KREISVERBAND AKTUELL

01. Oktober 2021

Gedanken zum Erntedankfest

Natürlich sind wir dankbar im biblischen Sinne, dass wir ohne große Naturkatastrophen eine Ernte einfahren durften, die wir in geteilter Erinnerung behalten dürften. Mit Schrecken erfuhren wir nur 300 km entfernt wie unberechenbar die Umwelt (Klima und Natur) sein kann. Das einzig Gute daran war eine Welle der Hilfsbereitschaft, die an der Wurzel der Gemeinschaft von einer bleibenden Solidarität zeugt.

Landwirtschaftlich gesehen wird dies als ein Jahr der Herausforderungen in Erinnerung bleiben. Landwirtschaft wurde mit immer neuen Herausforderungen aus der Gesellschaft/ Politik konfrontiert. Ich erinnere an die Ausweisung der roten Gebiete, die noch nicht vollendete GAP, die direkt in unsere Bewirtschaftung eingreift, die Gedanken der Zukunftskommission LANDWIRTSCHAFT oder aber auch „Farm to Fork" auf europäischer Ebene, neue Wasserschutzgebiete, bis hin zu der neuen quasi Enteignung in der Pflanzenschutzanwendungsverordnung basierend auf dem Insektenschutzgesetz.

Und zwischendurch immer wieder Nutzen von Trockenphasen für die Außenwirtschaft. Bei der Milch und in der Schweinehaltung liegen die Nerven blank. Hier braucht es in der Tat schon starke Überzeugung die Tierhaltung nicht aufzugeben. Ich kann an den Verbraucher und den Handel nur appellieren:
Seid Euch bewusst wie wertvoll die inländische Erzeugung von Lebensmitteln, wie frische Milch, Käse oder aber auch ein guter Braten mit sicherer überprüfbarer Herkunft ist. Wird es nicht hier produziert, wird es irgendwo produziert. Die Frage ist nur wie und mit welchen Umweltfolgen.

An die Politik kann ich nur appellieren:
Lasst uns einen für die Landwirtschaft machbaren Rahmen finden, der dann aber auch Bestand hat. An der Wirtschaftlichkeit wird sich zeigen, ob die Bekenntnisse zum landwirtschaftlichen Betrieb ernst gemeint waren und sind, oder ob wir uns in Zukunft über fremdfinanzierte Agrar-Holdings unterhalten müssen.
Fakt ist, dass die Enttäuschung bei uns Landwirten/innen so tief sitzt, dass wir uns von keiner gesellschaftlichen Gruppe / Partei vertreten fühlen.
Wie jeder Verbraucher spüren auch wir im Moment sehr hohe Preissteigerungen im Rohstoffbereich. Dies ist auch eine Folge, wenn Produktion und Energieerzeugung in das Ausland verlegt werden. Statt vieler kleiner Anbieter sind wir in der Abhängigkeit derer, die Basiselemente unserer Produktion herstellen, z.B. Chips für alle Technologiebereiche, Gas und Öl, aber auch Dünger.
Ja, wir sind dankbar, aber die Bürde und die Vielzahl der Probleme nimmt das Lächeln, nimmt die Zuversicht.

Bleiben Sie gesund!

Dieter Hagedorn
-Vorsitzender-

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