Artenvielfalt-Beratungsprojekt geht in die zweite Runde

12. November 2020

Großes Interesse im Kreis Borken an „LEPUS NRW“ - Anmeldung über Stiftung Westfälische Kulturlandschaft

  Auf der Suche nach Sämereien zieht diese Kette von Rebhühnern in Bocholt über eine Brachfläche. Doch schon bald wird dieses Gelände bebaut sein. Dann sollen die Tiere dank unseres LEPUS-Projektes neue Lebensräume finden. Die Projekt-Mitarbeiter fanden ihre „Zielgruppe“ bei ihrer ersten Revierbesichtigung im Kreis Borken.

Die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft hatte in den letzten vier Jahren mit dem Hegebeauftragten-Projekt einen vielversprechenden Artenschutz-Beratungsansatz ins Westmünsterland gebracht. Mit LEPUS NRW gibt es nun ein Nachfolgeprojekt. Und das Interesse im Kreis Borken ist vom Start weg vielversprechend.

Die Situation unserer heimischen Feldvögel ist alarmierend: Allein beim Rebhuhn sind die Bestände um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Bei den anderen Offenlandarten wie Feldlerche, Kiebitz & Co. sieht es nicht viel besser aus. Auch die Niederwildbesätze in NRW sind – trotz vereinzelter Lichtblicke der letzten drei Jahre – in vielen Gebieten nach wie vor auf niedrigem Niveau. Höchste Zeit also, die Lebensraumbedingungen für die Offenlandarten zu verbessern und die Biodiversität in unserer Kulturlandschaft zu steigern. Mit diesem Ziel wurde im April das Naturschutzprojekt „LEPUS-NRW" gestartet: Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz machen nun gemeinsame Sache und werden die nächsten drei Jahre mit vereinten Kräften „Lebensräume erhalten, planen und schützen". Auch im Kreis Borken.

Getragen wird das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft sowie der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Die Fördersumme von 703.000 EUR stellt exklusiv die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege (NRW-Stiftung) zur Verfügung. Projektpartner sind der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband e.V., der Rheinische Landwirtschaftsverband e.V., der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe e.V., der Rheinische Verband der Eigenjagdbesitzer und Jagdgenossenschaften e.V. sowie der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen e.V..

Das Projektgebiet umfasst den Verbreitungsraum des Rebhuhns in NRW und konzentriert sich auf die Offenlandregionen von Ostwestfalen über das Münsterland bis zum Niederrhein und der Kölner Bucht. Das Projekt nutzt die Erfahrungen aus dem im Münsterland erfolgreich durchgeführten „Hegebeauftragten"-Projekt, das mit Landwirten, Jägern und Grundeigentümern von 2016 bis 2019 umgesetzt wurde.

Naturschutzmaßnahmen individuell umsetzen

Die Projektmitarbeiter haben einen umfangreichen Katalog mit effizienten Maßnahmen erarbeitet, mit denen die Lebensräume der Offenlandarten im Acker, Grünland und Gewässer erhalten und verbessert werden können. Die Maßnahmen sollen zur jeweiligen Betriebsstruktur passen und werden daher stets auf den jeweiligen Standort maßgeschneidert. Sie reichen von der Aufwertung von Waldrändern und Heckenkomplexen über die Gestaltung und Pflege von Kleingewässern und Gräben bis hin zur Anlage von Blühflächen, quasi dem „gedeckten Tisch" im Offenland. Im Idealfall schließt sich dann der Nahrungskreislauf von Insekten, Bodenbrütern und Niederwild, finden alle ausreichend Nahrung, Deckung und gute Lebensbedingungen – Garanten für wachsende Populationen.

Inzwischen wird das LEPUS-Projekt gut angenommen. „Im Münsterland haben sich schon 30 Reviere für eine Teilnahme beworben. Allein aus dem Kreis Borken liegen uns 8 Revierbewerbungen mit einer Fläche von insgesamt rund 2.500 ha vor", so Hendrik Specht von der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, der das Projekt gemeinsam mit Sophia Austrup im Münsterland betreut. Insgesamt sollen während der Projektlaufzeit in Ostwestfalen-Lippe, dem Münsterland und dem Rheinland rund 90 bis 100 Projektreviere ausgewählt und beraten werden.
„Im Rahmen des Projektes beraten wir zu Naturschutzmaßnahmen aus den Bereichen Vertragsnaturschutz, Agrarumweltmaßnahmen und Greening sowie zu freiwilligen und unbürokratischen Maßnahmen und ihre Umsetzung", so Specht. Im Fokus stehen als Leitarten alle klassischen Offenlandarten wie Rebhuhn, Wachtel, Goldammer, Feldlerche und Feldhase. Aber auch Insekten und viele weitere Wildtiere profitieren von den Naturschutzmaßnahmen. In Zusammenarbeit mit Revierpächtern, Landwirten und Grundeigentümern erarbeitet das Team von LEPUS-NRW Maßnahmen, die die Struktur sowie die Artenvielfalt in Projektrevieren erhöhen und so die Landschaft aufwerten.

So funktioniert's

Teilnehmen können interessierte Jagdreviere in Person von Jagdgenossen, ebenso wie Jagdpächter oder andere Naturschutzinteressierte aus den Projektregionen im Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und dem Rheinland.

Im Münsterland wird das LEPUS-Projekt betreut von Hendrik Specht und Sophia Austrup. Revierinhaber, die an dem Projekt teilnehmen möchten, können sich bei ihnen unter den Rufnummern 0251 / 4175 -187 und -148 melden.

Formulare und weitere Infos gibt es unter www.lepus-nrw.de

[Unveränderte Wiedergabe der heutigen Pressemitteilung der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft)

Flyer zum LEPUS-Projekt ( Dateigröße: 4707 KB)

Presse-Kontakt

Altgrasstreifen

Solche „Altgrasstreifen" werden ein Jahr lang nicht gemäht und bleiben auch über den Winter erhalten. Sie bieten Tieren bei der Mahd Flucht- und Versteckmöglichkeiten und dienen auch Insekten als Rückzugsräume.

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