Kreisweite Aktion zum Weltmilchtag: Die Wunderwelt der Milch: Wie kommt die Milch in die Kuh?

01. Juni 2015

Lippe /WLV (Re): Kuh und Kalb sind die Hauptdarsteller des Besuches der Drittklässler der Grundschule am Weinberg (Blomberg) auf dem Hof Heykes am Montag (1.6.2015) gewesen. Auf Einladung des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins konnten die Kinder an diesem Vormittag genauer betrachten wie Kühe und Kälber leben, was und wie viel sie fressen und trinken und wie Kühe gemolken werden. Milch schmeckt – oder? Warum Milch – was steckt in ihr? Auf den Spuren der Milchquelle Kuh haben sie vieles rund um den weißen Saft erfahren.

 

Große Augen, lange Zungen

 

Vorsichtig nähern sie sich einander – nur mal kurz beschnuppern. Schnell über die Nase streicheln, und da ist die raue Zunge an den Fingern und saugt munter drauf los. Erstaunt und vor allem freudig überrascht beobachten die Kinder, wie das Kalb an den Fingern von Milchbauer Jochen Heykes nuckelt. „Die Kinder wollen im wahrsten Sinne begreifen“, erzählt er. Und das tun sie mit Freude: Sie streicheln die Kühe, Kälber und einige Mutige lassen auch ein Kälbchen an ihren Fingern nuckeln. Die kleinen Besucher sind auch von der Länge einer Kuhzunge beeindruckt. Die Gäste sehen diese, als eine Kuh über ihr Maul und ihre Nase leckt. Dass man das unbedingt mal ausprobieren muss, darüber sind sich alle einig. Und so steht bei der Besichtigungstour eine Horde Kinder vor einer Herde neugierig schauender Kühe und versucht sich die Nase abzuschlecken.

 

Wie kommt die Milch in die Kuh?

 

„Nur durch die Geburt eines Kalbes beginnt eine Kuh Milch zu geben“, erzählt Heykes, das sei wie beim Menschen genauso. Eine Kuh fresse pro Tag über 50 Kilogramm Futter. Die Schüler sehen, welche Futterbestandteile in einer Ration sind. Sie dürfen das Futter in die Hand nehmen, fühlen und riechen. Milliarden von Bakterien helfen dann bei der Verdauung der Nahrung. Die Nährstoffe aus dem Futter werden im Euter der Kuh zu Milch aufgebaut. „Das Wiederkauen zeigt, dass der Pansen arbeitet, die Kuh erzeugt Milch“, so der Landwirt.

 

Professioneller „Kuhstreichler“

 

„Viele denken immer noch, dass Kühe in dunklen, engen Ställen mit schlechter Luft stehen“, erklärt der Haupvereinsvorsitzende Dieter Hagedorn. Doch die Tierhaltung habe sich in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich verbessert. Große komfortable Liegeboxen, breite Lauf- und Fressgänge, offene licht- und luftdurchflutete Ställe gehörten mittlerweile zum „Rundum-Wohlfühlprogramm“. Hinzu kommen Spezialbereiche auf Stroh wie für abkalbende – also gebärende - Kühe und für die jungen Mütter, sozusagen die Geburts- bzw. Wöchnerinnenstation. Zum „Wellnessprogramm“ gehören weiter Kuhbürsten: „Hier können sich die Kühe ihre Massage abholen“, betont Heykes . Diese erinnert an eine Bürste in einer Autowaschanlage, die von den Tieren selbst betätigt wird. Heykes: So ein professioneller „Kuhstreichler“ ist prima für die Haut- und Fellpflege der Kuh.“Tierwohl ist der Familie Heykes wichtig. Jochen Heykes berichtet während der Hofführung um den täglichen Einsatz für die Tiere: „90 % unserer Arbeit dient dem Wohlbefinden unserer Tiere.“ Wir melken sie morgens und abends, auch Feiertags und am Wochenende. Im Boxenlaufstall gehen die Milchkühe spazieren, haben bequeme Liegeboxen und von Mai bis Oktober sind sie tagsüber draußen auf der Weide.

