Moderne Landwirtschaft zwischen Visionen und gesellschaftlicher Akzeptanz

06. Dezember 2013

Volles Haus beim Kreisverbandstag in Stadtlohn

"Unser Tag"

-wlv/mg- Stadtlohn/Kreis Borken. „Das ist unser Tag.“ Ludger Schulze Beiering, Kreisverbandsvorsitzender des WLV-Kreisverbandes Borken, begrüßte beim diesjährigen Kreisverbandstag in der Stadthalle Stadtlohn neben vielen Ehrengästen rund 400 Berufskolleginnen und –kollegen. Was folgte, war in einer abwechslungsreichen, vierstündigen Veranstaltung mit Grußworten und Vorträgen eine kurzweilige, facettenreiche Beschreibung der Landwirtschaft im Kreis Borken und ihrer Zukunftsperspektiven.

400.000 Euro für die Landwirtschaftsschule
„Stadt und Land sind im Kreis Borken eng verbunden“, sagte Stadtlohns Bürgermeister Helmut Könning stellvertretend für seine Amtskollegen aus dem Kreis. „Wir suchen den engen Austausch mit der Landwirtschaft. Mögliche Konflikte werden im Vorfeld offensiv besprochen, die Suche nach Lösungen steht im Vordergrund“, so Könning.  Dem stimmte auch Kai Zwicker, Landrat des Kreises Borken, in seiner Grußadresse zu. „Wir bauen auf die starke Landwirtschaft im Münsterland“, sagte Zwicker. Dazu gehöre eine solide Ausbildung, deshalb seien die 400.000 Euro, die der Kreis in den Ausbau der Landwirtschaftsschule investieren werde, gut angelegt. Sorge bereite ihm allerdings der steigende Flächendruck. „Kommunen und Landwirtschaft müssen weiter im Gespräch bleiben“, forderte Zwicker. Dass der Landwirtschaft eine große wirtschaftliche, ökologische und soziale Bedeutung zukomme, machte auch Ulla Schulte (MdB, SPD) deutlich. Flächenverbrauch und  Fragen der verantwortungsbewussten Tierhaltung seien allerdings Themen, die mit Vertretern der Landwirtschaft gemeinsam diskutiert werden sollten.

"Reizthema Landwirtschaft"
„Die Situation der Landwirtschaft ist relativ gut und angespannt zugleich“, beschrieb der Kreisverbandsvorsitzende Ludger Schulze Beiering  in seinem Lagebericht. „Die globalen Märkte sind Partner der Landwirtschaft, gleichzeitig wird die Luft immer dünner, Grenzen sind erreicht“, sagte Schulze Beiering. „Landwirtschaft ist zu einem Reizthema geworden. Es gibt Nachbarschaften, in denen spricht man nicht mehr über die Landwirtschaft.“ Kritisch beurteilt Schulze Beiering auch die Landespolitik. „Minister Remmel lässt den ländlichen Raum links liegen, was die finanzielle Ausstattung angeht, will aber auf der anderen Seite alle Bereiche behördlich regeln“, so Schulze Beiering und forderte: „Kehren wir zurück zum kooperativen Ansatz.“ Die auf den Weg gebrachte Initiative Tierwohl zeige den richtigen Weg. Der WLV-Kreisverband Borken werden seine Mitglieder umfassend informieren, betonte Schulze Beiering.

Junge Frauen braucht die Landwirtschaft
Dem landwirtschaftlichen Nachwuchs räumte der Kreisverband im Rahmen des Kreisverbandstages breiten Raum ein: Mit Begeisterung für ihren Beruf stellten die Fachschülerinnen Pia Honsel, Bettina Hueske und Carolin Lösing ihr Projekt zur Werbung um weibliche Nachwuchskräfte vor. „Wir haben den schönsten Beruf der Welt. Und dafür wollen wir auch andere Mädchen begeistern“, sagen sie und machen sich stark für ihren Beruf. Gemeinsam haben sie Werbematerialien entwickelt, mit deren Hilfe in den Schule des Kreises Borken (und darüber hinaus) für den Beruf der Landwirtin geworben wird. Eingeladen sind alle interessierten Mädchen zum „Girl’s Day“ in der Landwirtschaft am 27. März 2014 auf landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Borken.

Visionen
Und wie kann die Landwirtschaft in Zukunft aussehen? Dazu stellten Jan-Gerd Rosker (22 Jahre) aus Stadtlohn, Bernhard Lentfort (21, Vreden), Tobias Cohaus (21, Stadtlohn), Sonja Lanfer (24, Gescher) und Dominik Bennink (21, Südlohn) der Versammlung ihre Visionen vor. Investitionen in moderne Technik, der Aufbau eines zweiten (Nebenerwerbs-)Standbeines, die Sicherung des Betriebes für die nächste Generation, Weiterentwicklung durch Optimierung und Qualitätsverbesserung, eine hohe Lebensqualität für Tier und Mensch – das sind die Ideen der Zukunft, die die Studierenden der Fachschule Borken den versammelten Landwirten vortrugen und so manchen Landwirt zum Nachdenken anregten.

Tätigkeitsbericht
„Nachwuchsförderung ist eine der wichtigsten Aufgaben, die wir haben“, betonte auch Jörg Sümpelmann, Kreisgeschäftsführer, in seinem Tätigkeitsbericht. Er blickte zurück auf ein ereignisreiches Jahr, in dem insbesondere die Aktualisierung des Regionalplanes sowie die Verhandlungen mit Amprion zum Ausbau der Höchstspannungsleitungen die Geschäftsstelle forderten. „Beeindruckt aber haben besonders Sie, die Mitglieder, durch Hunderte von Blühstreifen“, lobte Sümpelmann. „Zusammen mit größeren Veranstaltungen, Hofgesprächen und Radtouren haben Sie landwirtschaftliche Themen positiv in die Öffentlichkeit gebracht.“

Zukunftsaufgabe Landwirtschaft
Den Ball „Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft“ spielte Hans-Heinrich Berghorn, WLV-Pressesprecher, im Hauptreferat des Kreisverbandstages zum Thema „Neue Wege in der Agrarkommunikation“. Moderne Landwirtschaft in Westfalen-Lippe habe nur dann eine Chance, wenn sie dauerhaft gesellschaftlich akzeptiert sei, so Berghorns Botschaft an die Landwirte im Kreis Borken. „Die Lage ist ernst, aber bei weitem nicht hoffnungslos“, sagte der Referent, der die Ergebnisse einer mehrmonatigen Studie zur landwirtschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit in Irland, England und den USA präsentierte. Fazit: Notwendig ist eine neue Qualität in der Diskussion der Landwirtschaft mit der Gesellschaft. Die Bauern dürfen das nicht anderen überlassen, sondern müssen das Heft in die Hand nehmen, selbst authentisch und mit Begeisterung ihr eigenes Bild prägen. Berghorn: „Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, das Bewusstsein schärfen und bei allem, was wir sagen und tun, glaubwürdig bleiben. Das schafft nachhaltig Vertrauen und Akzeptanz.“

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