Billige Palmöl-Importe und Wettbewerbsnachteile: Heimischer Rapsanbau rückläufig

02. September 2020

Bauern mit Rapsaussaat in den letzten Zügen

Foto: Anja Mettenbrink

Bauern sind in diesen Tagen mit dem Aussäen von Raps beschäftigt. Vorn der Frontpacker für das Zerkrümeln der Erdkluten, hinten die Sämaschine, die die Rapssamen passend unter der Erde ablegt.

Lippe /wlv Bauern sind in diesen Tagen noch mit dem Aussäen von Raps beschäftigt. In der ersten Septemberwoche wird die Aussaat dann abgeschlossen sein. Der jetzt gesäte Raps ist im nächsten Frühjahr an den leuchtend gelben Feldern zu erkennen.  Kaum wurde der Raps im Juli geerntet und seine ölhaltigen Samen zu Öl verarbeitet, steht von Ende August bis Anfang September schon die Aussaat für das kommende Jahr an. „Weil die Samen so klein sind, werden sie sehr flach unter der Oberfläche in ein feines Saatbett gelegt, wo sie auf guten Bodenanschluss und Feuchtigkeit zur Keimung angewiesen sind“, erklärt Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Lippe Dieter Hagedorn.

Wenige Tage nach der Aussaat kann man die ersten zarten Pflanzen auf dem Acker erkennen. „Es ist wichtig, dass sich die jungen Pflanzen bis zum Winter bereits gut entwickeln, um niedrige Temperaturen unbeschadet zu überstehen“, informiert Hagedorn. Raps zählt zu jenen Ackerkulturen, die beinahe das ganze Jahr lang auf dem Acker stehen. Neben ausreichend Zeit für seine Entwicklung bis zur erntereifen Feldfrucht erfüllt er verschiedene wichtige Funktionen für Boden, Nährstoffhaushalt, für Kleinlebewesen und sogar für die anschließende Ackerfrucht auf dem Feld. 

So erfüllt Raps als winterharte Kultur bereits ab dem Herbst die Funktionen als Bodendecker und Nährstoffhalter, was vor allem in den Wintermonaten von Bedeutung ist. Sobald der Raps im Herbst zu wachsen beginnt, bedeckt er den Ackerboden, entwickelt also noch vor dem Winter ein bodenbedeckendes Blätterkleid, das den Acker vor Verschlämmung und Erosion schützt. „Mit ihren tiefen Pfahlwurzeln nimmt die Pflanze Nährstoffe auf und schützt diese vor Auswaschung“, so der Vorsitzende.

Zur Blüte im April profitieren Insekten von Pollen und Nektar. In der Fruchtfolge steht Raps üblicherweise zwischen zwei Getreidearten wie Weizen und Gerste und lockert als Blattfrucht die Fruchtfolge auf. „Das Positive ist, dass typische Getreideschädlinge und nicht erwünschte Pflanzen (Beikräuter) einen wenig geeigneten Lebensraum vorfinden und auf natürliche Weise auf der Fläche zurückgedrängt werden“, berichtet Hagedorn.

Rapsanbau trotz Vorzüge rückläufig

Der Rapsanbau bietet also viele Vorteile. Trotz seiner Vorzüge sei der Rapsanbau aber rückläufig, sagt der Vorsitzende, denn politische Auflagen, wie beispielsweise das Verbot von Beizmitteln oder die novellierte Düngeverordnung, würden den Bauern zunehmend die Möglichkeiten nehmen, den Raps gesund zu erhalten und ihn pflanzengerecht zu ernähren. „Ein weiterer Grund liegt in billigen Palmöl-Importen und Wettbewerbsverzerrungen im Biodieselbereich bei Importen“ erläutert Hagedorn. Hier werde eine ökologisch interessante Pflanze zu Gunsten von Handelsabkommen geopfert.

„Verzichten wollen wir in unserer Region auf den Raps nur sehr ungerne“, sagt der Landwirt, „denn Insekten, Boden und auch die Menschen freuen sich über die gelbe Blütenpflanze in der Fruchtfolge.“ Außerdem würden durch den heimischen Anbau dieser Ölpflanze weite Transportwege anderer Pflanzenöle aus Übersee eingespart.

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