Staatssekretär ohne "Patentrezept" für ein besseres Kaufverhalten an der Ladentheke

09. Februar 2017

Peter Knitsch (MKULNV) diskutierte mit dem Kreisverbandsvorstand über Initiative Tierwohl, Kastenstände und JGS-Anlagen

Mit Peter Knitsch, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, konnte der Kreisverband bei seiner jüngsten Vorstandssitzung einen prominenten Gesprächspartner begrüßen. Die Sitzung  fand im Beisein der benachbarten Vorstandsmitglieder in der WLV-Hauptgeschäftsstelle in Münster statt.

Der Staatssekretär wollte „keine Sauce der Harmonie“ über das Gespräch mit den Landwirtschaftsvertretern gießen. Und auch die Bauern hatten kein Interesse an einem Einheitsbrei. Und so wurden schon zu Beginn des gemeinsamen Gespräches zwischen dem Grünen-Politiker und den Kreisverbandsvorständen aus Warendorf und Münster deutlich, wo die Differenzen liegen.

"Minister Remmel und ich möchten regionale Versorgung"

 „Weder Minister Remmel, noch ich möchten auf eine regionale Versorgung der Menschen verzichten.  Aber es muss sich etwas an der Produktionsweise ändern, die von einem Teil der Bevölkerung nicht akzeptiert wird“, so der Staatssekretär und gab zu, dass die Verbraucher entgegen ihrer Stimmungsmache überwiegend ein anderes Kaufverhalten an der Ladentheke zeigen.

Schulze-Zumloh: "Wie wollen Sie verhindern, dass wir Marktanteile verlieren gegenüber Ländern mit niedrigeren Standards?"

Kreisverbandsvorsitzender Hermann-Josef Schulze-Zumloh betonte die Dialogbereitschaft seines Berufsstandes  und mahnte zu klarem Blick auf die Sache: „Wir leben in einem offenen Markt. Weder Frau Hendricks, noch Minister Remmel oder Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt werden einen Zaun um uns bauen. Wenn Sie die Standards einseitig bei uns erhöhen, wie wollen Sie verhindern, dass wir Marktanteile verlieren gegenüber Ländern mit niedrigeren Standards? Und wie wollen sie sicherstellen, dass das Kaufverhalten der Verbraucher an der Ladentheke anders ausfällt als an den Mikrofonen?“ Noch deutlich in Erinnerung sei den Landwirten die Entwicklung im vergangenen Jahr, als niedrige Erzeugerpreise weder bei den Landwirten, noch bei den Schlachtbetrieben angekommen seien und an der Ladentheke die Preise auch nicht niedriger wurden.

"Ich habe auch keine Patentlösung"

„Ich habe dafür auch keine Patentlösung“, gab der Staatssekretär zu. Der Weg über höhere Standards berge tatsächlich Risiken. Aber auch in den Niederlanden, Dänemark und Frankreich würden derartige Wege diskutiert. Deutschland sollte versuchen, mit besseren Standards höhere Preise zu erzielen. Schließlich habe der Verbraucher beim Öko-Landbau gezeigt, dass er mehr Geld ausgebe, wenn er höhere Standards erkennen könne. Schließlich habe auch die Eierkennzeichnung dazu geführt, dass Eier aus Käfighaltung schnell aus deutschen Regalen verschwunden seien. Dem widersprach Susanne Schulze Bockeloh als Vorsitzende des Kreisverbandes Münster: „Die Eier aus Käfighaltung kommen heute in Nudeln, Pizza & Co. wieder über die Landesgrenzen zu uns“.

Kreislandwirt: "Rot-grün will uns immer weiter reglementieren. Wir produzieren doch schon längst marktkonform!"

Auch Kreislandwirt Karl Werring gab zu bedenken: „Wenn Sie mit politischen Verordnungen, Gesetzen oder Erlassen in solche neuen Systeme einsteigen wollen, wer trägt dann das Risiko? Rot-grüne Politik will uns als Landwirte immer weiter reglementieren. Wir produzieren doch inzwischen nur noch marktkonform. Sie sprechen hier Nischenprodukte an. Die Politik schickt uns ins Ungewisse und wir müssen nachher sehen, wie wir klar kommen!“

Der Politiker zeigte sich überzeugt, dass Produkte mit höheren Standards durchaus entsprechende Preise generieren könnten. Insofern sei die Initiative Tierwohl ein erster Schritt. Um erfolgreich zu sein, müsse der Verbraucher jedoch die höheren Standards erkennen können.

Dem widersprach Hermann-Josef Schulze-Zumloh: Dem Verbraucher würden schon immer unterschiedliche Standards präsentiert, etwa bei Milch oder Rindfleisch. Dennoch habe der Kunde in der Masse nicht darauf reagiert. „Woher nehmen Sie ihre Zuversicht, dass er künftig mehr Geld ausgibt? Wo ist die Verantwortung der Politik, dieses gesellschaftliche Phänomen zu ändern?“

Politik will in Schulen mehr Ernährung und Verbraucherschutz thematisieren

Der Staatssekretär versprach, sich dafür weiter einzusetzen und verwies auf bereits geplante Maßnahmen: So werde das Landwirtschaftsministerium mit sämtlichen Verbraucherverbänden, von der Verbraucherzentrale bis zu  Foodwatch & Co. eine Kampagne initiieren, um die Bürger zu animieren, Produkte höherer Standards zu kaufen. Darüber hinaus sollen in NRW von der Grundschule bis zum Abitur Verbraucherschutz und Ernährung in den Schulen intensiver vermittelt werden. Zwar werde es keine zusätzlichen Unterrichtsfächer geben, aber im Sachkundeunterricht, in den Sozialwissenschaften und in Biologie werden künftig die Lebensmittelproduktion sowie der Verbraucherschutz stärker thematisiert.  Darüber hinaus plane sein Ministerium mit Verbraucherzentralen Aufklärungen zu Tierwohl sowie ein „1000 Kantinen-Programm“ und vieles mehr. Das seien die Gründe, warum immer mehr Verbraucher über Ernährung und Lebensmittelproduktion nachdenken. Von der Einführung immer neuer Siegel hält der Staatssekretär jedoch wenig.

WLV-Hauptgeschäftsführer Werner Gehring gab zu bedenken, dass bei der Fleischvermarktung die geringsten Margen zu erzielen seien. Bei Milch gebe es eine wesentlich größere Differenzierung im Markt. In den nächsten Jahren werde sich das weiter ausdifferenzieren. „Die Schwäche der Initiative Tierwohl ist, dass die unterschiedlichen Standards an der Ladentheke  nicht erkennbar sind. Aber die enorme Stärke der Initiative Tierwohl ist es, dass große Mengen Fleisch damit erreicht werden.“ Die Kritik an einer fehlenden Erkennbarkeit der Produktionsstandards gäbe es übrigens in anderen Bereichen nicht, so der Hauptgeschäftsführer und nannte als Beispiel den Ökostrom: „Da weiß ich auch nicht, ob ich mich nur an dem Gedanken beteilige, oder ob wirklich der Ökostrom aus meiner Steckdose kommt."

Daten werden geladen …

powered by webEdition CMS