Werner Schwarz: „Landwirtschaft in der Kritik, weggucken oder was?“

01. Dezember 2016

Kreisverbandstag in Haltern: Jahresrückblick mit rund 300 Landwirten aus dem Vest

Recklinghausen <WLV> Im Rahmen des diesjährigen Kreisverbandstages im Hotel Seehof in Haltern erinnerten sich rund 300 Bauern aus dem Vest an das vergangene Jahr: Nach einer Vegetationsperiode, die von schwierigen Witterungsverhältnissen geprägt war, fiel die Erntebilanz 2016 im Landesdurchschnitt eher durchwachsen aus. Zusätzlich hatten die Landwirte insbesondere in der ersten Jahreshälfte mit geringen Erzeugerpreisen zu kämpfen, wodurch in den vergangenen Monaten viele Betriebe, insbesondere solche mit Milchviehhaltung, an ihre finanziellen Grenzen gestoßen waren. Vor diesem Hintergrund zeigten sich die Landwirte von den im Herbst von Tierschützern gemachten Aufnahmen aus Ställen betroffen, weil diese die Tierhaltung insgesamt in kein gutes Licht gestellt hatten.

Umso aktueller war deshalb der sich dem Jahresrückblick des Kreisverbandsvorsitzenden Friedrich Steinmann anschließende Vortrag von Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. Er referierte zum Thema „Landwirtschaft in der Kritik, weggucken oder was?“ und ermutigte den Berufsstand, künftig noch verstärkter auf Öffentlichkeitsarbeit zu setzen. „Wenn wir keine ehrlichen Bilder zeigen, die zunächst für Erschrecken und dann aber für Diskussionen sorgen, wer soll es dann tun? Wer sich bei Tierrechtlern umsieht, der gewinnt nicht den Eindruck einer großen Menschenfreundlichkeit. Glaubt eigentlich jemand, die gezeigten Bilder wären ein Dauerzustand in unseren Ställen? Wie soll ein Betrieb da wirtschaftlich überleben?“, so Werner Schwarz. „Es wurden Fehler zugegeben und es wurde Besserung zugesagt. Es wurde in Ställe eingeladen, sich ein eigenes Bild zu machen. Aber das alles spielt keine Rolle, denn im Steinhagel der Kritiker gehen solche Anstrengungen unter.“

Die Bewerbung der Landwirtschaft im Vest war für den Landwirtschaftlichen Kreisverband Recklinghausen auch in diesem Jahr ein Kernthema. Neben der Teilnahme an unterschiedlichen Veranstaltungen informierten die Landwirte durch zahlreiche Pressegespräche über  ihre Arbeit auf den fast 1.200 landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Recklinghausen sowie in Bottrop und Gelsenkirchen. Highlight der Öffentlichkeitsarbeit war neben dem diesjährigen Tag des offenen Hofes auf fünf Bauernhöfen in Dorsten-Hervest eine breit angelegte Werbe-Offensive im gesamten Vest.

Was macht der Bauer tagtäglich auf seinem Hof? Was macht das Bauer-Sein heute aus? Antworten auf diese Fragen zur modernen Landwirtschaft geben die Landwirte aus der Region seit Spätsommer an stark frequentierten Straßen im gesamten Stadtgebiet: Dort sind seither zwei Dutzend Großplakate an Ballenwagen zu sehen.  „Wir machen Landwirtschaft –mit richtig viel Herz!“ ist auf den auffälligen Bildmotiven zu lesen. Vorerst gibt es zehn unterschiedliche Motive, hinter denen sich tägliche Arbeiten in der heimischen Landwirtschaft verbergen: Tierhaltung, Lebensmittelproduktion, Ackerbau, Landschaftspflege und Hoferlebnisse. „Unsere Bauernfamilien im Vest möchten näher bringen, was unseren Beruf in der Landwirtschaft ausmacht. Für uns stehen die Erzeugung von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln, der gewissenhafte und artgerechte Umgang mit unseren Tieren und die Pflege der lieb gewonnenen Kulturlandschaft im Vordergrund“, sagt Friedrich Steinmann.

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