Mut zur Selbstkritik

04. Februar 2014

Kreisverbandstag mit über 400 Teilnehmern

Kreis Steinfurt. Die Landwirte im Kreis Steinfurt haben den Mut zur Selbstkritik, wenn es um das Ausloten von Zukunftsperspektiven geht. Das machte der Kreisverbandstag am Donnerstagabend (30. Januar) in Hövels Festhalle deutlich. Über 400 Landwirte und Landwirtinnen waren dem Aufruf des Kreisverbandes gefolgt, um gemeinsam die Weichen für die Landwirtschaft im Kreis Steinfurt 2020 zu stellen. Durchaus kontrovers, aber konstruktiv diskutierten mit dem Kreisverbandsvorsitzenden Johann Prümers, WLV-Hauptgeschäftsführer Werner Gehring, Landrat Thomas Kubendorff und Junglandwirt Marcus Holtkötter über mögliche und notwendige Entwicklungen der Landwirtschaft im Kreis Steinfurt zwischen Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz. „Landwirtschaft ist ein prägender Wirtschaftsfaktor im Kreis Steinfurt. Die Betriebe sind gut aufgestellt und haben die Herausforderungen des Marktes angenommen“, beschrieb Prümers. „Die Arbeit von uns Bauernfamilien wird aber derzeit von Umwelt- und Tierschutzverbänden ohne Faktenwissen negativ dargestellt“, so Prümers weiter.  „Das halten wir nicht aus. Wir sind mündige Landwirte. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und sind gerne bereit, selbstbestimmt Maßnahmen zu ergreifen zum Beispiel in den Bereichen Baurecht, Tierwohl, Umwelt-, Arten- und Gewässerschutz, erneuerbare Energien und Wirtschaftswegeunterhaltung. Wir werden selbst aktiv. Wir brauchen keine Gängelung und Knebelung durch Ordnungsrecht.“  


Werner Gehring, WLV-Hauptgeschäftsführer, schaute zuversichtlich nach vorne: „Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe im Kreis Steinfurt können und werden die Entwicklung gestalten“, sagte er, wies aber auch auf die massiv veränderten Rahmenbedingungen in Politik und Gesellschaft hin. „Verbandspolitik fand noch nie in einem so streitigen Umfeld statt und war noch nie so kompliziert wie heute“, so Gehring.  In einer sich stark verändernden Gesellschaft, geprägt vom Megatrend der Nachhaltigkeit, seien der offene Dialog der Landwirtschaft mit den Kritikern und Eigeninitiativen der Bauern wie die Initiative Tierwohl gefordert, um auf Dauer Ordnungsrecht zu vermeiden.


Das unterstrich auch Landrat Thomas Kubendorff. „Landwirtschaft im Kreis Steinfurt steht für eine hohe Wirtschaftskraft und ist ein prägender Faktor der münsterländischen Parklandschaft“, machte der Landrat deutlich, legte aber auch den Finger in offene Wunden: „Über die Landwirtschaft wird bei uns im Kreis vielfältig diskutiert, wenn es um Stallbau, Tierhaltung oder Düngung geht. Da gibt es auch negative Stimmungen. Sie brauchen die Akzeptanz und müssen mehr tun, als den Tag der Landwirtschaft auszurichten. Mit den Plakaten und den Hofgesprächen sind Sie auf dem richtigen Weg. Machen Sie weiter“, so der Landrat.  Der Kreis setze auf eine gute und zukunftsfähige Landwirtschaft und werde die Entwicklung mit Augenmaß begleiten.  


Marcus Holtkötter, Vertreter des Junglandwirteforums, rief seine Berufskollegen auf, sich noch stärker in sozialen Medien zu engagieren. „Wir sind zum Dialog bereit. Auch auf Twitter und Facebook“, sagte Holtkötter.


Wie weit darf die Selbstkritik der Landwirte gehen? Kann die jetzt angestoßene Initiative Tierwohl wirklich ein Erfolgsmodell werden? Wo sind Grenzen des Wachstums der Landwirtschaft erreicht? Wie lassen sich Arten- und Gewässerschutz landwirtschaftsverträglich umsetzen? Wie lassen sich Gülleaufbringung und Wirtschaftswegeunterhaltung gestalten? Kritisch diskutierten die Landwirte mit den Referenten – und fanden nicht auf alle Frage eine verbindliche Antwort, gewannen aber Mut für Veränderungsprozesse und richteten mit Johann Prümers den zuversichtlichen Blick nach vorne: Landwirtschaft im Kreis Steinfurt hat Zukunft.  

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