Neujahrsanschreiben

02. Januar 2020
Liebe Freunde und auch verehrte Kritiker,

Liebe Freunde und auch verehrte Kritiker,

ich hoffe, Sie haben frohe und geruhsame Weihnachten verbringen können.

2019 war in jeder Hinsicht ein atemberaubendes Jahr für alle, die mit der Natur zu tun haben und sich wirtschaftlich mit der Natur behaupten müssen.

Die Auswirkungen des Trockenjahres 2018 haben wir auf vielen Standorten dieses Jahr auf Grund einer weiterhin negativen Wasserbilanz zu spüren    bekommen. Dort, wo für die Pflanzen nicht rechtzeitig Wasser zur Verfügung stand, mussten wir das zweite Jahr in Folge eine unterdurchschnittliche Ernte         verzeichnen. In Lippe sind wir im Durchschnitt noch relativ gut gefahren. Die    Betriebe im Osten haben größere Not. Auch die Preise verharren auf niedrigem Niveau, da das weltweite Angebot mehr als ausreichend ist.

Wir erleben, dass ständig weitere Handelsabkommen unsere Agrarpreise von den realen Ernten vor Ort abkoppeln. Hier fordern wir von der Politik verläss-liche Rahmendaten, so dass wir auch erfolgreich nach hiesigen Produktionsbedingungen arbeiten können.

Momentan können wir noch nicht einmal innerhalb der EU von Chancengleichheit reden. Hier ist unser Verband ständig am Ball mit der Forderung nach einem fairen Wettbewerb. Wir sagen, dass unsere Kulturlandschaft nur durch die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Produktion erhalten     werden kann. Wenn dies anders gewünscht wird, z.B. der Bauer als Landschafspfleger,  dann muss das klar tituliert werden und die entsprechenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden. Ich hoffe, dass wir als Verband die Stärke haben, diese Diskussion zu führen.

Ernüchternd war dieses Jahr auch die Diskussion um die Düngeverordnung (DVO), die sich in einer Sackgasse befindet. Die Kommission in Brüssel fühlt sich hingehalten und vorgeführt. Daraus resultiert, dass ich von einer weiteren Verschärfung der DVO ausgehe. Niemand darf sich allerdings bei einem so zähen und undurchsichtigen Prozedere wundern, dass eine EU-Verdrossenheit wächst und ein Ohnmachtsgefühl entsteht. Dies würgt jeden Fortentwicklungsprozess ab.

Ein großer Erfolg ist, dass die Messstellen in NRW überprüft werden.

Vieles zu diesem Thema ist richtig, einiges aber auch verkehrt wiedergegeben. Letztlich können bei der Überprüfung negative und hoffentlich auch positive Ergebnisse herauskommen. Ich verweise auch gerne noch einmal auf den Wochenblattartikel (Nr. 50 vom 12.12.2019, Seite 24)  von WLV-Pflanzenbaureferent Dr. Krämer, der für uns in dem Bereich führend unterwegs ist.

Bei der Tierhaltung wären wir sicherlich weiter, wenn frühzeitig engagierte Personen wie Bundesminister a. D. Jochen Borchert von der Regierungsseite mit an Bord geholt worden wären. Ich denke, dass wir in Fragen der Haltung, aber auch der Kastration, im nächsten Jahr einen Rahmen bekommen werden, wie und wo wir die Tierhaltung entwickeln sollen. Die Frage ist nur, ob das wirtschaftlich darstellbar ist. Der Kunde wird es freiwillig nicht in Gänze honorieren.

Zurück zum Klima! Unsere Baustelle im Moment sind nicht Greta oder „Friday for Future“,  sondern erhebliche Schäden im Nadelwald und zu Teilen im Laubwald. Hier ist dringend Hilfe in der Vermarktung,  aber auch vor allem bei der Neuanpflanzung und der entsprechenden Auswahl des Pflanzgutes erforderlich. Dies ist auch Aufgabe des Staates. Wir müssen den CO2-Speicher Wald erhalten. Gleichzeitig frage ich mich aber, wieso das Überangebot bei dem Bauholz nicht zu spüren ist und warum das Bauen mit Holz nicht stärker gefördert wird. Gleichzeitig muss es doch das Bestreben sein, die Ackerbaukulturen als kurzfristigen CO2-Speicher zu integrieren und langfristig CO2- Speicherung durch einen Humusaufbau zu erreichen.

Dieses muss aber wettbewerbsfähig sein.

Liebe Meinungsmacher: Landwirtschaft kann durch so manches Nadelöhr   gehen. Wir entwickeln uns und unsere Betriebe gerne und mit Freude weiter. Wir fordern dafür aber einen fairen Markt.
Ohne Landwirtschaft keine Kulturlandschaft! Ohne Kulturlandschaft wird das Erreichen der gesetzten Klimaziele unmöglich.

Gefreut hat mich in 2019 die starke Solidarität, die das landwirtschaftliche   Ehrenamt erfahren durfte. Nicht nur, dass die vom Verband initiierten Proteste (Münster, Bonn)  stark von den Landwirten begleitet wurden. Vor allem aber die aus den Kreisen der Landwirtschaft vorwiegend von jungen Leuten über soziale Medien beworbenen Proteste sind zu erwähnen. Bonn war gut, Hamburg besser und Berlin ein echter Knaller. Ich bin froh, dass so starke junge Leute ein Zeichen gesetzt haben. Es sind nicht die Forderungen einzelner Funktionäre, sondern der gesamte landwirtschaftliche Berufsstand hat Forderungen an die Gesellschaft. Forderungen, die erst ein Überleben der Landwirtschaft in Deutschland  ermöglichen.

Ich bedanke mich bei allen, die uns als Berufsstand unterstützt haben.

Allen wünsche ich einen guten Start in das neue Jahr, das berühmte Quäntchen Glück und vor allem Gesundheit.
Bitte begleiten Sie uns auch im kommenden Jahr konstruktiv und im Dialog.

Hinweisen möchte ich noch auf unsere nächste Mitgliederversammlung des Lipp. Landw. Hauptvereins am 11. Februar 2020 in der Gaststätte Marpetal.
Ich freue mich auf Ihr Kommen.


Mit freundlichen Neujahrsgrüßen

Dieter Hagedorn
Vorsitzender

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