„Goldenes Getreide und weidwunde Wiesen“

16. September 2022

Erntebilanz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes in neuer Form

Große Gruppe bei der Erntedankpressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland gemeinsam mit dem Landfrauenverband auf dem Hof der Familie Kropff in Medebach-Düdinghausen. Vorn im Bild (Bild Mitte, neben der Landfrauen-Gruppe): Karl, Manuela und Verena Kropff und der kommissarische Kreisverbandsvorsitzende Wilhelm Kühn (von links).

Medebach / Hochsauerlandkreis. „Goldenes Getreide und weidwunde Wiesen" – fasst Wilhelm Kühn bei der Erntedankpressekonferenz auf dem Biohof der Familie Kropff in Medebach die diesjährige Erntebilanz knapp zusammen.
Nach dem tragischen Tod des Vorsitzenden Josef Schreiber setzen seine Nachfolger Wilhelm Kühn (designierter Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland) und Christian Otto (Stellvertreter) ein Konzept um, das der ehemalige Vorsitzende noch geplant hatte. Demnach findet der Termin erstmals gemeinsam mit dem Landfrauenverband statt.
Ebenfalls präsentieren sie bei der Erntedankpressekonferenz erstmals das „Kompetenzteam" des Kreisverbandes: Die Vorsitzenden der Fachausschüsse sowie die Delegierten in die landesweiten Gremien tragen jeweils persönlich aus ihrem Fachbereich zum Verlauf des Erntejahres vor.
„Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine Ende Februar 2022 sind die Preise an den Agrarrohstoffmärkten regelrecht durch die Decke gegangen. Welche langfristigen Folgen sich aus dem Krieg und den damit verbundenen Sanktionen ergeben werden, ist derzeit immer noch kaum absehbar", beschreibt Kühn die aktuelle Situation. Neben dem Krieg stehe die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft auch wegen anderer Entwicklungen erneut im Fokus: Der Klimawandel mit zum Beispiel der diesjährigen Dürre und Hitze hat für große Verunsicherung gesorgt. Kühn: „Landwirtschaft hat sich immer verändert und an neue Gegebenheiten angepasst – das Wetter müssen wir so hinnehmen, aber verlässliche Rahmenbedingungen kann die Politik setzen und das muss sie auch dringend tun!"
Milchbauer Kühn aus Arnsberg spricht zum Erntedankfest trotz aller Widrigkeiten den Dank der Bauernfamilien aus: „Wir konnte säen und ernten und unsere Tiere gut versorgen – dafür sind wir dankbar, das ist nicht überall auf der Welt so!"

Anne Babilon weist als Sprecherin der Landfrauen im Hochsauerlandkreis auf Entwicklungen hin, die durchaus mit der fortschreitenden Technisierung in der Landwirtschaft zu tun haben: „Wir haben heutzutage mehr Unternehmerinnen, die Entscheidungen auf den Höfen mittragen und mittragen müssen- der Westfälisch-Lippische Landfrauenverband fördert unter anderem durch Aus- und Fortbildung besonders die Qualifikation der Bäuerinnen. Zudem werden durch das „Frauen-Netzwerk Agrar" Frauen in öffentlichen Gremien gefördert. Wir begrüßen auch sehr, dass der WLV einen Unternehmerinnen-Ausschuss gründet und dass im Deutschen Bauernverband zusätzlich eine Frau ins Präsidium aufgenommen wird. Es ist wichtig, die weibliche Sicht auf Landwirtschaft hervorzuheben."

Die Ernteergebnisse der verschiedenen Kulturen stellten die jeweiligen Fachsprecher im Kreisverband vor:

Stefan Fuchte, Vorsitzender des Milchausschusses im Kreisverband Hochsauerland; „Zur Ernte müssen wir in diesem Jahr leider berichten, dass nach einem üppigen Grünlandaufwuchs zu Beginn des Jahres eine verheißungsvolle Ernte eingefahren werden konnte, die nach dem zweiten Schnitt abrupt endete. Hoffnung hatten wir in den Mais gesetzt, aber wie Sie alle sehen können, haben wir fast vier Wochen früher eine „Noternte" gehäckselt. Die für die Futterqualität entscheidende Kolbenbildung war dünn bis mager, je nach Standort durchaus unterschiedlich im Kreis. Hätten wir nicht die Supergrasernte aus 2021 gelagert, hätten wir schon jetzt das Futter für den kommenden Winter anbrechen müssen. Erfreulicherweise sind die Milchpreise gestiegen – das war auch nötig, sonst könnten unsere Familienbetriebe die gestiegenen Produktionskosten (Energie und Dünger) gar nicht auffangen."

Josef Dreps, Delegierter des Kreisverbandes im WLV-Ausschuss „Veredlung": „Die Getreideernte war in diesem Jahr gut. Lange Erntefenster durch stabiles trockenes und warmes Wetter haben die Ernte stressfrei ablaufen lassen. Bei Standorten mit genug Niederschlägen sowie guten Böden wurde gute Qualitäten und hohe Erträge erzielt. Die Preise orientieren sich am Weltmarkt, der sich derzeit sehr turbulent gestaltet. Ich möchte dennoch deutlich darauf hinweisen, dass gerade die Schweinehaltung sich im freien Fall nach unten bewegt. Schlechte Preise und totale Verunsicherung bei den Haltungsvorschriften lassen viele Familien diese Form der Landwirtschaft einstellen."

