Mitgliederbrief April 2015

21. April 2015

Liebe Mitglieder,

Zu Ostern hat sich der Vorsitzende des Kreisverbandes, Dieter Hagedorn, mit einem Rundbrief an die Mitglieder gewandt.

ich hoffe, dass Sie alle ein schönes und friedliches Osterfest erlebt haben, vielleicht auch mit dem ein oder anderen Gespräch am Osterfeuer.

Der April begann mit einer neuen Zeitrechnung in der Milchwirtschaft, die Zeit nach der Milchquote. Durch die Milchquote wurde nicht nur Sicherheit geboten, es gingen den aktiven Milcherzeugern mehr als 3 Mrd. € verloren für Superabgabe,  Kauf und Pacht für Milchquoten. Sinnvolles Wachstum wurde erschwert. In Zukunft werden die Verfügbarkeit von Futter sowie bau- und umweltrechtlichen Faktoren das Wachstum begrenzen. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz wird sich begrenzend auswirken, vor allen aber ein unkalkulierbarer Milchmarkt zu Weltmarktkonditionen (s. Raps-und Weizenpreise).

Ich weiß, dass hier viele vor Entscheidungen stehen. Ich wünsche Ihnen allen die richtige Entscheidung mit Sicht auf die Familie, den Betrieb und auch das Umfeld. Informieren Sie rechtzeitig vor Beginn eines Baues Ihre Nachbarn, vielleicht sogar mit einem Hoffest, wo Sie sich und Ihre Produktion darstellen. Wir beraten Sie da gerne.

Ich sage dieses auch speziell vor dem Hintergrund des Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Dieses Gutachten kommt zu radikalen Erkenntnissen und fordert einen kompletten Umbau der jetzigen Tierhaltung, geschuldet dem Empfinden, ja dem Misstrauen, das unsere Mitmenschen gegenüber unserer Tierhaltung haben.

Es werden Forderungen gestellt von unterschiedlichen Klimazonen, unterschiedliche Funktionsbereiche(Bodenbelege) über den Verzicht von Amputationen, weniger Arzneimitteleinsatz, routinemäßige Kontrolle bis zu einem verbesserten Bildungsstand der im Tierbereich arbeitenden Personen.

Zu Ersten kann ich nun sagen, dass wir über die Aktion Tierwohl und Antibiotikadatenbank schon vieles angefangen haben. Was allerdings den letzten Punkt angeht, so muss ich das ganz entschieden von uns weisen. Unsere Tierhalter sind hochmotiviert und Fortbildungen gegenüber aufgeschlossen. Wer sich in der Tierhaltung  auf „Das haben wir schon immer so gemacht“ ausgeruht hat, dürfte bei den geringen Verdienstmargen nicht mehr dabei sein.

Wer, wenn nicht die wissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Beratung,  hat die heutige Tierhaltung mit geformt. Zunahmen und Milchleistung bleiben durchaus ein Kriterium für die Tiergesundheit.

Wir können diese gesellschaftlichen Strömungen nicht aufhalten, aber wenn wir sie begleiten, bleiben wir eventuell handlungsfähig.

Hier möchte ich noch auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Schleswig hinweisen, das die Nerzhaltung verbietet. Es schätzt also den  verfassungsmäßigen Wert des Tierschutzes höher ein als das Recht auf freie Berufsausübung.

Ich hoffe, dass der Kreis Lippe weiter durch ruhige und bedächtige Analyse mit uns zusammen einen für die Tierhalter gangbaren Weg innerhalb der gesetzlich zulässigen Möglichkeiten sucht. Bis hier bestätige ich hier gern eine hohe Kooperationsgemeinschaft.

Ich hoffe, dass uns in diesem Sinn auch die erste Festschreibung des Wasserschutzgebietes Höntrup gelingt. Wir möchten gerne, dass die Wasserkooperation die Entscheidung über die organische Düngung in W2 hat und nicht die Stadtwerke—aber ich gebe da noch nicht auf.

Wie schon berichtet, können wir leider keinen Tag der Landwirtschaft mehr im Freilichtmuseum begehen. An dieser Stelle möchte ich mich für die vergangene gute Zusammenarbeit bedanken.

Wir haben aber ein gutes neues Konzept mit einem hervorragenden Gelände. Der Tag der Landwirtschaft wird zusammen mit dem Kreis Lippe auf dem Wilbasen Gelände am 4. und 5. Juni 2016 stattfinden unter dem Motto: „Wir in Lippe - Eure Landwirtschaft“.

Ganz herzlich möchte ich mich hier für den hohen Einsatz unseres Landrates Herrn Heuwinkel bedanken, der nicht nur sofort geholfen hat, sondern auch engagiert das Projekt begleitet.

Ich denke, wir dürfen uns auf ein schönes Ereignis freuen, und ich persönlich hoffe auf ein wiederkehrendes Format.

Sie sehen, während andere versuchen, unser Tuen schlecht zu reden, agieren wir positiv in der Öffentlichkeitsarbeit. Wir wollen und werden nicht zulassen, dass 5% der Bevölkerung als Negativ-Meinungsmacher das Bild Landwirtschaft bestimmen.

In dieser stürmischen Zeit bitte ich Sie alle, natürlich ein noch höheres Augenmerk auf das Wohl der von Ihnen gehaltenen Geschöpfe zu haben  und das Einhalten entsprechender Vorschriften zu überprüfen. Spielen Sie einfach mal einen Kontrollvorgang in Gedanken durch.  Vielleicht finden Sie ja noch eine Schwachstelle – letztlich zu Ihrem eigenen Nutzen.

Ich wünsche uns allen eine glückliche Frühjahrsaussaat, das richtige Händchen bei der Bestandspflege und  Zufriedenheit bei unserem Tuen, am besten mit guten Vermarktungsaussichten.

Diesen Herbst möchte ich noch eine Grundschulung „Hygiene“ durchführen. Ich denke, das trifft nicht nur die Direktvermarkter.

Eventuell schaffen wir im Juni noch eine Veranstaltung rund um den Themenbereich, den das Gutachten des wissenschaftlichen Beirates anreißt. Ich hoffe nur, dass die Presse auch schreibt, dass eine Umerziehung der Bevölkerung in den Ernährungsgewohnheiten gefordert wird. Auch die geforderte nötige höhere Preisgestaltung ist erwähnenswert. Es wird also nicht so leicht,  den Kübel nur über unseren Berufsstand auszuschütten.

Stehen Sie uns bei, es geht um eine Neuausrichtung eines Berufstandes mit allen Risiken und Chancen. Hier wollen wir vermeiden, dass geforderte Produktionen nur noch von großen Betrieben geleistet werden können (Investitionskosten/Stückkosten).

Ich wünsche Ihnen Glück und Courage.

Dieter Hagedorn
Vorsitzender

Mitgliederbrief April 2015 ( Dateigröße: 167 KB)

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