"Kühe gehören ins Landschaftsbild!"

15. März 2018

Landwirtschaftliche Kreisverbände diskutieren über "Wolf und Weidehaltung im Mittelgebirgsraum"

Bernd Eichert, Mutterkuhhalter aus Wenden, Oliver Schneider, Schafhalter aus Netphen, Dr. Meinolf Henning, Biologe und Wolfskenner aus Hagen, Henner Braach, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, Michael Klemm, Limousin-Züchter aus Hartmannsdorf-Reichenau (Sachsen), Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe und Dr. Matthias Kaiser, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (von links).

Kreise Olpe/Siegen-Wittgenstein. Mit der Wiederansiedlung des Wolfes in Südwestfalen und dem Erhalt der Haltung von Nutztieren auf den Weiden beschäftigte sich eine Diskussionsveranstaltung der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Olpe und Siegen-Wittgenstein am Mittwoch in Kirchhundem-Marmecke. 200 Halter sämtlicher Tierarten, die ins Beuteschema des Jägers passen – Schafe, Ziegen, Rinder und Damwild – waren der Einladung gefolgt. Moderiert wurde der emotionsgeladene Abend von Herbert Kranz aus Olpe.

So seien weder die Förderung für Schutzmaßnahmen sowie der zusätzliche Aufwand für die Tierhalter praktikabel geregelt, noch die Entschädigung für Wolfsrisse, und die Beweislast dem Tierhalter aufzubürden sei ein Unding, so die Stimmen von der Basis.

Zwar seien die tatsächlichen Sichtungen von Wölfen in NRW noch überschaubar, mit zehn bestätigten von einzelnen durchziehenden Tieren noch sehr gering, berichtete Dr. Matthias Kaiser vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.  Aber das exakte Monitoring zur Einschätzung der Tierbewegung sei noch in der Erprobungsphase, man tausche sich viel mit Kollegen aus Bundesländern aus, in denen der Wolf bereits ansässig sei. Auf Landesebene würden auch die praktizierbaren Herdenschutzmaßnahmen im ständigen Austausch mit den Tierhalterverbänden entwickelt.

Anders sehe die Situation bereits in Sachsen aus, schilderte anschaulich Michael Klemm, Limousin-Züchter aus Hartmannsdorf-Reichenau, wo Landwirte mit dem Herdenschutz und der Abwicklung der Entschädigung verlorener Tiere und verstörter Herden zu kämpfen hätten. Und er warnte vor Verharmlosung der Situation: „Der Wolf kommt, bereiten Sie sich rechtzeitig auf den Umgang mit dem Raubtier vor, damit Fehler, wie sie in Sachsen passiert sind, nicht auch auf Sie in Nordrhein-Westfalen zukommen“ rief Klemm dem Publikum zu.

Das Ende der Haltung ihrer Tiere in der freien Landschaft bei den derzeitigen Bedingungen prognostizierten die Tierhalter Bernd Eichert (Mutterkuhhalter aus Wenden im Kreis Olpe) und Oliver Schneider (Vorsitzender des Schafhalterverbandes im Kreis Siegen-Wittgenstein). Vor allem für die 80 % Nebenerwerbslandwirte in der Region sei der immense zusätzliche Aufwand zum Herdenschutz nicht zu stemmen.

Zuvor hatte Dr. Meinolf Henning, Biologe und Wolfskenner aus Hagen, ausgeführt, dass eine völlig sich Selbst-Überlassung der Natur nicht möglich sei, da Wölfe in einem dicht besiedelten Land wie NRW zu wenig Rückzugsmöglichkeiten hätten und daher zwangsläufig in Bereiche des menschlichen Lebens eindringen würden. Ihnen die Scheu vor Menschen wieder beizubringen, sei vordringlich nötig.

Der Olper Kreisverbandsvorsitzende Michael Richard hatte in seiner Begrüßung zu dem Abend noch einmal daran erinnert, dass die Menschen einst sehr froh waren, den Wolf aus ihrem Lebensraum in wesentlich dünner besiedelte Gebiete in Osteuropa verdrängt zu haben. Präzise bilanzierte Henner Braach, Vorsitzender des Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, in seinem Schlusswort: „Wir Bauern haben den Wolf nicht bestellt, sehen allerdings, dass er kommt und respektieren natürlich die Gesetze. Die sind aber aus einer Zeit, als wir noch keinen Wolf hatten. Und da sich die Situation wöchentlich ändert, müssen gesetzliche Regelungen so gemacht werden, dass sie der jetzigen Situation angepasst sind. Das ist möglich, das zeigt auch das vom WLV in Auftrag gegebene Gutachten (Link).Es geht uns nicht um Entschädigung. Unser erster Antritt ist die Vermeidung von Übergriffen durch Wölfe auf unsere Tiere. Wir haben eine eindeutige Botschaft: Alles was unternommen wird muss dazu dienen, dass die Weidehaltung weiter möglich bleibt!“

 

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