EDEKA bremst Tierwohl aus - Landwirte im KV Steinfurt protestieren

28. Dezember 2015

„Die wirtschaftliche Situation auf den landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Steinfurt ist dramatisch.“ Bei einem Pressetermin mit den Westfälischen Nachrichten am vergangenen Montag (21. Dezember) nahm der Kreisverbandsvorsitzende Johann Prümers kein Blatt vor den Mund. Die Erzeugerpreise sind eingebrochen, die Bilanzen zeigen ein Minus von 30 Prozent und mehr sowohl bei den Schweine haltenden Betrieben als auch bei den Milchbauern. „Der Lebensmitteleinzelhandel profitiert, lässt aber die Landwirtschaft im Regen stehen“, so Prümers. „Das ist Frustration pur. Während die Lebensmittelhändler ihre Margen ausdehnen, gehen die Bauern leer aus.“ Im Fokus steht aktuell die Initiative Tierwohl, in der sich ein Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam für mehr Tierwohl in der Fleischerzeugung einsetzt. 4 Cent je Kilogramm Fleisch fließen in einen Ausgleichsfonds. Deutschlandweit haben sich Anfang 2015 fast 4.700 Landwirte zur Teilnahme an der Initiative Tierwohl angemeldet. Aufgrund begrenzter Finanzmittel ist aber nur knapp die Hälfte der Schweinehalter zugelassen worden. Im Kreis Steinfurt sind lediglich 80 Betriebe bei der Initiative Tierwohl dabei, obwohl sich 200 darum beworben hatten. „Unser Ziel ist es, dass alle Schweine haltenden Betriebe auf der Warteliste zeitnah an der Initiative Tierwohl teilnehmen können. Viele von ihnen haben zuvor mit großem Aufwand Umbaumaßnahmen durchgeführt, um für die Teilnahme bereit zu sein“, so Johann Prümers. „Für 2 Cent mehr können alle interessierten Bauern mit ihren Schweinen dabei sein.“ Die Initiative Tierwohl wird von allen großen Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland unterstützt. Mit im Boot ist jetzt auch die K & K-Gruppe. Bis auf EDEKA sind alle Unternehmen bereit, den Tierwohlbeitrag von 4 Cent auf 6 Cent je verkauftem Kilogramm Fleisch und Fleischwaren aufzustocken. Durch die ablehnende Haltung der EDEKA-Verhandlungspartner sind die Gespräche bislang insgesamt ergebnislos geblieben. „Die Initiative Tierwohl darf nicht an EDEKA scheitern“, sind Johann Prümers und seine Stellvertreter Albert Rohlmann und Carsten Spieker überzeugt. „Im Kreis Steinfurt haben wir zwischen Ochtrup und Hopsten unter dem Motto ‚EDEKA bremst Tierwohl aus‘ deshalb die Marktleiter verschiedener EDEKA-Märkte  angesprochen, um sie für die Initiative Tierwohl zu sensibilisieren und das Thema in die EDEKA-Zentrale in Hamburg zu tragen.“ Die Gespräche werden nach den Weihnachtstagen intensiv weitergeführt. Ziel ist es, die EDEKA-Zentrale zum Umdenken zu bewegen.

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