Erster Digitaler Kreisverbandstag im WLV:
Mehr als 200 Landwirte zugeschaltet

01. Februar 2021

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Es war ein Novum in der Geschichte des WLV, als Kreisvorsitzender Hermann-Josef Schulze-Zumloh den ersten digitalen Kreisverbandstag in Warendorf eröffnete. Mehr als 200 Landwirte waren online zugeschaltet, um mit WLV-Präsident Hubertus Beringmeier über Märkte, Fragen zur Tierhaltung und Düngeverordnung sowie die künftige Ausrichtung der Verbandsarbeit zu diskutieren.

Beringmeiers Amtsantritt fiel in ein Jahr des Krisenmanagements: Die WWO faktisch tot, Mercosur vor dem Scheitern, die Märkte bedroht von Corona und ASP. Zu den handelspolitischen Problemen kommen die umweltpolitischen Herausforderungen, vorneweg Klimawandel und Rückgang der Artenvielfalt. Zukunftsängste riefen neue Gruppierungen wie LsV auf den Plan, die DVO sorgt für Frust, auf den Betrieben fehlt die Wertschöpfung. „Wir brauchen Perspektiven", so Beringmeier und ist überzeugt: „Am Ende kommen wir nur geeint zum Erfolg!"

"Schweinepreise sind unterirdisch!"

Märkte: Das weltweit steigende Milchaufkommen treffe auf eine gute Nachfrage aus China. Beim Geflügel schwächeln alle Bereiche, beim Getreide sorgt die geringe Ernte auf der Nordhalbkugel für Turbulenzen. Die Schweinepreise seien „unterirdisch" und für Ferkelerzeuger katastrophal. Der Schlachtschweinestau mit rund 900.000 Tieren werde sich aber – auch dank der Maskenöffnung von Westfleisch – in den nächsten 2 Monaten allmählich auflösen.
LsV habe mit seinen Schlepperblockaden die Türen beim LEH geöffnet. Den Spitzengesprächen folgten gemeinsame Positionspapiere. Jetzt sei der Zeitpunkt günstig für Gespräche mit dem LEH, der äußerst nervös auf die Blockaden vor seinen Lagern reagiere.
Die bisherige Weltmarktorientierung hatte bereits 2014 durch das Russlandembargo gelitten. Deren Selbstversorgung liegt heute bei 100 Prozent. Jetzt fehlt Deutschland der chinesische Markt. Auch dort wird investiert. Das heiße für Deutschland: „Das Inland ist unser wichtigster Markt!"

Coronahilfen fließen nur vereinzelt

Die Coronahilfen für die Landwirtschaft fließen bisher nur vereinzelt. Hier müsse es ein Spezialprogramm für Landwirte geben. Bei den Änderungen der Umsatzsteuerpauschalierung werde die Bemessungsgrenze von 600.000 EUR „von jedem Durchschnittsbetrieb gerissen". Vor vorschnellen Betriebsteilungen sei aber gewarnt und eine Beratung durch BSB und WLV unverzichtbar.
Für Ärger sorgte das Windhundverfahren bei den Förderanträgen für Umweltgerechte Investitionen, allgemein „Bauernmilliarde" genannt. Von den 103 Mio. EUR sei das meiste Geld nach Bayern geflossen. Das sei frustrierend. Die zweite Bearbeitungsstufe werde voraussichtlich auf März vorgezogen. Dann bedürfe es neuer Zugangsregeln und des Einzugs einer Bezugs-Höchstgrenze.
Mit Blick auf die Tierhaltung und die Pläne der Borchert-Kommission müsse Tierwohl in bestehenden Ställen möglich sein. Und weil die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher für mehr Tierwohl an der Ladentheke ende, müsse es Transferleistungen geben. Aber eine Bestandsabstockung, wie sie von der SPD im Zuge der Coronahilfen verfolgt werde, gelte es unbedingt zu verhindern. Der dringende Appell des WLV-Präsidenten: „Bitte, Landwirte, nutzt eure Kontakte zur Politik, damit wir weiterkommen!"

"Tierwohl, Biodiversität, Regionalität - Vieles ins möglich. Aber es muss auch bezahlt werden!"

