Münsteraner Landwirte appellieren an die Politik: Innenverdichtung und Konversionsflächen statt Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Böden

07. Februar 2018

Flächenverbrauch: 100 Hektar Acker gehen pro Jahr und dauerhaft verloren

Münster <WLV> Justizvollzugsanstalt, Infrastrukturmaßnahmen, Wohnbebauung und neue Gewerbegebiete: Die Nachfrage nach Flächen in der wachsenden Stadt ist groß. Das spüren auch die Münsteraner Landwirte, denn Landwirtschaftsflächen sind nicht nur für diverse Bauprojekte gefragt, sondern sie müssen allzu oft herhalten, wenn es um Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geht. Bei jedem Eingriff in die Natur und Landschaft muss die beanspruchte Fläche eins zu eins ausgeglichen werden. Die entsprechenden Flächen werden dann aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen, weil Ackerflächen billiger als das Aufarbeiten von Industriebrachen sind.

„Es ist gut und wichtig, dass Münster wächst und städteplanerisch auf das anhaltende Bevölkerungswachstum reagiert wird. Dennoch fordern wir Landwirte, wertvolle landwirtschaftliche Flächen zu erhalten. Fläche ist nicht vermehrbar – was weg ist, ist weg und steht für die Produktion regionaler Lebensmittel dauerhaft nicht mehr zur Verfügung“, betonte Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Allein in den vergangenen zehn Jahren haben die Landwirte in Münster jährlich eine Fläche von 100 Hektar verloren. Das entspricht einer Größe von rund 140 Fußballfeldern.

Immer wieder würde das Argument angeführt, für die Wirtschaftskraft der Stadt sei eine Ausweisung von Gewerbeflächen unerlässlich. „Dabei wird leider viel zu oft außer Acht gelassen, dass auch die hiesige Landwirtschaft eine große Wirtschaftskraft für die Region ist und Ackerland für uns Landwirte unerlässlich ist“, gibt Susanne Schulze Bockeloh zu bedenken. Das Agribusiness macht im Münsterland einen großen Anteil an der Gesamtwirtschaft aus.

Auch Landwirt Jochen Wernsmann aus Nienberge hat hinlängliche Erfahrungen mit dem Flächenverbrauch rund um seine Hofstelle gesammelt: Allein durch Ausleichs- und Ersatzmaßnahmen für den Ausbau der A1 hat sein Betrieb eine Fläche von 12 Hektar verloren. Es ist bereits absehbar, dass weitere Flächen entlang der Steinfurter Straße durch Wohnbebauung verloren gehen könnten. „Wenn diese Entwicklungen im Flächenverbrauch ungebremst weiter gehen, haben viele Höfe auf Dauer nicht mehr die Möglichkeit, sich zukunftsfähig und somit existenzfähig aufzustellen“, sagt der 40-jährige Landwirt aus Münster-Gievenbeck.

Susanne Schulze Bockeloh macht konkrete Vorschläge, um den Flächenverbrauch zu verringern: „Wir appellieren an die Politik, zum Schutz unserer wertvollen Flächen strategische Stadtplanung zu betreiben. Innenverdichtung und die primäre Nutzung von Konversionsflächen müssen hierbei oberste Prämisse haben. Erst müssen nachweislich alle Möglichkeiten in der Stadt selbst ausgeschöpft sein, bevor neue Wohn- und Gewerbegebiete ausgewiesen werden dürfen. Sofern Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen notwendig werden, gilt es, diese gemeinsam mit Landwirten zu erörtern und beispielsweise durch die Aufwertung bestehender Naturschutzflächen landwirtschaftliche Äcker zu schützen. Hier müssen wir gemeinsam neue Wege gehen.“

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