 

 

Auf den Spuren der Milchquelle Kuh haben die Kids auch erfahren, dass die Milch unerlässlich für sie ist. Milch und Milchprodukte sorgen für eine ausgewogene Kalziumzufuhr und sollten deshalb nicht fehlen. Kalzium ist der Baustoff für Knochen und Zähne. Die empfohlene tägliche Kalziumzufuhr für Sieben- bis Neunjährige beträgt 900 mg. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund empfiehlt deshalb, zwischen dem ersten und zehnten Lebensjahr 300-400 Milliliter Milch pro Tag. Dabei können 100 Milliliter durch 15 Gramm Schnittkäse oder 30 Gramm Weichkäse ersetzt werden. Mit einem großen Glas Milch und einem Joghurt oder einem Käsebrot lassen sich die Empfehlungen leicht erreichen. Doch die Wirklichkeit ist nicht so. Laut der EsKimo-Studie (Ernährungsstudie als Modul aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) erreichen nur 37 Prozent der 6-11-jähringen Mädchen und 44 Prozent der Jungen die empfohlene Menge.

 

„Anliegen des Landwirtschaftlichen Hauptvereins zum Tag der Milch ist es, die Milchquelle begreifbar zu machen und die Wichtigkeit des Kuhsaftes für eine gesunde Ernährung ins Gedächtnis zu rufen“, erläutert Vorsitzender Dieter Hagedorn. Gleichzeitig sei das Ziel, die Landwirtschaft auf einem Bauernhof hautnah erlebbar zu machen und Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt von bäuerlichen Familien zu geben. „Wir möchten die Landwirtschaft transparenter machen“, so Hagedorn.

 

Kindergärten oder Schulklassen, die ebenfalls einen Hof besichtigen möchten, können sich melden beim Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptverein, Tel.: 05221-34204-10 oder Mail info-lag@wlv.de. Auch Online besteht die Möglichkeit einen Hof zu finden: Auf der Internetseite des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) www.wlv.de können Lehrkräfte unter der Rubrik Lernort Bauernhof aus den mehr als 600 Bauernhöfen wählen: Indem sie die eigene Postleitzahl eingeben, können sie einen Hof in ihrer Nähe finden.

 

Kasten

Ende der Milchquote – was nun?

Abschied ohne Wehmut

 

„Nach 31 Jahren ist im März die staatliche Mengenregulierung am Milchmarkt zu Ende gegangen“, erläutert der Hauptvereinsvorsitzende Dieter Hagedorn. Für die Milchbauern und Molkereien habe am 1. April 2015 eine neue Ära begonnen. Nach Einschätzung des Berufsstandes überwiegt unter den hiesigen Milchbauern die Zuversicht, auch bei geänderten Rahmenbedingungen erfolgreich wirtschaften zu können. „Das Ende der Milchquote bringt mehr unternehmerische Freiheit über die Milchmengen, für die Entwicklung des eigenen Unternehmens aber auch stärkere Schwankungen des Milcherzeugerpreises mit sich“, bringt es Hagedorn auf den Punkt.

 

Als „Abschied ohne Wehmut“ bezeichnet der Vorsitzende den Systemwechsel, da die Milchquote zwar viel Bürokratie und Kosten, nicht jedoch die versprochenen stabilen Erzeugerpreise gebracht habe. Seitdem die Milchquote im Jahr 1984 eingeführt wurde, hätten in NRW acht von zehn Milchbauern ihre Milcherzeugung aufgegeben. „Wir bewerten die mittel- und langfristigen Perspektiven für die heimischen Milchbauern positiv, kritisieren jedoch die weiter steigende Auflagenflut vor allem im Bau- oder Düngerecht“, so Jörg Möllenbrok, Milchsprecher des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins. Er sieht die Zukunft der Milchwirtschaft auch im globalen Markt. Das Ende der Milchquote bedeute, international neue Absatzmärkte zu etablieren. „Die Auswirkungen des russischen Importembargos haben verdeutlicht, dass sich die Milchwirtschaft noch breiter aufstellen muss“, unterstreicht Möllenbrok. „Deutsche Milchprodukte haben eine hohe Qualität und sind deshalb weltweit gefragt. Diese Chancen sollten wir nutzen.“ Neben den europäischen Nachbarmärkten ständen Märkte in Drittländern mit einer stark wachsenden Mittelschicht im Fokus. So würden sich auch neue Märkte auftun. Länder wie China, Indien, Indonesien, Nigeria und Pakistan würden heute als "Schlüsselmärkte" gelten. Eine Steigerung der Milchmengen um drei bis vier Prozent, wie Experten prognostizieren, würde also auch auf eine steigende Nachfrage treffen. Deutsche Erzeuger könnten davon profitieren.

 

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