Schweinehalter kämpfen um's Überleben
Dedert: „Landwirte brauchen Perspektiven!"

27. August 2021

Bildautor: Landwirtschaftsverband (WLV)
Die Lage der Schweinebauern ist mehr als angespannt. Rund 120 Schweinehalter gibt es noch im Kreisverband Herford-Bielefeld, davon knapp 30 Sauenhalter. Besonders die Höfe, die Sauen halten, sind stark gebeutelt.

Herford /wlv (Re) Finanzielle Sorgen und bange Fragen treiben die heimischen Schweinehalter um. „Die Bauernfamilien haben Zukunftsängste, sie sind verzweifelt und ratlos", beschreibt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld Hermann Dedert die Situation. Viele fragen sich: Wie geht es mit uns weiter? Die Lage der Schweinebauern, insbesondere der Sauenhalter ist wirtschaftlich miserabel. Die Preise liegen seit Monaten am Boden und statt fairer, auskömmlicher Preise gibt es ständig neue Auflagen von Handel sowie Politik. „Wenn sich die Lage nicht ändert, wird ein ganzer Berufszweig in Deutschland wegbrechen", erklärt Dedert.

Die Landwirte kennen den Markt mit seinen Höhen und Tiefen seit Jahrzehnten. „Aber so eine Situation haben wir noch nicht gehabt", unterstreicht Sauenhalterin Friederike Detering aus Vlotho und stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende. „Der Takt, mit dem uns neue Hürden in den Weg gestellt werden, wird immer höher." Neben chronisch niedrigen Preisen, gestiegenen Kosten, ständig neuen Auflagen, kämen die Afrikanische Schweinpest in Deutschland, wegbrechende Märkte und vor allem fehlende Perspektiven hinzu.

Seit Monaten massive Verluste

Die Kosten für die Erzeugung - wie höhere Futterpreise - übersteigen deutlich die Erlöse. „Lange können die Höfe das nicht durchhalten, es geht an die Substanz", erläutert Dedert. Rund 120 Schweinehalter gebe es noch im Kreisverband Herford-Bielefeld, davon knapp 30 Sauenhalter. Besonders die Höfe, die Sauen halten, seien am meisten betroffen. Sie würden nicht nur unter einer stockenden Abnahme und niedrigen Preisen leiden. Ihnen stehen zudem hohe Investitionen für gesetzliche Umbauten in den Ställen bevor.

Einseitige und immer neue Forderungen

Nicht die Politik, sondern der Handel, hat dann im Sommer für Entsetzen und Angst gesorgt: „Der Discounter Aldi verkündet bis 2030 – in nur 9 Jahren - bei Frischfleisch vollständig auf die Haltungsform 3 und 4 umzustellen", erklärt Dedert. „Nichts mit Verhandlungen über Preise, verbindliche Angebote, Übergangs- oder Laufzeiten wie es sich unter Marktpartner gehört, sondern nach dem Motto, der Handel gibt vor, die Bauern haben zu liefern", so Dedert.

Scheinlösungen und Zielkonflikte

Der Landwirtevorsitzende untermauert die Bereitschaft der Bauern für eine Weiterentwicklung in der Tierhaltung. Doch vieles könnten die Familien auf den Höfen nicht gleich von heute auf morgen stemmen. „Entscheidungen und Investitionen haben immer die Tragweite einer Generation", betont Jens Müller, Sauenhalter aus Löhne. „Höhere Ansprüche an die Landwirtschaft kosten mehr Geld, für uns höheren finanziellen und bürokratischen Aufwand." Doch hohe Standards und Preise auf Weltmarktniveau passten nun mal nicht zusammen. Hinzu komme: Die heimischen Landwirte geraten im internationalen Vergleich wirtschaftlich eindeutig ins Hintertreffen.

„Uns fehlen verlässliche Rahmenbedingungen", sagt Friederike Detering. Oft handele es sich um politische Scheinlösungen. So seien zum Beispiel Umwelt- und Tierschutz in Deutschland ein Zielkonflikt, mit dem die Bauern allein gelassen würden. Alles sei unbestimmt, beispielsweise wie es mit dem Borchertplan weitergehe. Dieser enthält Vorschläge wie Tiere zukünftig gehalten werden können.

Handeln bevor es zu spät ist

„Es muss jetzt gehandelt werden", untermauert Dedert, „um das Sterben der Höfe aufzuhalten, denn noch haben wir sie!" Was bringen immer neue Vorgaben, Auflagen, Verordnungen und Sonderwünsche, wenn es die Landwirte nicht mehr gibt, um die Verbraucher mit heimischen Erzeugnissen zu versorgen? Ein Großteil käme dann aus Osteuropa, Spanien oder Brasilien, unter deutlichen schlechteren Tier- und Umweltschutzbedingungen erzeugt. Wollen wir das? Der Berufsstand fordert deshalb ein entschlossenes Handeln und Unterstützung und zwar auf allen Ebenen von Handel, Verarbeiter, Politik und Gesellschaft.

Daten werden geladen …

powered by webEdition CMS