An der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Branchen hat der Präsident keinen Zweifel. Tierwohl, Biodiversität, Regionalität und vieles sei machbar, müsse aber auch bezahlt werden. Und selbst der LEH bekenne sich inzwischen immer stärker zur Regionalität. „Aber wir müssen uns auch an der ein oder anderen Stelle bewegen", fand Beringmeier deutliche Worte.

Intensiv gearbeitet wird an der Einbeziehung von Rindfleisch in die ITW. Große Verunsicherung hatte das von-Thünen-Institut ausgelöst mit der Veröffentlichung der Buchtengrößen. Das gehöre gestrichen. Die Stellungnahme der LWK NRW zur Rindermast werde in Kürze erscheinen und bundespolitische Bedeutung haben. In der Kommissions-Gruppe, die für Baugenehmigungen zuständig ist, sei viel Know how aus dem WLV vertreten und zwei Bauern aus dem Münsterland. „Da sind wir dran. Da ist eine Menge in Bewegung", so der WLV-Präsident.

Zur Frage der Ferkelkastration verwies Beringmeier – seit wenigen Monaten Vorsitzender des QS-Fachbeirates Rind und Schwein - auf einen Beschluss zur Stärkung der deutschen Ferkelerzeuger. Es könne nicht sein, dass niederländische und dänische Ferkel Kostenvorteile hätten. Derzeit werde eine Positivliste erarbeitet, welche Methoden akzeptiert werden. „Wir brauchen einheitliche Regelungen. Aber Mauern werden wir nicht um Deutschland ziehen."

Ferkelkastration: Brauche einheitliche Regelungen

Ohne Standstill der ASP werden sich die Exportmärkte nicht öffnen. Eine weitere Ausbreitung nach Westen müsse zwingend verhindert werden. Die Schäden betroffener Landwirte seien enorm, Einträge in unserem Veredlungsgebiet wären verheerend. Mit der Wildtiervorsorgegesellschaft sind wir zwar gut gerüstet, aber die intensive Schwarzwildbejagung in ganz Deutschland ist unverzichtbar."

Mit Blick auf die Düngeverordnung hatten WLV und LsV-NRW Anfang Januar gemeinsame Forderungen an das LANUV gerichtet, darunter eine Clearingstelle für strittige Fälle beim Düsseldorfer Ministerium, die Forderung nach Einzelbetriebsnachweisen oder das sogenannte Regionalisierungsverfahren, das vermehrt unbelastete Messstellen berücksichtigen soll. Auch die Prüfzeiträume über 4 Jahre seien viel zu lang. In Kürze werde der Nährstoffbericht der LWK erwartet und damit leichte Veränderungen.

Abschließend skizzierte der WLV-Präsident die interne und externe Kommunikation des Verbandes. Eine intensivere Zusammenarbeit mit Landfrauen und Landjugend sei erwünscht. Die Rheinländer seien inzwischen der Kampagne „Mag doch jeder" beigetreten. „Aber da geht noch mehr", so Hubertus Beringmeier. Für einen intensiveren Austausch innerhalb des Verbandes könnte die Basis noch stärker eingebunden werden. Auch der Austausch unter den Landesbauernverbänden werde derzeit in zahlreichen Gesprächen intensiviert zugunsten einer gemeinsamen Interessenvertretung.

"LsV-Treckerkosros großteils gut und richtig"

Beim Jahresrückblick würdigte der Kreisvorsitzende den Großteil der LsV-Treckerkorsos als „gut und richtig", begrüßte die stärkere Einbindung junger Landwirte in die Verbandsarbeit und warb für mehr Engagement in der „Landwirt schafft Leben GmbH". Nach einem Jahr ohne Verschnaufpause rund um Landschaftsplan Oelde, Dauerbrenner Trinkwassergewinnungsanlagen, Umsatzsteuerpauschalierung und Ausweisung roter Feldblöcke sei aber ein herausragendes Merkmal der Verbandsarbeit die zahlreichen Aktivitäten rund um Natur- und Artenschutz. „Intensive Landwirtschaft und intensiver Naturschutz gehen nebeneinander – insbesondere, wenn wir beides ernst nehmen!", so Schulze-Zumloh.

Landrat Dr. Olaf Gericke ergriff die Chance, über diesen Kanal den holprigen Impfstart zu entschuldigen. Besonderer Lichtblick in dieser besonderen Zeit sei der zügige Breitbandausbau bis Ende 2023 – mit 160. Mio. EUR Fördermittel das größte Projekt dieser Art deutschlandweit!

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