Schweinehalter sind in der Klemme

07. Februar 2022

Statement des Kreisverbandes zur Situation am Schweinemarkt

Zur aktuellen Situation am Schweinemarkt wurde der Pressesprecher des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Stephan Wolfert, befragt, was an der Ladentheke ein fairer Preis für klassisch konventionell erzeugtes Schweinefleisch wäre, also ein Preis, der neben dem Tierwohl auch das Bauernwohl (also ein auskömmliches Einkommen für den Tierhalter) gewährleisten helfen könnte. Hier seine Antwort:

So ganz vereinfacht lässt sich diese Frage nicht beantworten, unter anderem weil nur Teile eines hier geschlachteten Schweins von deutschen Verbrauchern verzehrt werden, vor allem Filet, Schnitzel, Kotelett und Nacken. Pfoten, Schnauze und Schwanz hingegen landen hierzulande so gut wie gar nicht mehr auf dem Teller, sind in anderen Teilen der Welt aber weiterhin gefragt. In China gilt ein Schweineschwanz als echte Delikatesse. Dieser Vermarktungsweg ist aber derzeit weitgehend abgeschnitten. Seit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest 2020 in Ostdeutschland haben fast alle wichtigen Drittländer Einfuhrsperren für deutsches Schweinefleisch verhängt.

Was sich eindeutig sagen lässt ist, dass wir in Deutschland in der Kette der Fleischproduktion und -vermarktung ein Verteilungsproblem haben. Von jedem Euro, den Schweinefleisch im Supermarkt kostet, landet derzeit im Schnitt nur 20 Cent beim Bauern. Unter anderem unser WLV-Präsident Hubertus Beringmeier fordert hierzu eine andere Aufteilung: Mindestens 30 Prozent vom Verkaufserlös müssten es fairerweise eigentlich sein.

Die Schweinehalter sind in der Klemme. Es ist nicht nur so, dass die Erzeugerpreise abgestürzt sind. Auf der anderen Seite sind in den letzten Monaten die Betriebsmittelkosten massiv gestiegen – vor allem durch höhere Futter-, Energie- und Düngemittelkosten. Bei einem fairen Preis müsste der Bauer sämtliche Kosten decken und einen Unternehmergewinn für betriebliche Investitionen erzielen können, zum Beispiel in mehr Tierwohl. Außerdem müsste auch noch was dransitzen, um seine eingesetzte Arbeit zu honorieren. Das Gegenteil ist derzeit der Fall. Wenn man so will, muss der Bauer derzeit jeden Morgen beim Betreten des Stalls Eintritt dafür bezahlen, dass er sich mit seinen Schweinen beschäftigen darf.

Aber zurück zum Supermarkt: Im aktuellen Wochenangebot eines großen Discounters wird das Kilo Schweinehackfleisch für 3,49 € angeboten. Dass am Ende für den Bauern als letztes Glied in der Kette bei solchen Preisen kaum noch was übrig bleiben kann, müsste jedem Verbraucher klar sein. Dass man an der Fleischtheke weniger pro Kilogramm bezahlen muss als beim Griff ins Katzenfutter-Regal kann so nicht richtig sein.

Weiterführende Inhalte zur Situation am Schweinemarkt

Stephan Wolfert

Pressesprecher des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Stephan Wolfert.

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