WLV-Arbeitskreis Geflügel tagte

30. November 2020

Beim WLV-Arbeitskreis Geflügel, der unter Leitung von Franz-Rudolf Geisthövel aufgrund von Corona digital durchgeführt werden musste, ging es letzte Woche um zahlreiche Themen – insbesondere aber um die neugefasste Schlechtwetterregelung für Legehennen und ein neues Puten-Fitness-Projekt des Landes NRW. Aber auch das Töten der Hahnenküken und die Geflügelpest wurden angesprochen. Einleitend jedoch wurden die schwierigen Märkte diskutiert. Insea Staschinski vom DBV äußerte, dass sowohl beim Geflügelfleisch als auch auf dem Eiermarkt die Märkte unter Druck stünden. Im Vergleich zum Vorjahr lägen die Hähnchenpreise 3 bis 5 Cent und die Preise für Puten um 7 bis 10 Cent niedriger. Auch die Preise für Eier aus Bodenhaltung seien um mehr als 2 Cent gesunken. Besonders in der Gewichtsklasse M seien die Märkte schwierig, so Franz-Rudolf Geisthövel.


Schlechtwetterregelung für Legehennen
Dr. Torsten König vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MULNV) erläuterte, dass die Auslaufregelungen für Legehennen nicht im Tierschutz, sondern im Marktrecht der EU geregelt seien. Bezüglich der genauen Auslegung hätten sich EU-Kommission, Bund und Länder häufig und intensiv ausgetauscht. Bei extremen Witterungsverhältnissen, und da würden die Stufe 3 der Unwetterwarnung und die Warnungen vor extremen Unwettern (Stufe 4) des Deutschen Wetterdienstes aufgeführt, könne auf Auslauf verzichtet werden. Dies müsste jedoch dokumentiert werden. Einige Bundesländer hätten daraufhin konkretere Auslaufbeschränkungen erlassen. In der Kritik stünde der krasse Übergang von Stufe 2 zu Stufe 3 der Unwetterwarnungen. Die Hürde zu Stufe 3 sei sehr hoch. Anders als in Niedersachsen, wo eine Index-Lösung angewandt würde, sei für NRW das eigenverantwortliche Handeln der Legehennenhalter maßgeblich. Die Betriebsleiter könnten auf Basis des lokalen Wettergeschehens entscheiden, ob die Hennen im Stall blieben oder nicht. Die Vorgehensweise in NRW sei zunächst im Rahmen eines Pilotprojektes vorgesehen. Das Projekt laufe erst für einen Zeitraum von 14 Monaten und zwar vom 01. Januar 2021 bis zum 28. Februar 2022. Wichtig sei, dass alle verantwortungsvoll mit dieser Regelung umgingen, damit dieses Konzept für die Zukunft etabliert werden könne.

Puten-Fitness-Projekt NRW
Nach dem bereits mehrere Projekte mit Putenhennen sowohl vom Land NRW als auch durch die Landwirtschaftskammer NRW mit unterschiedlichen Erfolg gelaufen sind, wird nun ein Projekt mit Putenhähnen durchgeführt. Ziel ist die Vermeidung von Federpicken und Kannibalismus bei den männlichen Mastputen. Dominik Benz von der Projektgruppe Nutztierhaltungsstrategie im MULNV erläuterte, dass Federpicken und Kannibalismus Verhaltensstörungen seien, die vielfältige Ursachen hätten. Schwere Verletzungen könnten durch das derzeit gebräuchliche Schnabelkupieren reduziert werden. Grundsätzlich sei jedoch die Amputation von Gliedmaßen nach dem Tierschutzgesetz verboten. Für das jetzt geplante
Projekt würden in fünf Betrieben mit jeweils mehr als 500 männlichen Puten zwei Durchgänge ohne das Schnabelkupieren durchgeführt. Verschiedene Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Federpicken und Kannibalismus ausbleiben. So soll Hafer in Anteilen von 2,5 bis 10 % zugefüttert werden. Darüber hinaus soll die Möglichkeit des Schnabelschleifens durch Schleifelemente im Futtertrog ermöglicht werden. Dadurch würde der Ausbildung scharfer Kanten der Schnabelspitze vorgebeugt. Die Stallungen sollen stärker strukturiert werden. So sollen Strohballen eingebracht werden. Erhöhte Ebenen mit Rampen und Staubbäder seien ebenfalls vorgesehen. Zur zusätzlichen Beschäftigung seien Luzerneheu, Hanfpellets und Picksteine und weitere Materialien vorgesehen. Auch sei eine zusätzliche Lichtquelle geplant, um den UVA-Lichtanteil zu erhöhen. Dadurch werde eine Anpassung des Lichtspektrums an das Geflügelauge erreicht, was einer tagesähnlichen Beleuchtung entspreche. Das Projekt beginne im Dezember 2020 und soll Ende 2021 abgeschlossen sein, so dass Ergebnisse in 2022 vorliegen werden.

Töten männlicher Eintagsküken
Der Geschäftsführer des Arbeitskreises Geflügel, Dr. Herbert Quakernack, wies daraufhin, dass gemäß des Entwurfes des BMEL zur Änderung des Tierschutzgesetzes das Kükentöten ab 2022 verboten sein soll. Es werde davon ausgegangen, dass die Geschlechtsbestimmung im Ei bis dahin etabliert sei. Jedoch dürften gemäß BMEL nur bis Ende 2023 Verfahren angewendet werden, die erst nach dem sechsten Bruttag eine Geschlechtsbestimmung möglich machten. Danach müsse die Geschlechtsbestimmung vor dem siebten Bruttag passieren. In der Diskussion wurde auf die Problematik hingewiesen, dass sowohl die verfügbaren Verfahren zur Geschlechtsbestimmung als auch die Nutzung von Zweinutzungshühnern und die Bruderhahnaufzucht nicht allein zur Deckung des deutschen Bedarfs an Eiern ausreichen würden. Noch fehle auch die Praxisreife. Erschwerend käme hinzu, dass der europaweite Handel die angestrebten Maßnahmen in Deutschland unterlaufen könne. Hier könne nur EU-Recht dieses Dilemma auflösen. Wichtig sei auch, dass Regelungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel geschaffen würden, die es ermöglichten, die entstandenen Kosten aufzufangen. Die Versammlung war sich einig, dass es die wenigen Brütereien in NRW schwerhaben dürften, in Zukunft zu bestehen. So seien vor fünf Jahren noch 13 Brütereien in NRW registriert gewesen und heute nur noch fünf.


Geflügelpest
Die Mitglieder des WLV-Arbeitskreises Geflügel waren sich einig, dass vor dem Hintergrund des Geflügelpestgeschehens in der Wildvogelpopulation in Norddeutschland, Osteuropa, aber auch in den Niederlanden und den mittlerweile mehr als 10 Ausbrüchen in Hausgeflügelbeständen in Deutschland die Biosicherheitsmaßnahmen höchste Priorität hätten. Die Uni Vechta hätte eine Risikoampel erarbeitet, die es ermögliche, den Zustand des eigenen Betriebes mit dem Risiko für einen Eintrag von Geflügelpest im Bestand einzuschätzen. Dazu müssten allgemeine Betriebsdaten eingegeben werden. Diese würden anonym gespeichert. Danach werden Fragen gestellt. Im nächsten Schritt erhält der Anwender eine Risikoeinschätzung, dargestellt in Ampelfarben. Die Risikoampel der Universität Vechta ist im Internet unter www.risikoampel.uni-vechta.de einsehbar.

 

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