Vogelgrippe: Wir brauchen die Impfung

20. Dezember 2021

Westermeyer: „Ein geeignetes Impfkonzept kann den Kampf gegen die Geflügelpest unterstützen."

Bildautor: WLV

Andreas Westermeyer: „Für einen Landwirt gibt es nichts schlimmeres, als zu erleben, wie die eigenen Tiere getötet werden, weil die Vogelgrippe im Betrieb ausbricht."

Gütersloh/WLV (Me) In Gütersloh sind bisher keine erkrankten Wildvögel gefunden worden. Da jedoch im angrenzenden Kreis Paderborn schon Vogelgrippefälle verzeichnet wurden, ragt die Schutz- und Überwachungszone bis nach Gütersloh hinein. Daraus resultiert die Stallpflicht für den ganzen Kreis. „Wir hoffen, dass wir in diesem Winter von Ausbrüchen der Krankheit verschont bleiben", teilt Andreas Westermeyer mit, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh.

Doch gerade im Winter sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Erreger wieder auftauche. Nach der massiven Ausbruchsserie im Frühjahr kam es vereinzelt auch im Sommer zu Fällen. Die letzten sporadischen Ausbrüche bei Geflügel in Deutschland wurden im Juni 2021 und in Europa Anfang September 2021 festgestellt, in Nordeuropa gab es über den ganzen Sommer hinweg Nachweise bei Wildvögeln. „Das zeigt, dass im Gegensatz zu vergangenen Jahren das Auftreten der Vogelgrippe nicht vollständig zum Erliegen gekommen ist", sagt Westermeyer. Auch das Friedrich-Löffler-Institut habe mit einem erneuten Auftreten des HPAIV H5 in den Herbst- und Wintermonaten gerechnet.

Für Geflügel großes Problem, für den Menschen ungefährlich

Wildvögel werden als Reservoir des Virus betrachtet und sind häufig Virusträger. Der Druck durch die Wildvögel sei größer geworden, da sich der Vogelzug über einen längeren Zeitraum erstreckt. Westermeyer: „Aufgrund milderer Temperaturen durch den Klimawandel überwintern die Vögel immer häufiger bei uns in der Region und erhöhen damit das Krankheitsrisiko für unser Hobby- und Nutzgeflügel."

EU-weite Impfung als wirksamer Schutz

„Für einen Landwirt gibt es nichts schlimmeres, als zu erleben, wie die eigenen Tiere getötet werden, weil die Vogelgrippe im Betrieb ausbricht", so Westermeyer. Eine Therapiemöglichkeit für die Tierseuche existiert derzeit nicht und auch die Bekämpfung ist schwierig. „Eine Impfung gegen das Virus ist in Europa und damit auch in Deutschland derzeit nicht erlaubt", berichtet der Landwirtevorsitzende. Die einzige sichere Möglichkeit, die Tiere vor einer Infektion zu bewahren, ist die sehr sorgfältige Abschirmung des Geflügels vor Wildvögeln. Diese Verschärfung der Hygienemaßnahmen sei für landwirtschaftliche Betriebe ebenso wichtig, wie für Hobbyhalter. „Jeder steht in der Verantwortung, einen Ausbruch der Vogelgrippe zu verhindern", so Dr. Herbert Quakernack, Geflügelreferent des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). Als eine Lösung sieht er das Impfen an. „Eine EU-weite Impfung mit einem Markerimpfstoff gegen den Erreger der Geflügelpest wäre ein wirksamer Schutz. Wie auch die Corona Pandemie beim Menschen zeigt, hilft die Impfung, Krankheitsausbrüche zu vermeiden beziehungsweise -verläufe abzumildern." Die Vorbeuge sei das Entscheidende! „Wir brauchen einen wirksamen Schutz vor der Vogelgrippe, um auch weiterhin die heimische Geflügelhaltung und damit regionale Lebensmittel zu erhalten."

Vier Bereiche der Geflügelhaltung

Einzigartig in Deutschland ist in den Kreisen Gütersloh und Paderborn die Zucht bestimmter Freilandrassen mit Hühnern verschiedener Farben, das sogenannte bunte Geflügel. Sie werden aus Ostwestfalen-Lippe an Hobbyhalter in ganz Deutschland verkauft. Zwei weitere Bereiche sind die Haltung und Mast der Hähnchen und Puten. Das vierte Standbein sind die Legehennen, die immer häufiger in Mobilställen gehalten werden.
„Wir alle wollen doch diese Vielfalt des Geflügels behalten und erfreuen uns beispielsweise an den Hühnermobilen, welche in den letzten Jahren stark zugenommen haben", ergänzt Westermeyer. Ein geeignetes Impfkonzept könne den Kampf gegen die Geflügelpest wesentlich unterstützen.

 

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