Viele Baustellen, aber auch Lichtblicke für Rinderhalter

24. Februar 2021

150 Teilnehmer bei Online-Veranstaltung von Kammer und Verband

Neue Vorschriften, unsichere Märkte, Tierwohl-Initiativen in Vorbereitung, Tierseuchen im Anmarsch und zusätzliche Kontrollen auf den Höfen. Die Bandbreite an Themen bei der FokusRind-Veranstaltung von Kammer und Verband war groß.

Neue Vorschriften, unsichere Märkte, Tierwohl-Initiativen in Vorbereitung, Tierseuchen im Anmarsch und zusätzliche Kontrollen auf den Höfen. Ludger Schulze Beiering musste vor seinem Schlusswort einmal tief durchatmen: „Man fühlt sich fast schon erschlagen von der Fülle der Themen und Baustellen, denen wir gegenüber stehen." An den Gesichtern und den Wortmeldungen der knapp 150 Teilnehmer an der FokusRind-Veranstaltung gestern Abend war Zustimmung zu dieser Aussage des WLV-Kreisverbandsvorsitzenden abzulesen.
Unternehmensberater Simon Ickerott von der Landwirtschaftskammer NRW hatte aktuelle Zahlen im Gepäck, die auf eine zunehmende Schieflage der hiesigen Milchviehhaltung hindeuten: „Wir stellen fest, dass immer mehr Betriebsmittelkredite in den Bilanzen auftauchen. Das bedeutet Geldabfluss aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit." Der Rindvieh-Experte nannte als Hintergrund unter anderem die ungute Kombination aus schon zu lange unzureichenden Erzeugerpreisen, schlechten Ernten, gestiegenen Futterkosten und zunehmenden Auflagen.

Auch wenn die Erlössituation in den letzten Monaten auch für die Rindfleischerzeugung unbefriedigend gewesen ist: Bei der Bullenmast stehe im Mittel der letzten fünf Jahre im Durchschnitt der Betriebe zumindest noch ein kleines positives Betriebsergebnis unter dem Strich, so Ickerott. WLV-Rindfleischexpertin Theresa Averbeck nannte Lichtblicke am Fleischmarkt: „Die Nachfrage privater Haushalte nach Qualitätsfleisch ist im Lockdown gestiegen. Die Leute kochen mehr selbst und gönnen sich da auch was in Zeiten, wo sie nicht in Urlaub fahren oder ins Restaurant gehen können." Davon profitiere vor allem auch der Jungbullenpreis. Insgesamt habe sich Corona im letzten Jahr aber auch hier negativ auf die Erlössituation ausgewirkt.
Hoffnung verbreitet der Blick auf die im Raum stehende Nutztierstrategie auf Bundesebene, die von der Borchert-Kommission vorbereitet werde, sowie auf die baldige Ausweitung der Initiative Tierwohl aufs Rindfleisch. Hier sieht der WLV die Chance, dass ein Mehr an Tierwohl auch ein dementsprechendes Preisschild bekomme.

Auf Unverständnis bei den Experten von Kammer und Verband sowie bei vielen Praktikern stößt unisono die vom KTBL (Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V.) und vom Thünen-Institut angefachte Tierschutzindikator-Diskussion. Simon Ickerott kündigte an, dass die Empfehlungen in der bald erscheinenden neuen Bauschrift der Landwirtschaftskammer NRW unter anderem bei den Platzbedarfen für mehr Tierwohl anders aussehen werden.

Der neue Kreisveterinär Dr. Manfred Ulrich mahnte bei den Betrieben die Einhaltung des vorgeschriebenen Tier-Liegeplatzverhältnisses an: „Wir werden das als Kreis weiter kontrollieren und gegebenenfalls sanktionieren."
Vom Anfang Februar auf einem Milchviehbetrieb in Vreden nachgewiesenen BHV1-Herdenfall sei bislang wahrscheinlich noch kein unkontrolliertes Seuchengeschehen ausgegangen. Aktuell seien 4 Kontakt-Betriebe im Kreis Borken bekannt, „allerdings glücklicherweise nur mit je einem infizierten Tier", so Ulrich. Derzeit gebe es Grund zur Hoffnung, dass eine Verschleppung der Seuche durch konsequente Maßnahmen noch verhindert werden könne.
Mit einem stärkeren Fokus auf die Einhaltung der betrieblichen Biohygiene-Standards können die Halter aktiven Seuchen- und Gesundheitsschutz betreiben. Als Vorbild nannte Ulrich die Hygieneschleusen, wie sie etwa in den Schweine- und Geflügelanlagen längst Standard seien.

Kreislandwirt Heinrich Emming konnte zum Umfang der nitratbelastet eingestuften Gebiete im Kreis Borken eine positive Entwicklung vermelden: „Bei der Bewertung von Feldblöcken als rote Gebiete sind aber noch viele Fragen offen. Auch Kammer und Verband kennen die detaillierte Systematik noch nicht, auf deren Grundlage die abschließende Einstufung durch das LANUV erfolgt ist." Die berufsständische Interessensvertretung werde das Thema weiter sehr intensiv begleiten.

Aufgrund des erfreulichen Interesses und der weiterhin nicht bestehenden Möglichkeit für Präsensveranstaltungen wollen WLV und Kammer die Reihe der gemeinsamen themenbezogenen Fachveranstaltungen in nächster Zeit fortsetzen.

Vorträge zum Download

Mitglieder können sich die Fachvorträge der Referenten im Bereich "Dokumente" downloaden.

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