Schrille Töne gegen den Tod

05. April 2017

Landwirte und Kreisjägerschaft setzen auf akustische Wildrettung

-ksj/wlv- Kreis Steinfurt. „Eigentlich fahre ich nicht mehr ohne.“ Philipp Bölling zeigt auf den akustischen „Wildretter“ auf dem Frontmähwerk. „Damit habe ich schon seit zwei Jahren beste Erfahrungen gemacht und manchem Wildtier das Leben gerettet“, ergänzt der Landwirt aus Altenberge. Das freut Josef-Eugen Hersping vom Vorstand der Kreisjägerschaft Steinfurt-Tecklenburg. „Jedes Jahr fallen zahlreiche Wildtiere beim Grünschnitt dem Mähtod zum Opfer“, weiß er. „Insbesondere Rehe, Fasane, Rebhühner und bodenbrütende Vogelarten, die sich im hohen Gras verstecken, schaffen es häufig nicht, sich vor dem heranrückenden Mähwerk in Sicherheit zu bringen.“

Philipp Bölling, selbst im Hegering aktiv, und Josef-Eugen Hersping sind sich einig: Die Landwirte, Lohnunternehmer und die Jägerschaft können nur gemeinsam mit präventiven Maßnahmen versuchen, die Zahl der getöteten Wildtiere zu minimieren. Es gilt, dem Wild den Aufenthalt im grünen Gras zur Mahdzeit zu „vergrämen“. Josef-Eugen Hersping kennt verschiedene Methoden, die bislang in der Praxis angewendet wurden, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. „Wir haben als Jäger die Möglichkeit, am Vorabend der Mahd durch das Aufstellen von Tüten und Säcken, durch das Verstänkern mit dem Eintrag von Duftstoffen oder das Absuchen mit dem Hund das Wild von den Grasflächen zu vertreiben“, sagt Hersping. Aber das setzt eine enge Kommunikation zwischen Landwirten, Lohnunternehmen und der Jägerschaft voraus.

„In der Praxis ist das nur schwer durchzuhalten“, weiß auch Philipp Bölling. Aus dem Zeitdruck in der Landwirtschaft entstehe oft ein Zeitmangel für den Jäger. „Auch das für die Niederwildrettung positive Mähen von innen nach außen wird oft nicht praktiziert. Ein Ansatz wäre schon, von einer Seite zur deckungsreicheren anderen Seite zu mähen, um dem Wild die Flucht in die angrenzende Deckung zu erleichtern“, ergänzt Josef-Eugen Hersping.

Technischen Maßnahmen zur Wildrettung kommt vor diesem Hintergrund eine immer größere Bedeutung zu. Josef-Eugen Hersping hat sie im Auftrag der Kreisjägerschaft Steinfurt-Tecklenburg auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Das Ergebnis ist eindeutig: Infrarotsensoren zum Aufspüren des Wildes haben ein hohes Eigengewicht. „Sie sind wenig praktikabel, weil die gesamte Fläche abgesucht werden muss. Das kann je nach Bewuchs sehr anstrengend werden“, schätzt Hersping ein. Könnte die Drohnenbefliegung ein probates Mittel der Wildrettung sein? „Die Kosten sind vergleichsweise hoch. Der Bediener muss sachkundig sein, die Gefahr von Fehldeutungen ist hoch. Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr begrenzt ebenso wie das Zeitfenster, in dem die Drohnen zum Einsatz kommen könnten“, so Hersping.

Eine preiswerte und effektive Art, möglichst viele Tiere vor dem Mähtod zu schützen, ist der akustische LJV-Wildretter. Dieses kleine, handliche Gerät stellte Josef-Eugen Hersping im Rahmen des Kreisjägertages in Saerbeck der Öffentlichkeit vor. Es wird am Mähbalken fest angebracht, ist sofort einsatzbereit und erzeugt einen unangenehm lauten und hohen Ton. Dadurch werden die Tiere von der Grünfläche vertrieben. Entwickelt wurde das Gerät von einer Gruppe aus der Kreisjägerschaft rund um Josef-Eugen Hersping. „Die Funktionsweise akustischer Wildretter ist schon lange bekannt, neu aber ist, dass die Landwirte für jede Mähkombination das passende Wildrettungssystem fertig vormontiert bestellen können und es nur noch befestigen müssen“, so Hersping. Für jede Mäheinheit wird ein Wildretter gebraucht. Jede Einheit können Landwirte und Lohnunternehmer bei der Kreisjägerschaft zum Selbstkostenpreis von 80 Euro beziehen. „Ein gutes und überaus sinnvolles Projekt, um die Artenvielfalt zu erhalten und zu schützen“, davon sind Kreisjägerschaft und auch der WLV-Kreisverband überzeugt. Wird die akustische Wildrettung dann noch mit anderen in der Praxis erprobten Maßnahmen kombiniert, werden die Tiere so weit wie eben möglich geschützt. Philipp Bölling hofft auf viele Berufskollegen, die wie er bald überzeugt sind: „Mähen nur noch mit Wildretter.“

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Akustischer Wildretter

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