Borkener Bauernfamilien ziehen gemischte Erntebilanz

06. Oktober 2021

Getreide schwächer als erhofft. Gras, Raps und Mais erfreulich

Ernterad der Rekener Landfrauen 2021

Die Erntebilanz 2021 der Bauernfamilien im Kreis Borken fällt gemischt aus. Dieses Fazit zogen heute Vertreter von Landwirtschaftskammer und -verband im Kreis Borken im Rahmen des Erntebilanz-Pressegespräches auf dem Hof Sicking in Reken. Nach den beiden von großer Trockenheit geprägten Vorjahren gab es 2021 einen Sommer mit überdurchschnittlich viel Niederschlag, örtlich im Juli sogar mit extremen Regenmengen.

  • Beim Pressegespräch kommentierten die Landwirtschaftsvertreter auch die Situation in der Tierhaltung. Die derzeitige Situation ist speziell für die Schweinehaltung desaströs, die Zukunftsperspektiven ungewiss. Es gibt aber auch Hoffnungszeichen. Hier mehr dazu.

Die folgende Zusammenstellung zur Ernte 2021 haben Fachberater der Landwirtschaftskammer NRW erstellt. Die Angaben beruhen auf Proberodungen, Schätzungen und Erträgen, welche Beratern im Rahmen der täglichen Beratungsarbeit bekannt wurden.

Vorbemerkung: Die Ergebnisse der Getreideernte 2021 sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Die Kälteperiode im Februar hat das Getreide dank der kräftigen Schneedecke weitestgehend problemlos überstanden. Die niedrigen Temperaturen und anhaltenden Niederschläge im März und April machten es jedoch schwer, einen günstigen Termin für erste Düngergaben zu finden. Zunächst konnte man dem Getreide das knappe Nährstoffangebot noch ansehen. Mit steigenden Temperaturen im Mai und Juni entwickelten sich die Bestände dennoch zügig, präsentierten sich prächtig, enttäuschten dann aber beim Ertrag aufgrund einer sehr trockenen und heißen Phase ab Mitte Juni. Die Pflanzen hatten es bis dahin nicht nötig gehabt, tiefe Wurzeln auszubilden.

Gerste (ca. 6800 ha)

Die Gerste litt örtlich noch an den Folgen des warmen Herbstes 2020. Läuse hatten vielfach das Gerstengelbverzwergungsvirus übertragen. Einige Bestände wurden umgebrochen. Die extrem niedrigen Erträge von 3-4 t/ha aus den Vorjahren blieben glücklicherweise aus. Das Ertragsniveau variierte zwischen 6,0 t/ha auf leichteren Standorten bis hinauf zu fast 9 t/ha auf besseren Boden. NRW-weit lag der Durchschnittsertrag der Wintergerste um 4 % über dem Vorjahreswert bei ca. 7,4 t/ha.

Weizen (ca. 5485 ha)

Der Durchschnittsertrag des Weizens lag für NRW in 2021 bei rund 8 t/ha. Für den Kreis Borken wurde uns von Erträgen von 7 – 9,5 t/ha berichtet. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Weizen im Ertrag jedoch um rund 8 % schlechter abgeschnitten. Durch das kalte Frühjahr, geringere Sonneneinstrahlung und die teils heftigen Temperaturschwankungen war die Kornfüllung nur unzureichend.

Roggen (ca. 5000 ha) und Triticale (ca. 3000 ha)

Aufgrund der Erfahrungen mit Trockenheit in den vergangenen Jahren wurde der Roggenanbau auch in unseren Breiten erneut ausgedehnt, insbesondere auf den Weizengrenzstandorten. Der Roggen konnte mit 7 - 9 t/ha das Vorjahresniveau deutlich übersteigen. Triticale erreichte im Schnitt über NRW ca. 6,5 t/ha. Uns sind aus dem Kreis Borken Erträge zwischen 6 – 8,5 t/ha bekannt.

Raps (ca. 370 ha)

Raps spielt im Kreis Borken nur eine untergeordnete Rolle. Im letzten Jahren hat Raps mit stellenweise über 4 t/ha positiv überrascht. In diesem Jahr konnte das Vorjahresniveau vereinzelt gehalten bzw. sogar ausgebaut werden. Die Rapsanbauer berichteten von 3,6 t/ha bis zu 4,5 t/ha.

