Viele Standbeine machen Bauernhof krisenfester

22. September 2020

Erntedankpressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes auf dem Biohof Nagel in Arnsberg

Friedrich Nagel, Markus Stratmann, Michael Hellermann, Reinhard Droste, Klaus Bauerdick, Theo Nagel, Karsten Drews-Kreilman (von links)

Selbst im Sauerland: Drei Jahre lang zu wenig Regen – Folgen der Trockenheit werden jetzt sichtbar – Viele Standbeine machen Bauernhof krisenfester
„Wasser ist der begrenzende Faktor"

Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland


Arnsberg/Hochsauerlandkreis Kreis. Mäßige Grasernte auf Grünland, eine ordentliche Getreideernte bei schlechten Preisen und ein Wegsterben des Waldes – im Corona-Jahr 2020 ist den Landwirten kurz vor dem Erntedankfest nicht zum Jubeln zumute. „Hohe Futterkosten bei einem stagnierenden Milchpreis machen den Milchbauern zu schaffen. Die Freude über eine durchschnittliche Getreideernte wird durch niedrige Preise gedämpft und der Verkauf von Fleisch an die Gastronomie ist durch Corona-Auflagen sehr zurückgegangen. Und die schlimmste Umweltkatastrophe spielt sich direkt vor unseren Augen ab: Der Wald im Sauerland stirbt." Klaus Bauerdick, zweiter Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland, kann auf dem Betrieb der Familie Nagel in Arnsberg-Wettmarsen zur traditionellen Erntedank-Pressekonferenz des Kreisverbandes zur Ernte in der Region nur eine mäßige Bilanz ziehen.
Hoffnung macht dem stellvertretenden Vorsitzenden jedoch die Zuverlässigkeit der Bauernhöfe: „Corona hat zu großer Veränderung im täglichen Umgang geführt, trotz aller Herausforderungen hat die Landwirtschaft die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln aufrechterhalten können. Auch wenn fehlende Erntehelfer und Schlachthofschließungen die Arbeit nicht gerade einfacher gemacht haben." Einen Vorteil gibt es dennoch: Die Direktvermarkter hatten vor allem während des lock-downs einen deutlich höheren Zulauf.

Grasernte mit mindestens 20% weniger Ertrag

Bauerdick beschreibt bei der Grasernte ein wachsendes Problem: „Im dritten Jahr in Folge führte die Trockenheit zu Problemen bei der Grundfutterversorgung der Rinder. Daher muss Futter zugekauft werden, und das oft von weit her, weil es in der Nähe keine Überschüsse gibt. Daher können die Betriebe keine Reserven mehr für das nächste Jahr anlegen."
Bauerdick erinnert sich: „Die im Frühjahr gefallenen Niederschläge reichten bei weitem nicht aus, den Boden zu befeuchten. Bis Mitte Mai war der erste Schnitt – die wichtigste Ernte für die Milchkuhbetriebe – eingefahren, der zweite und dritte Schnitt folgten in vier- bis fünfwöchigem Abstand. Alle drei Schnitte hatten mindestens 20 % weniger Ertrag, waren aber von sehr guter Qualität! Den üblichen vierten und fünften Schnitt hat es wegen der Trockenheit so gut wie nicht gegeben." Er hoffe jetzt noch auf Niederschläge im Oktober – ohne Bodenfrost – die vielleicht noch einmal etwas Wachstum auf den Wiesen bringen könnten.
Heu hingegen war in der Qualität sehr gut zu werben, war wie alle Grassorten aber auch in der Menge etwas weniger.

Mais sieht gut aus

Zum Mais, der ebenfalls als Grundfutter für die Rinderherden dient, kann der Klaus Bauerdick bisher sagen: „Der Mais steht bis auf wenige Ausnahmen sehr gut. Die angelaufene Maisernte mit guten Erträgen wird die Futtersituation etwas entspannen."
Dass diese Aussagen nicht für jeden Fleck im Hochsauerlandkreis zutreffen, weiß Bauerdick auch: „Die Gewitterschauer haben im Kreisgebiet zu unterschiedlichem Wachstum geführt. Daher sind auch die Ernten teils punktuell unterschiedlich."


