Kreisverband sieht Landesentwicklungsplan differenziert

04. März 2014

Gütersloh /WLV (Re) Der Landwirtschaftliche Kreisverband Gütersloh begrüßt die im Entwurf zum Landesentwicklungsplan (LEP) festgelegten Ziele und Grundsätze. „Besonders über die erstmalige Aufnahme eines eigenen Kapitels ‚Landwirtschaft’ freuen wir uns“, hebt der Kreisverbandsvorsitzende Arnold Weßling hervor. „Unser Grund und Boden ist nicht nur für uns Landwirte, sondern für die gesamte Menschheit die Lebensgrundlage.“ Boden sei weder beliebig verfügbar, noch vermehrbar. „Daher brauchen wir einen sparsamen Umgang und müssen dem ungebremsten Flächenverlust Einhalt gewähren“, bekräftigt Weßling. „Deshalb ergibt sich auch ein besonderes Schutzbedürfnis für unseren Boden.“

Der Berufsverband begrüßt die festgelegten Ziele und Grundsätze wie den Vorrang der Innenentwicklung, den gleichwertigen Flächentausch und die Einbeziehung der Reserveflächen. Als ein wichtiges Ziel sieht der Kreisverband die flächensparende Siedlungsentwicklung mit der Vorgabe, den Flächenverbrauch in NRW bis zum Jahre 2020 auf fünf Hektar pro Tag zu reduzieren und sogar langfristig auf „netto- null“ zu verringern.

Gleichwohl unterstützt der Landwirtschaftsverband die „Detmolder Erklärung“ voll in dem Punkt, dass eine Entwicklung im ländlichen Raum und in kleinen Gemeinden möglich sein muss. „Auch wir leben in den Dörfern und sehen den demographischen Wandel mit Schrecken“, betont der Vorsitzende. „Aber wir sehen auch das Gebot des sparsamen Umgangs mit unserem nicht beliebig verfügbaren Boden. „Deshalb brauchen wir intelligente Lösungen“, meint der Vorsitzende. Dabei setzt der Kreisverband auch auf das Recyling von nicht mehr genutzten Gewerbeflächen sowie Gebäuden. Der Vorsitzende spricht sich für die Wiedernutzung von leerstehenden Gebäuden und nicht genutzten Grundstücken aus. „Ist es nicht sinnvoller, dass Unternehmen in vorhandene oder gegebenenfalls auf den Grundmauern neu errichtete Gebäude ziehen, als dass vor den Toren des Dorfes oder der Stadt wieder ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen wird?“ Weßling sieht einen Gewinn für zwei Seiten: Zum Einen würde eine sinnvolle Verwendung der Gebäude und Grundstücke gewährleistet sein, zum Anderen bliebe der wertvolle Ackerboden erhalten. „Denn ist eine Fläche einmal zubetoniert, kann dort kein Mähdrescher mehr Weizen ernten und kein Bäcker daraus Brot backen“, begründet Weßling.

Auch der Berufsstand ist für Arbeitsplätze und weiß, dass die Standorte wettbewerbsfähig sein müssen. „Es darf aber nicht sein, dass immer wieder nur ‚frische’ Böden verwendet werden, aber Altstandorte und Gewerbebrachen leer bleiben“, erläutert der Vorsitzende. Er kritisiert, dass es derzeit immer noch billiger sei, auf der grünen Wiese einen Neubau zu errichten als auf einem alten Standort neu zu bauen. Deshalb müssten neue Ansätze her. Ziel müsse sein, zu verhindern, immer wieder landwirtschaftliche Fläche zu bebauen. Der meiste landwirtschaftliche Boden geht für verkehrliche Erschließung sowie Ausgleich und Ersatz von verbauten Flächen verloren.

Weßling: „Unternehmen sollten die Möglichkeit haben, ihren Standort – sofern rechtlich zulässig – zu erweitern.“ Beim naturschutzrechtlichen Ausgleich fordert der Landwirtschaftsverband, statt neue Flächen zu verwenden, Ersatzgeld zu zahlen. „Das könnte dann genutzt werden, um weitere Versiegelungen zu vermeiden, indem mit dem Geld nicht genutzte Bau- und Gewerbeflächen saniert oder für die Neubebauung hergerichtet werden“, erklärt Weßling. Dann nämlich müssten Unternehmen nicht auf die wertvollen landwirtschaftlichen Flächen.

Nicht geteilt wird zudem die Einschränkung, dass nur landwirtschaftliche Flächen mit hoher Bodenfruchtbarkeit geschützt werden sollen. „Einen qualitativen Abschlag einzig auf die Bodengüte einer Fläche vorzunehmen ist nicht sachgerecht“, unterstreicht der Vorsitzende. Zur Sicherung der Ernährung sei jeder Quadratmeter - unabhängig von der Bodengüte - wichtig und für die Bewirtschaftung und Entwicklung des Hofes notwendig. „Wir müssen mit unseren wertvollen Böden insgesamt sorgsamer, verantwortungsbewusster umgehen“, ergänzt Weßling.

Der Berufsstand befürwortet zudem den Grundsatz zur Nutzung von ehemaligen militärischen Flächen. Weßling spricht sich für eine Weiternutzung von Kasernenflächen als Gewerbe- oder Wohngebiete aus. Wenn diese Flächen dafür nicht benötigt werden, sollten sie der ursprünglichen landwirtschaftlichen Nutzung wieder zugeführt werden. Wenn Flächen für Natur-, Landschafts- und Artenschutz daraus entwickelt werden, müssten sie in vollem Umfange als Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen anerkannt werden. „Damit würden dann übrige Flächeninanspruchnahmen verhindert“, unterstreicht Weßling.

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