Bauernpräsident Johannes Röring steht lippischen Landwirten Rede und Antwort

05. Juni 2015

Lippe /WLV (Re): Globalisierung, Emotionalisierung, Skandalisierung der Landwirtschaft - Wie geht es weiter? In einer gemeinsamen Veranstaltung des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins und der Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Lippe, am Mittwoch (3. 6. 2015) in Blomberg stand der Bauernpräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) Johannes Röring den lippischen Landwirten Rede und Antwort. „Wir erwarten von ihm Positionen nicht nur als Bauernpräsidenten sondern auch als Abgeordneten des Deutschen Bundestages“, erklärt der Hauptvereinsvorsitzende Dieter Hagedorn eingangs. Röring sprach zum Thema: „Ist die Erzeugung mit den steigenden Erwartungen an die Nutztierhaltung noch vereinbar – unter besonderer Berücksichtigung der Initiative Tierwohl und des Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirates an die Bundesregierung? Vorher referierte Martin Irgang von der Landwirtschaftskammer NRW zum Thema Biodiversität.

 

Die Zukunft der Landwirtschaft bereitet den heimischen Bauern große Sorgen. Die landwirtschaftliche Erzeugung, insbesondere die Tierhaltung steht zunehmend im Fokus von Öffentlichkeit und Politik. „Dauerkritik und pauschale Beschimpfungen tragen zu einer gefühlten Anti-Agrar-Front bei“, berichtet der Kreislandwirt Friedrich-Wilhelm Meierjohann. Zuletzt war es ein Gutachten des Beirats für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium. Dieses sieht einen radikalen Umbau der Nutztierhaltung vor. Dies hätte eine enorme Tragweite für die heimische Landwirtschaft. „Wir beurteilen das Gutachten als unverantwortlich, leichtfertig und praxisfern“, bewertet Röring. Dabei seien die Landwirte offen für Veränderungen. Das zeige die Initiative Tierwohl, die aktuell gestartet ist. Die Landwirte hätten umfangreichere Maßnahmen - mehr Licht, mehr Platz und mehr Lebensqualität für ihre Tiere – umgesetzt, als der Lebensmitteleinzelhandel bereit sei zu bezahlen.

 

„Die Schweinehalter haben großes Interesse an der Initiative Tierwohl bewiesen, jetzt sind Handel und Verarbeiter am Zug“, bringt es Bauernpräsident Röring auf den Punkt. Er begrüßt das starke Engagement der Schweine haltenden Landwirte. Die Anzahl der registrierten Betriebe übertreffe alle Erwartungen. Das Ergebnis zeige, dass die Landwirte in Deutschland bereit seien, sich für das Tierwohl zu engagieren. „Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dass alle Tierhalter, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen wollen, teilnehmen können“, untermauert Röring: „Wir fordern daher alle bisher nicht teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, der Systemgastronomie, der Fleischwarenindustrie und des Handwerks auf, sich der Initiative anzuschließen.“ Der Handel müsse die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen, damit allen Tierhaltern eine Teilnahme ermöglicht werde.

 

Der Bauernpräsident kündigt zudem an, dass der WLV in den kommenden Monaten harte Auseinandersetzungen mit der rot-grünen Landesregierung erwarte. Grund seien neue politische Initiativen von NRW-Agrarminister Johannes Remmel, die nach seiner Ansicht bisherige Kooperationen in Frage stellten und stattdessen bewusst auf Konfrontation setzten. Der WLV habe in den vergangenen Jahren die bewährten kooperativen Ansätze zur Lösung von Herausforderungen in der Tierhaltung sowie im Bereich des Natur- und Umweltschutzes - unterstützt durch berufsständische Organisationen und der Wissenschaft – gemeinsam mit der NRW-Landespolitik auf den Weg gebracht. Zu nennen sind beispielsweise die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, die Rahmenvereinbarung zur Förderung der Biodiversität sowie das seit 1989 bewährte Kooperationsmodell im Wasserschutz. „Dieser kooperative Gedanke ist doch hinsichtlich des Tier- und Umweltschutzes wesentlich wirkungsvoller und auch effizienter als Maßnahmen, die durch staatliches Handeln erzwungen werden“, begründet Röring. „Diese Position haben wir Minister Remmel deutlich gemacht, zuletzt in einem persönlichen Gespräch, doch nun will das Ministerium diesen kooperativen Weg verlassen.“ Aber sei Freiwilligkeit nicht besser als Ordnungsrecht? – fragt der Präsident. Der Verband fordere beispielsweise bei der Überarbeitung des Arzneimittelgesetzes weniger Bürokratie und mehr Praxisnähe. Das NRW-Ministerium habe hier maßgeblich dazu beigetragen, dass der bürokratische Aufwand für Landwirte und Verwaltung das eigentliche Ziel, nämlich den Einsatz von Antibiotika zu verringern, in den Hintergrund rücke. Weiter fordert der Berufsstand eine sachliche und praxisgerechte Fortentwicklung des Düngerechts. Die Neufassung der Düngeverordnung dürfe nicht den Strukturwandel anheizen. Nur gemeinsam mit den Bauernfamilien könnten Erfolge erzielt werden. Der WLV appelliert deshalb an die Landesregierung, mit Augenmaß zu agieren. Röring: „Erhöhte Auflagen zum Beispiel bei der Lagerung gefährden gerade kleinere Betriebe.“ Entschieden lehnt der WLV ebenso mögliche Länderöffnungsklauseln in der Düngeverordnung ab, die zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen innerhalb Deutschlands führen und am Ziel des Grundwasserschutzes vorbeigehen.

 

Bezüglich des Themas Biodiversität machte Präsident Röring auch hier deutlich, dass wirksamer Artenschutz nur mit den Bauern gemeinsam und im Dialog vor Ort gelingen könne. Die Landesregierung müsse ihrer Ankündigung, Maßnahmen im Bereich der Biodiversität in Kooperation mit Bewirtschaftern und Grundeigentümern umzusetzen, Taten folgen lassen. Zudem verlangt der WLV den stärkeren Einbezug weiterer Einflüsse auf die Biodiversität wie Flächenverbrauch und Prädatoren.

 

Abschließend unterstreicht Röring: „Unsere größte Herausforderung liegt darin, die teilweise geschwundene gesellschaftliche Akzeptanz für die heutige Landwirtschaft, vor allem der Nutztierhaltung, neu zu gewinnen.“ Nur durch Transparenz und eigene Initiativen könne dies gelingen. „Wir müssen als Bauern den gesellschaftlichen Wertewandel annehmen und auch bereit sein für Veränderungen“, so der Präsident. „Angst und Misstrauen gegenüber unserer Landwirtschaft ist heute leider bei zu vielen Menschen in unserer Gesellschaft Realität.“ Beides zu überwinden, sie die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre für alle Bauern.  

 

 

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