Der Bauernhof als wertvoller außerschulischer Lernort

16. September 2021

Lehrerfortbildung auf dem Betrieb Schemmer in Reken

In der Kartoffelhalle auf dem Hof Schemmer

Obwohl sie uns täglich auf dem Teller begegnen, haben viele Kinder und Jugendliche heute keinen Bezug mehr zur Herkunft ihrer Lebensmittel. Selbst auf dem Land ist das so, wie Landwirtin Kathrin Jünck aus Velen von einer Begegnung mit einem Nachbarskind berichtet: „Ich habe mit dem Mädchen darüber gesprochen, dass wir die Kühe auf unserem Hof halten, um Milch zu erzeugen. Die Fünfjährige schaute mich groß an und fragte mich, warum wir das machen. Schließlich könne man die Milch doch im Supermarkt kaufen." Jünck gehörte genauso wie einige weitere an Schulkontakten interessierte Landwirte zusammen mit Lehrkräften von Grund- und weiterführenden Schulen in der Region zu den 18 Teilnehmern einer Lehrerfortbildung. Diese fand am Dienstag bei besten äußeren Bedingungen auf dem Hof der Familie Schemmer in Reken statt. Eingeladen hatten gemeinsam der Bildungsanbieter „Stadt und Land in NRW e.V." sowie der Landwirtschaftliche Kreisverband Borken.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wirtschaftet die Familie an dem Standort in der Bauerschaft Hülsten. Über die Jahre hinweg haben sich Schemmers auf die Mastschweine- und Hühnerhaltung, den Kartoffelanbau sowie zunehmend auch auf die Direktvermarktung spezialisiert. Beim Hofrundgang von Betriebsleiter Hendrik Schemmer konnten alle Teilnehmer erleben, dass Landwirtschaft etwas für Überzeugungstäter mit Herz und Verstand ist: „Ins Bauer sein bin ich von Kindestagen an reingewachsen. Eigentlich war das für mich immer klar. Aber ich habe diesen Weg bis heute auch nie bereut." Genauso vielfältig wie das Berufsbild des Landwirts sind auch die möglichen Lern- und Erfahrungswelten auf dem Bauernhof für Kinder aller Altersstufen, wie die spontane Ideensammlung dazu in der Abschlussrunde ergab. „Auch als Jobchance taugt die Landwirtschaft", wie Lehrer Thomas Leuker vom Driland-Kolleg in Gronau erkannte. Denn nicht nur für Bauernkinder steht der Beruf offen. Inzwischen kommen 40 Prozent der Landwirte-Azubis im Kreis Borken nicht mehr selber vom Hof.

Trotz aller Technisierung und Digitalisierung: In manchen Fällen, vor allem bei der Pflege und Ernte der neuesten Ackerkultur auf dem Hof, der Süßkartoffel, ist immer noch viel Handarbeit gefragt. Hendrik Schemmer klagt zwar verbal etwas über die arbeitswirtschaftliche Herausforderung der Frucht. Aber das Leuchten in seinen Augen verrät, dass es auch einen besonderen Wert hat, wenn der ganze Familienclan mit 10 bis 15 Leuten an einem Samstag zur Ernte mit anpackt: „Und zum Schluss freut man sich dann beim gemütlichen Abschluss über die geleistete Arbeit."

Zum Schluss der Lehrerfortbildung konnten sich auch am Dienstag alle beim Süßkartoffel-Waffel-Tasting (nach Rezept und frisch zubereitet von Hendriks Mutter Elisabeth) davon überzeugen, dass Landwirtschaft und Genuss zusammen gehören.

Zum Thema „Lernort Bauernhof"

Früher gab es in fast jeder Klasse noch ein Bauernkind und der Kontakt zum Hof für einen Besuch auf dem Land war einfach und naheliegend. Im Zuge des Strukturwandels ist dies immer seltener der Fall. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband vermittelt über sein Projekt „Lernort Bauernhof" interessierten Lehrern und Erziehern Kontakte zu Bauernhöfen und berät zu geeignetem Unterrichts- und Anschauungsmaterial. Eine praktische Suchfunktion zu Lernort-Bauernhof-Betrieben in der Nähe findet sich auch über das Portal www.bauernhof.net. Auf direktem Wege können sich Interessierte auch an die landwirtschaftlichen Ortsverbände wenden oder beim Kreisverband an Stephan Wolfert, Tel. 02861930658.

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