Warum Gülledüngung im Lockdown stärker wahrgenommen wird

03. März 2021

Bauern sind bei Hoch "Jacqueline" mit Feldarbeiten im Gange

Bildautor Florian Pottkamp
Gülle riecht: Bauern bemühen sich, die Gerüche einzudämmen. Beispielsweise wird Gülle mit Schleppschläuche bodennah ausgebracht und nach dem Ausbringen in den Boden eingearbeitet.

Gütersloh /WLV (Re) Die Pflanzen auf den Feldern fangen jetzt nach der Winterruhe wieder an zu wachsen. Dafür brauchen sie Nährstoffe. Mit dem Frühlingswetter sind die Bauern im Kreis Gütersloh auf den Feldern im Gange. Sie düngen die Pflanzen wie mit Gülle, Substraten aus Biogasanlagen oder Mist. Dem einen stinken sie – dem anderen sind sie wertvoller Dünger, ohne den auf unseren Feldern wenig wachsen würde. Andreas Westermeyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh kann verstehen, dass der gesellschaftliche Ruf der Gülle nicht so gut ist, „denn sie riecht nun mal. Gerade in Home-Office-Zeiten wird der Geruch sogar noch mehr wahrgenommen", schildert der Landwirtevorsitzende. Viele wissen zwar, das Mist, Gülle und Gärreste wertvolle Dünger sind, und doch ärgern sie sich über die Gerüche und dem erhöhten Verkehrsaufkommen.

Bauern versuchen Gerüche einzudämmen

Der Vorsitzende bittet er um Verständnis: „Wir versuchen möglichst, Gerüche zu verringern und Rücksicht zu nehmen, aber ganz ohne geht es leider nicht. So versuchen wir in der Regel in der Nähe von Wohngebieten nicht zur Feierabendzeit zu düngen sondern dann, wenn die Menschen zur Arbeit sind." Da aktuell viele Menschen im Homeoffice seien, würde dies allerdings nur bedingt funktionieren, sagt er. Auch würden die rechtlichen Rahmenregelungen immer weniger zeitlichen Spielraum lassen. „So wird in der verbleibenden Zeiten die Düngung stärker wahrgenommen, weil die Zeitfenster einfach enger geworden sind", verdeutlicht Westermeyer.

Bauern sind an strenge Vorgaben gebunden

Beim Düngen müssen sich die Bauern an strengere Vorgaben halten. In der neuen Verordnung steht beispielsweise genau, wann, wo und in welcher Menge Gülle, Reste aus Biogasanlagen oder Mineraldünger auf die Felder gebracht werden darf.

„Gülle riecht. Wir Bauern bemühen uns aber, die Gerüche einzudämmen", betont Westermeyer. So werde beispielsweise auf dem Ackerland, auf dem noch keine Ackerfrüchte sind, die Gülle nach dem Ausbringen in den Boden eingearbeitet. Somit rieche man kaum noch etwas. Zudem reduzieren beispielsweise sogenannte Schleppschläuche die Geruchsbelästigung, da die Gülle dann direkt auf dem Boden ausgebracht wird. Doch nicht nur der Geruch, sondern das „Güllefahren" beeinträchtigt Verkehrsteilnehmer und Anwohner. Darum setzen Landwirte immer öfter auf spezielle Transportfässer ohne die Einbringungstechnik. Diese werden von LKW oder Trecker gezogen und sind für den Straßenverkehr optimiert. Hier sorgen zum Beispiel schmale Reifen für einen geringeren Treibstoffbedarf und reduzierter Geräuschentwicklung.

Bauern schätzen die organischen Dünger

„Gülle, Mist und Substrate aus Biogasanlagen sind organische Dünger, sozusagen Naturdünger", erläutert der Vorsitzende. Darin sind die Nährstoffe enthalten, die die Pflanzen zum Wachstum brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium und Schwefel sowie verschiedene Spurenelemente. „Ohne Düngung gedeihen die Pflanzen nicht und die Fruchtbarkeit des Bodens nimmt immer mehr ab, weil Mineralstoffe entzogen und nicht zugeführt werden." Besonders zu Beginn der Vegetation im Frühjahr ist der Pflanzenbedarf hoch, da sie dann für das Wachsen und dem Bilden von Blättern, Stängeln und Früchten Nährstoffe benötigen.

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