Getreide von guter Qualität und Menge – Anbausysteme dem Klimawandel anpassen


Auf dem Hof der Familie Nagel war die Getreideernte weitgehend „in Ordnung". Friedrich Nagel formuliert knapp: „Weizen in Ordnung, Hafer durchschnittlich, Triticale schwach."
Markus Stratmann aus Schmallenberg-Grafschaft vom Öffentlichkeitsausschuss des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, ebenfalls Biolandwirt, sieht für die Zukunft eine Veränderung des Anbaus: „Hier hat sich rausgestellt, dass das Wasser der begrenzende Faktor ist und die Witterungsverhältnisse örtlich sehr unterschiedlich waren und somit auch örtlich unterschiedliche Erträge zustande gekommen sind. Wasser wird knapp, für Tiere, für Menschen und jetzt auch nicht mehr nur für die Landwirtschaft! Wir sagen schon: "Wasser ist das neue Gold." Für die Zukunft der Betriebe müssen wir kleinstrukturierter flächenspezifisch handeln, das Risiko auf verschiedene Pflanzen verteilen. Das heißt, unsere Anbausysteme dem Klimawandel durch Diversifizierung anpassen."


Kartoffel und Gemüse


Gut klar geklommen mit der Witterung seien Kartoffeln und Gemüse, diese seien in Qualität und Masse gut. Die Niederschläge zwischendurch seien passend gewesen. Reinhard Droste, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Arnsberg: "Die frühen Kartoffelsorten hatten genug Wasser bekommen, jetzt, bei den späteren, sieht man den Wassermangel an der fehlenden Größe." Stratmann: "Nach allem, was ich gehört haabe, hat der Regen dem Gemüse gereicht. Wir hatten immer wieeder Niederschlagsereignisse zwischen 10 und 20 mm in der Summe."


Erntedankfest


Zum Erntedankfest sagen die Landwirte in diesem Jahr ein ganz besonderes Danke: „Milchviehbetriebe sind in 2020 „nur" finanziell betroffen, Direktvermarkter haben allerdings deutlich davon profitiert, dass die Menschen wieder bewusster regional eingekauft haben. Corona zeigt uns, dass nicht alles selbstverständlich ist, daher sagen wir in diesem Jahr ganz besonders zu Erntedank „Danke" dafür, dass wir ausreichend Lebensmittel in hervorragender Qualität erzeugen konnten."

Mit vielen Standbeinen die Existenz sichern


Familie Nagel sieht eine ihrer Geschäftsgrundlagen, den Forst, täglich weiter absterben. Damit stirbt aber auch ein wertvoller CO2-Speicher und ein wichtiger Raum für die Naherholung. Friedrich Nagel: „Mit unseren vielen Standbeinen aus Bio-Schweinefleisch, Rindfleisch, Wild, Forstdienstleistung, Weihnachtsbäumen und Bio-Speisegetreide können wir flexibler reagieren. Besonders die Bio-Schweinehaltung stützt mit festem Vermarktungspartner und der Direktvermarktung unseren Betrieb. Im Wald zahlen wir gerade drauf, unsere Forstdienstleistung ist hingegen mehr als ausgelastet."

Weitere Informationen zum Hof: https://biohof-nagel.de/

Teilnehmer:


Familie Friedrich, Theo und Claudia Nagel
Klaus Bauerdick, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland
Markus Stratmann, Sprecher für Öffentlichkeitsarbeit
Reinhard Droste, Ortsverbandsvorsitzender
Karsten Drews-Kreilman, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes
Michael Hellermann, Junglandwirteforum

 

Zahlen zur Landwirtschaft im HSK ( Dateigröße: 389 KB)

Presse-Kontakt

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