Erntebilanz 2020 immer noch unterdurchschnittlich, aber besser als 2018 und 2019

22. September 2020

Pressegespräch auf dem Hof Große Liesner in Stadtlohn

Erntebilanz für das Jahr 2020 zogen heute (v.l.):

Im Zuge eines Pressegesprächs heute auf dem Betrieb Große Liesner in Stadtlohn zog der Landwirtschaftliche Kreisverband Erntebilanz für das Westmünsterland. Betriebsleiter Heinrich Große Liesner, WLV-Kreisverbandsvorsitzender Ludger Schulze Beiering und Kreislandwirt Heinrich Emming berichteten von einer im Schnitt aller Kulturen und Einzelregionen im Kreis Borken zusammengenommen wieder mal unterdurchschnittlichen Erntesaison – wenn auch etwas besser als 2018 und 2019.

Die Landwirte erlebten ein drittes Jahr in Folge mit großen Wasserdefiziten auch in tieferen Bodenschichten. Vor allem die Zeit von März bis Mai brachte kaum Niederschläge. Und auch danach gab es sehr große lokale Unterschiede. Extrem von der Trockenheit betroffen war vor allem der Südwesten des Westmünsterlandes. Die Spannweite der Gesamterträge war daher immens und reicht von knapp durchschnittlich bis deutlich unterdurchschnittlich.
Die Pflanzenbauberatung der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW hat einen Überblick der wichtigsten Feldkulturen im Westmünsterland zusammengestellt:

Gerste

Die Ergebnisse der Getreideernte sind 2020, wie schon in den beiden Jahren zuvor, sehr unterschiedlich ausgefallen. Wie in den Vorjahren schon konnte man am Aufwuchs jeden Bodenpunkt erkennen. Das führte zu dünnen Beständen aufgrund einer schwachen Bestockung. Nach den fast niederschlagsfreien Monaten März bis Mai brachte der Juni dann gebietsweise deutliche Erleichterung mit bis zu 90 mm Niederschlag im Norden und stellenweise auch im Süden des Kreises.
Die Gerste konnte von diesen Regenmengen auf den leichten Standorten jedoch nicht mehr profitieren. Das Ertragsniveau in Richtung Bocholt lag vereinzelt bei lediglich 3-4 t/ha, wohingegen auf den schwereren Böden rund um Schöppingen stellenweise noch 8,5 t/ha Gerste geerntet werden konnten. Sehr schlechte Bestände wurden vielfach bereits als GPS eingefahren.

Weizen

Für den Weizen kam der Regen im Juni noch rechtzeitig, sodass vor allem auf besseren Standorten Erträge von 9-10,5 t/ha möglich waren. Weizen auf Grenzstandorten (also solchen Flächen, auf denen der Anbau aufgrund nachteiliger Standortfaktoren häufig nicht erfolgversprechend ist), wie z.B. in Isselburg, erreichte kaum 6 t/ha. Im Schnitt lag der Weizenertrag vielerorts etwas über dem Vorjahresniveau.

Roggen und Triticale

Aufgrund der Erfahrungen der trockenen Vorjahre und der Vorzüglichkeit des Roggens unter solchen Bedingungen wurde der Roggenanbau auch in unsere Region ausgedehnt, insbesondere auf den Weizengrenzstandorten. Der Roggen konnte mit 6-7,5 t/ha das Vorjahresniveau halten, wenn er nicht zuvor für die Biogasanlage als GPS geerntet wurde. Triticale erreichte die Vorjahreserträge von knapp über 7,5 t/ha oftmals nicht.

Raps

spielt im Kreis Borken nur eine untergeordnete Rolle. Nach zwei schlechten Jahren mit enttäuschenden Erträgen hat er aber 2020 mit stellenweise über 4 t/ha positiv überrascht.

Grünland / Ackergras

Der erste Grasschnitt war recht gut und – je nach Schnitttermin – war auch noch ein durchschnittlicher zweiter Schnitt einzufahren. Der weitere Zuwachs fiel danach aber deutlich reduziert und gebietsweise ganz aus. Durch die Trockenheit sind die Grasnarben stellenweise wiederholt stark geschädigt. Vielerorts sind die Reparaturarbeiten in Form von Übersaaten, Durchsaaten und Pflegeumbrüchen aus den letzten Jahren immer noch nicht abgeschlossen und schon sind neue Maßnahmen erforderlich. Mit einem weiteren ertragsstarken Schnitt ist daher häufig nicht mehr zu rechnen. Stellenweise ist wieder von 50 Prozent Ertragsausfall im Vergleich zu normalen Jahren auszugehen.

