Nach der Ernte ist vor der Ernte

13. Oktober 2021

Hochbetrieb auf den Äckern im Kreis Coesfeld

Die ruhige Winterzeit steht zwar schon vor der Tür, doch die Herbstarbeiten auf den Feldern sind noch in vollem Gange. Die Silomaisernte sowie die Einsaat von Getreide und Zwischenfrüchten sind vielerorts zwar schon abgeschlossen, jedoch rollen nach wie vor die Drescher im Münsterland und auch die sogenannte Stoppelbearbeitung läuft auf Hochtouren. Für Verkehrsteilnehmer ist daher aktuell immer noch besondere Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme geboten. Doch nach der Ernte ist eben vor der Ernte und mit der Bearbeitung und Begrünung der Felder, werden schon jetzt die Grundlagen für das kommende Jahr gelegt.

„Die gründliche Stoppelbearbeitung hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Das hängt vor allem mit der Gefahr durch den Maiszünsler zusammen. Das Insekt ist zwar recht klein und unscheinbar, kann aber in Maisbeständen sehr großen Schaden anrichten", erklärt Franz-Josef Lintel Höping. Der Falter sowie dessen Larven ernähren sich vorwiegend von Maispflanzen. Diese Vorliebe führt zu sich schlecht entwickelnden Beständen oder sogar zum kompletten Absterben der Pflanze. Bundesweit werden die Schäden laut Landwirtschaftskammer auf 11 bis 12 Mio. Euro geschätzt. „Um die Verbreitung des Falters zu verhindern, ist, gerade nach der Ernte der Maispflanze, eine tiefe und exakte mechanische Zerkleinerung der Maisstoppeln mit dem Schlegelmulcher von enormer Bedeutung. Denn so werden die Larven des Zünslers in ihren Quartieren gestört und ein Überwintern verhindert. Eine Maßnahme, die von uns Landwirten hier im Kreis Coesfeld sehr ernst genommen wird", berichtet der Landwirt aus Senden. Deutlich bunter wird es auf den Feldern im Kreis aber durch eine andere Feldarbeit im Herbst – die Ansaat von Zwischenfrüchten, wie Senf, Phacelia, Ölrettich oder Sonnenblumen. Diese bringen zwar oft keine Ernte ein - sind sie doch im Grunde die Früchte zwischen den Hauptfrüchten - doch ihre Vorteile sind unter Landwirten unumstritten. „Durch den umfangreichen Anbau von Zwischenfrüchten, die Teilnahme an Agrarumweltmaßnahmen sowie die Einsaat von Wintergetreide, sind schätzungsweise 80 % der Ackerflächen im Winter mit Pflanzen bedeckt", erklärt Lintel-Höping.

Zwischenfrüchte werden in der Zeit zwischen der Ernte und Aussaat der jeweiligen Hauptfrüchte angebaut. Der weitaus größte Anteil verbleibt im folgenden Frühjahr auf dem Feld und dient nicht der Futtergewinnung. Dort sind die Pflanzen wichtige Nahrungs- und Zufluchtsorte für die Wildtiere unserer Region und haben vielfältige Aufgaben mit positiven Effekten für den Boden sowie die Bodenlebewesen. So speichern sie während des Winters Wasser sowie Nährstoffe und schützen vor möglichen Auswaschungen. Gleichzeitig fördern sie das Bodenleben und den Humusaufbau. Nicht zuletzt lockert ihr Wurzelwerk den Boden und schützt gleichzeitig vor Erosionen. Erst im kommenden Jahr werden die zum Teil abgefrorenen Pflanzenreste flach in den Boden eingearbeitet – mundgerecht für den Regenwurm – werden von den Bodenlebewesen zersetzt und dienen so der Folgefrucht als Nährstofflieferant. Daher gelten Zwischenfrüchte als wahre Multitalente auf dem Acker.

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