzenwurzel eindringen kann.

Mit Schleppschläuchen wird die Gülle direkt auf dem Boden abgelegt. Dies verringert die Geruchbelästigung.

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