Mais

Die Silomaisernte ist im vollem Gange und im Südkreis auch schon kurz vor dem Abschluss. Auch die CCM-Ernte ist angelaufen. Bestände mit frühreifen Sorten und frühen Saatterminen konnten ertraglich am meisten profitieren. Dies gilt insbesondere dort, wo das Wasserdefizit besonders groß war. Bis Anfang Juli durften wir mit einer recht guten Ernte rechnen, doch die vielen heißen Tage im August bei schon zuvor vorhandenem Trockenstress ließen die Bestände leiden. Trockenschäden sind kleinräumig in den Beständen, aber auch großflächig in allen südwestlichen Gemeinden zu finden. Schätzungsweise sind kreisweit etwa 30 - 40 % aller Maisflächen deutlich von der Trockenheit betroffen. Wieder einmal ist spät gesäter Zweitfruchtmais nach Gras oder Grünroggen der Verlierer.
Der kalte Mai mit zwei längeren Frostperioden hat die Entwicklung des Maises ausgebremst, so dass die Trockenheit für viele Bestände zwar zur Reduzierung der Kolben geführt hat, aber eine totale Kolbenlosigkeit selten auftritt. Trotzdem werden auch dieses Jahr einige CCM- und Körnermaisbestände als Silomais an Rindviehbetriebe gehen. Insgesamt ist bei trockenheitsgeschädigtem Hauptfruchtmais von einem 20 % geringerem Ertrag auszugehen als im Durchschnitt der Jahre vor 2018.
Auf besseren Böden und/ oder bei besserer Niederschlagsverteilung werden hingegen zufriedenstellende Erträge erwartet. Die Einbußen bei Erntemenge und -qualität führen in diesem Herbst/Winter wieder zu einem erhöhten Importbedarf von energiereichem Futter in den Futterbaubetrieben.

Zuckerrübe

Die Zuckerrübe ließ Anfang September boden- und niederschlagsabhängig etwas bessere Ernteergebnisse als in den beiden Vorjahren erwarten. Nach den Niederschlägen im August erholten sich die Bestände deutlich. Der trockene und warme September bremste aber schnell die zögerliche Freude über höhere Erträge wieder ein. Derzeit ist mit hohen Zuckergehalten bei eher unterdurchschnittlichen Erträgen zu rechnen. Je nach Blattmasse, Krankheitsbefall und Bodenart werden viele Anbauer weiter auf Niederschläge hoffen und auf spätere Rodetermine setzen um die Chance für weiteren Massezuwuchs mitzunehmen. Bei bereits stark von der Trockenheit geschädigten Beständen wird bei krankem Blattapparat und/oder starkem Unkrautdruck über die Ausnutzung der Frührodeprämie nachgedacht.

Kartoffel

Die Vegetationszeit begann mit trockenen Pflanzmonaten und kalten Eisheiligen im Mai. Dies hatte zur Folge, dass schon früh beregnet werden musste, um die Ansätze entsprechend hoch halten zu können. Daher weisen früh beregnete Flächen zumeist einen gut durchschnittlichen und unberegnete Flächen einen unterdurchschnittlichen Ansatz auf. Während der Vegetation gab es in 2020 deutlich weniger „heiße Tage" als in den Jahren 2018 und 2019. Die Kartoffeln konnten so merklich länger grün bleiben und die örtlich kräftigen Schauer der Sommermonate gut nutzen um früh in die Sortierung zu wachsen. Ertraglich ist die Lücke zwischen beregneten und unberegneten Flächen daher in diesem Jahr kleiner als in den vergangenen zwei Jahren davor. Derzeit deutet sich mengenmäßig eine durchschnittliche Ernte an.

Presse-Kontakt

Erntebilanz für das Jahr 2020 zogen heute in Stadtlohn auf dem Hof Große Liesner (v.l.): WLV-Kreisverbandsvorsitzender Ludger Schulze Beiering, Betriebsleiter Heinrich Große Liesner und Kreislandwirt Heinrich Emming. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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