Thomas Wiese, Vorsitzender des Ausschusses Mutterkuhhaltung im Kreisverband Hochsauerland: „Als jüngster Ausschuss im Landwirtschaftlichen Kreisverband vertreten wir eine sehr große Gruppe von Landwirten: Die Mutterkuhhalter haben sich zusammengetan und können durch ihre zahlreichen Politikergespräche und weitere Aktivitäten als ersten Erfolg verbuchen, dass auch für Mutterkühe wieder eine Weideprämie gezahlt werden wird. Der stockende Grünlandaufwuchs ist für Mutterkuhhalter vor allem arbeitsaufwändig: Auch der Regen der letzten Tage hat unsere braunen Wiesen nicht wieder grün werden lassen, dazu kam er viel zu spät im Jahr, die Vegetation hat um diese Zeit nicht mehr die Kraft, das verlorene Wachstum aufzuholen. Wir mussten selbst unsere Weidetiere zufüttern, das ist aufwändig und teuer. Zudem hat die Trockenheit uns ganz schön auf Trab gehalten: Um die Wasserversorgung unserer Herden sicherzustellen, haben wir teilweise täglich Wasserfässer zu den Flächen gefahren."

Klaus Bauerdick, Vorsitzender der Waldbauern im Hochsauerland: „Der inzwischen hinlänglich bekannte Schädlingsbefall durch Borkenkäfer und der Stress, den die Bäume durch die Trockenheit haben, hat uns nahezu zu „Waldboden-Besitzern" gemacht. Der weltweite Klimawandel ist in den letzten fünf Jahren massiv im Hochsauerland angekommen und hat gravierende Folgen für uns Waldbauern: Marktverwerfungen (Preisverfall) und Vermögensvernichtung können wir Privatwaldbesitzer nicht allein auffangen. Deshalb sind die Prioritäten 1. Aufforstung, 2. Umwandlung in klimaangepasste Wälder und 3. Waldränder neu zu gestalten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der wir massive Unterstützung einfordern. Wir brauchen neue Einkommensmöglichkeiten für den Wald und dazu sind unsere konkreten Vorschläge 1. Windkraftanlagen im Wald zu genehmigen, 2. Ausgleichsmaßnahmen zur Kompensation von Flächenversiegelung im Wald zu ermöglichen und 3. Ökologische Leistungen zu honorieren. Damit meine wir die Leistungen des Waldes, die bisher immer kostenlos erbracht wurden: CO2-Bindung und Wasserreinhaltung zum Beispiel sollten bezahlt werden."

Christian Niggemann, Ortsverbandsvorsitzender Medebach-Hallenberg: „Die Medebacher Bucht ist als „Toscana des Sauerlands" traditionell wärmer und trockener als das übrige Sauerland."

Berufskolleg der Landwirtschaftskammer NRW, Fachschule für Agrarwirtschaft Meschede, Gruppe Schüler Mareike Kordes, Hannah Raschke und Simon Dielenhein – Thema: Landwirtschaft gefragt:60 Schüler derzeit in Meschede, Fakten zur Fachschule. Aktuelle Herausforderungen für Hofnachfolger.

Übergabe an Familie Kropff – Karl und Manuela, Tochter Verena – Thema: Unser Bauernhof, Betriebsbesichtigung mit Besonderheiten Produktion und Markt bei Biomilch, Bioproduktion soll erhöht werden obwohl der Markt gesättigt ist. Aussichten sind derzeit überhaupt nicht rosig.

Namen und Funktionen der Teilnehmer:

Wilhelm Kühn, designierter Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV)
Anne Babilon, Sprecherin des Kreisverbandes Hochsauerland im Westfälisch-Lippischen Landfrauenverband (WLLV); Monika Schmiedeler, Vorsitzende Landfrauen Medebach
Stefan Fuchte, Vorsitzender des Milchausschusses im Landwirtschaftlichen Kreisverband Hochsauerland
Josef Dreps, Delegierter des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes im WLV-Ausschuss „Veredlung"
Thomas Wiese, Vorsitzender des Ausschusses Mutterkuhhaltung im Landwirtschaftlichen Kreisverband Hochsauerland
Klaus Bauerdick, Vorsitzender der Bezirksgruppe Hochsauerland im Waldbauernverband NRW (WBV)
Christian Niggemann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Medebach-Hallenberg
Berufskolleg der Landwirtschaftskammer NRW, Fachschule für Agrarwirtschaft Meschede, Studierende: Mareike Kordes, Hannah Raschke und Simon Dielenhein
Familie Kropff – Karl und Manuela, Tochter Verena
Weitere Teilnehmer: Karsten Drews-Kreilman, WLV-Kreisgeschäftsführer; Lena Stratmann, WLV-Mitarbeiterin; Michael Hellermann, WLV-Junglandwirteforum Südwestfalen; Stefan Belke, Kreislandwirt der Landwirtschaftskammer im Hochsauerlandkreis
Barbara Kruse, WLV Pressesprecherin Südwestfalen

 

 

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BetriebsspiegelFamilieKropff
(19. September 2022)

Manuela, Karl und Verena Kropff (von links).

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