Insektenschutzgesetz geht in die heiße Phase

13. November 2020

Bauern im Kreis Soest befürchten K.O.-Schlag
Nachbesserungen dringend erforderlich

Kreis Soest (wlv). „Wenn wir unsere Bodenbrüter und Bauernfamilien in der Soester Börde erhalten wollen, muss der Entwurf des Insektenschutzgesetzes der Ministerin Svenja Schulze dringend nachgebessert werden", sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest Josef Lehmenküher. „Wir befürchten jedoch, dass das Gesetz jetzt möglichst schnell ohne ausreichende fachliche Prüfung durchgeboxt werden soll", so der Vorsitzende. In Kürze werden auf politischer Ebene weitere Beratungen zum Insektenschutz-Gesetz erwartet.

Bereits im letzten Jahr wurde das Aktionsprogramm Insektenschutz vorgestellt. In zahlreichen Gesprächen mit Politikern und Fachleuten haben die Landwirte im Kreis Soest auf die Probleme hingewiesen. Besonders das geplante Verbot von Pflanzen-schutzmitteln in Schutzgebieten treffe den Vogelschutz und die heimische Landwirt-schaft im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde massiv. „Wenn die Politik unsere bäuerlichen Familienbetriebe in der Region erhalten will, muss der Gesetzesentwurf dringend auf den Prüfstand", sagt Lehmenkühler. Er machte zudem deutlich, wie kontraproduktiv das Aktionsprogramm für den Insekten- und Vogelschutz sei: „Wir Landwirte wären gezwungen, die Fruchtfolge zu verengen, da uns die Möglichkeiten genommen werden, verschiedene Früchte, beispielweise den Raps, gesund zu erhalten" , sagte er. Zudem müssten Herbizidbehandlungen, die nach dem Aktionsprogramm nicht mehr möglich seien, durch eine vermehrte mechanische Unkrautbekämpfung ersetzt werden, was besonders für den Schutz der Bodenbrüter fatal sei. „Die Erfolge, die wir in den letzten Jahren in der Hellwegbörde im Vogelschutz durch freiwillige Maßahmen erzielt haben, würden wieder zunichte gemacht", sagt er. Das Insektenschutzgesetz sei in seiner jetzigen Fassung kontraproduktiv.

Auch die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen Ursula Heinen-Esser halte besondere Pflanzenschutz-auflagen für die Hellwegbörde nicht für sinnvoll, so Lehmenkühler, sie habe im letzten Jahr deutlich gemacht: „Wir haben unsere Fachbehörde, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) mit der Prüfung des Vogelschutzgebietes Hellwegbörde beauftragt. Das Ergebnis ist, dass eine gesonderte Unterschutzstellung nicht zielführend ist, da sich die meisten der schützenswerten Vogelarten im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde von Kleinsäugern und nicht von Insekten ernähren".

„Wir müssen diese Erkenntnis in das Gesetz einfließen lassen", sagt der Vorsitzende. Nur wenn auf Bundesebene die Regelungen verankert würden, könnten die Bauern in der Hellwegbörde nachhaltig planen und wirtschaften.

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