Jahresbilanz der Landwirte 2014

20. Dezember 2014

Talfahrt der Preise auf allen Agrarmärkten

Lippe /WLV (Re): Bald verabschiedet sich das Jahr 2014 und damit ein turbulentes Jahr. „Ungewöhnliche Witterungsbedingungen, schwierige, nervenaufreibende Ernte und niedrige Preise“, so blickt der Vorsitzende des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins Dieter Hagedorn zurück. Die Märkte für viele landwirtschaftliche Erzeugnisse seien in Unordnung geraten, viele Landwirte kämen nicht mehr auf ihre Kosten. Zudem hätten die Bauern wieder mal erfahren, wie abhängig die Landwirtschaft vom Wetter ist.

 

„Wir können wohl das wärmste Jahr seit Wetteraufzeichnung vermelden“, so der Vorsitzende. Der Winter Fehlanzeige, auch das Frühjahr mild, mitten in der Getreideernte dann Regen. Die früh gestartete Ernte gestaltete sich durch immer wiederkehrende, zum Teil ergiebige Niederschläge zu einer Hängepartie. Das Getreide konnte teilweise nicht zum optimalen Zeitpunkt, oft nur mit höheren Feuchtegehalten, gedroschen werden. Hagedorn: „In einigen Teilen des Kreises zogen sich die Druscharbeiten bis in den September hin.“ Die Ernte fiel regional sehr unterschiedlich aus. Während die einen mit einem blauen Auge davon gekommen sind, machten in anderen Teilen des Kreises Lippe die widrigen Witterungsbedingungen den Landwirten erheblich zu schaffen. Gute Erträge können die Bauern dagegen bei Rüben, Kartoffeln, Mais und Raps verzeichnen. Doch auch die Herbstaussaat sei durch Niederschläge teilweise schwierig gewesen, so Hagedorn.

 

Eine Talfahrt erfuhren 2014 die Preise auf den Agrarmärkten in allen Bereichen. Nach zwei Jahren mit relativ stabilen Preisen und besseren Einkommen haben die heimischen Bauern wieder die Schwankungen nach unten erwischt. „Wir sprechen von massiven Einbrüchen auf breiter Front“, erklärt der Vorsitzende. Gründe hierfür seien die guten Ernten in mehreren Erzeugerländern sowie eine weltweit gute Versorgungslage. Hagedorn: „Weiter schlagen Schwäche-Tendenzen der globalen Konjunktur auch auf die Nahrungsmittel-Nachfrage durch.“ Hinzu käme die Russlandkrise und der von Russland verhängte Importstopp für Nahrungsmittel. Hart trifft es die Acker-, Obst-, und Gemüsebauern, Milchviehhalter und Schweinemäster. Doch vor allem die Sauenhalter mussten einen wahren Preissturz hinnehmen, wie es ihn in der Heftigkeit den vergangenen Jahren nicht gab. „Die Bauern verlieren bei den Schweinen momentan täglich Geld“, unterstreicht der Vorsitzende.

 

Sorgen bereiten die politischen Herausforderungen. „Wir sind gerne bereit, unseren Teil zu den von Gesellschaft und Politik gewünschten Einschränkungen in der Erzeugung zu leisten, aber nur wenn wir am Markt dann auch anders bewertet werden als Produzenten mit geringeren Entlohnungs- und Verfahrenskosten“, erläutert Hagedorn. Das sogenannte Greening auf hochwertigen Ackerflächen im Rahmen der Europäischen Agrarreform, eine neue Düngeverordnung in Deutschland, ein Erlass zum Schutz der Artenvielfalt auf Landesebene, die Abdeckung von Güllebehältern et cetera - dies alles führe nicht zu einer Wettbewerbsfähigkeit. Zudem befindet sich der Milchmarkt im Umbruch: Am 31. März 2015 endet die Quotenregelung nach 31 Jahren staatlicher Mengenregulierung. „Für die Milchbauern ist noch nicht einzuschätzen, wie der Markt reagiert, ich hoffe nicht so extrem wie der augenblickliche Zuckermarkt“, zeigt sich Hagedorn besorgt. An den Lebensmitteleinzelhandel appelliert der Berufsstand, nicht jede globale Milchpreissenkung auf den deutschen Markt zu übertragen, da die heimischen Milchbauern für ihre sehr hohen Standards auch ihren Preis haben müssten.

 

Das Jahr brachte auch Positives: In diesem Jahr haben wir die Initiative Tierwohl auf dem Weg gebracht, so dass sie ab Frühjahr 2015 beginnen kann.“ In Sachen Landwirtschaft und Transparenz laufe derzeit ein Kinospot mit echten Bauern aus der Region in vielen Kinos. „Wir wollen Vertrauen zwischen Verbrauchern und Bauern stärken“, erklärt Hagedorn. Auch die neue Internetseite www.saugut-informiert.de biete vieles rund die heimische Landwirtschaft und ihre Bauern. Im nächsten Jahr werde zudem eine Plakatserie mit jungen Landwirten starten. „Ebenso freuen wir uns über das große Interesse vieler Menschen an unseren grünem Berufszweig. „Sowohl Schulklassen als auch Gruppen von Erwachsenen haben unsere Höfe besucht“, berichtet der Vorsitzende.

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