Grünland / Ackergras

Der erste Grünlandschnitt war hinsichtlich des Masse-Ertrages außergewöhnlich gut, lediglich die Ernte gestaltete sich je nach Termin aufgrund kräftiger Niederschläge teils problematisch. Futterberater berichten jedoch von etwas niedrigeren Energiegehalten der Silagen. Auch die weiteren Schnitte konnten ertraglich voll und ganz überzeugen. Vielerorts waren die Reparaturarbeiten in Form von Übersaaten, Durchsaaten und Pflegeumbrüchen aus den letzten Jahren immer noch nicht abgeschlossen. Das reichhaltige Futterangebot, volle Silos und regelmäßige Niederschläge schafften gute Bedingungen für Pflegeumbrüche und Pflegemaßnahmen.

Mais (ca. 38.800 ha)

Die Silomaisernte startet nun kreisweit durch. Im Südkreis ist sie schon deutlich weiter vorangeschritten und befindet sich auf der Zielgeraden. Kreisweit wird von einem Durchschnittsertrag von über 50 t/ha berichtet, wobei die Spanne von 40 – 60 t/ha reicht. Spannend bleibt es trotzdem, denn es wird erwartet, dass aufgrund geringerer Kolbenanteile die Energie- und Stärkegehalte der Maissilagen nicht den gleichen Höhenflug hinlegen werden, wie die Erträge. Auch die CCM-Ernte einzelner frühreifer Bestände ist angelaufen. Für verlässliche Angaben zu Erträgen ist es aber noch zu früh. Der Mais hat am meisten unter den kalten, feuchten Bedingungen des Frühjahrs gelitten. Der spät einsetzende Frühling mit höheren Temperaturen ab Mitte Mai hat ihm dann aber dennoch zu erstaunlichen Wachstumssprüngen verholfen. Bis auf wenige, kleinräumige Gebiete musste der Mais zu keiner Zeit unter Wassermangel leiden. Sogar spät gesäter Zweitfruchtmais nach Gras oder Grünroggen ist ansehnlich. Aufgrund des bereits stark beanspruchten Lagerraumes der Milchviehbetriebe und der hohen Maiserträge ist zu vermuten, dass anders als in den Vorjahren, die Silomaisbestände nicht vollständig eingeholt und später mit dem Mähdrescher geerntet werden. Milchviehbetrieben, die auf hohe Energiegehalte der Maissilagen angewiesen sind, rät die Kammer, den Mais deutlich höher abzuschneiden, da die Stoppeln den geringsten Energiegehalt und die niedrigste Verdaulichkeit aufweisen.

Zuckerrübe (ca. 1620 ha)

Mancherorts ist die Zuckerrübenernte bereits angelaufen. Am 4. Oktober hat auch die Zuckerfabrik Appeldorn die Kampagne gestartet. Die Rüben lassen boden- und niederschlagsabhängig ähnliche Ernteergebnisse wie in den Vorjahren erwarten. Auf der einen Seite profitierten die Rüben von den regelmäßigen Niederschlägen, auf der anderen Seite profitieren aber auch Krankheitserreger von der ständigen Feuchtigkeit Späte Rübenfäule war teils die Folge. Bei Starkbefall sind frühe Rodetermine angeraten. Bedingt durch das kalte Frühjahr sind die Rüben erst spät in Schwung gekommen. Proberodungen lassen vermuten, dass die Zuckergehalte eher leicht unter Durchschnitt liegen werden (geringere Sonneneinstrahlung), die Masseerträge hingegen werden gut durchschnittlich sein. Es bleibt abzuwarten welche Zuwächse die Witterung im Oktober noch zulässt.

Kartoffel (ca. 2260 ha)

Der Jahreswitterung geschuldet ist die Ernte der Kartoffeln gerade noch in vollem Gang und auf vielen Betrieben mit Lagerkartoffeln, wenn überhaupt, erst zur Hälfte abgeschlossen. Die Auspflanzung fand von März bis Mai über einen sehr langen Zeitraum statt. Das Auflaufen der Kartoffeln im Feld war durch die lange Phase der Auspflanzung sehr unterschiedlich. Nach einer heißen, trockenen Phase im Juni blieb die Witterung moderat und die Beregnungskapazitäten mussten, anders als in den vergangenen Jahren, nicht voll ausgeschöpft werden. Durch die Feuchtigkeit über die Saison hinweg war auch ein permanent hohes bis sehr hohes Krautfäulerisiko gegeben. Vereinzelt mussten auch Flächen vorzeitig sikkiert (reifegefördert) werden, da die Krautfäule überhandgenommen hatte. Aktuell deuten sich mengenmäßig durchschnittlich bis leicht überdurchschnittliche Erträge an. Gerade Standorte ohne Beregnung konnten nach den „Dürre-Jahren" einen ordentlichen Ertrag bilden. Für die kommende Lagersaison herrscht jedoch ein leicht erhöhtes Risiko für Fäulnis, da die Witterung im Feld für entsprechende Erreger im Lager förderlich gewesen ist.

  • Stand der Angaben: 04.10.2021

 

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