Bilanz der Bauern 2020: Viel Ungeahntes und Ungewisses

09. Dezember 2020

Tillmann: „Welchen Platz hat die Landwirtschaft in Deutschland?

OWL /wlv (Re) „2020 war für uns alle ein Jahr mit viel Ungeahntem und Ungewissem", so der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe Antonius Tillmann. In einem Pressegespräch am Mittwoch (9. Dezember 2020) zog der Bezirksverband Bilanz. Dieses fand auf dem Hof Brüggemeier in Enger unter Einhaltung der Coronaregeln statt. Die Stimmung auf den Höfen und die wirtschaftliche Lage seien angespannt. Für den Vorsitzenden ist es ein nachdenkliches Jahr. Er fragt sich: „Wie wird es in der Landwirtschaft weiter gehen? Wir stehen vor vielen Herausforderungen."

Corona, Afrikanische Schweinepest, Vogelgrippe, wegbrechende Märkte, Neuregelungen für die Tierhaltung, die Düngeverordnung, höhere Auflagen und die GAP-Reform der Europäischen Agrarpolitik (GAP) – waren die bestimmenden Themen.

„Bei der Ernte sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen", so der stellvertretende Bezirksverbandsvorsitzende Rainer Meyer. Allerdings sei die Bandbreite in diesem Jahr extrem groß. Der Regen im Herbst habe gut getan und war für die Ernte- und Bestellarbeiten passend. „Um die Grundwasserspeicher aufzufüllen brauchen wir aber noch mehr", schildert Meyer. „Wir hoffen auf mehr Nasses von oben in diesem Winter."

Für die Spargel- und Erdbeerbauern war es anstrengend. Coronabedingt fehlten anfangs die Erntehelfer. Mit den Restaurant-Schließungen sank dann die Nachfrage. Der Verkauf am Endkunden lief, der an die Gastronomie kam aber zum Erliegen. Erfreulich: Die Nachfrage bei den Direktvermarktern, in den Hofläden, auf den Wochenmärkten, ist in diesem Coronajahr gestiegen, auch die Wertschätzung für die Produkte. Die Menschen würden in diesen Zeiten mehr zu Hause kochen, so Meyer. „Außerdem schätzen die Kunden gerade im Lockdown, dass es in den Hofläden nicht so dicht gedrängt ist wie in den Supermärkten."

Sorgen bereitet nach wie vor der Wald. Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer hätten ihm wieder zugesetzt. Die aufgelegte Waldprämie des Bundes sei dagegen nur ein Taschengeld. Es fehlten weiterhin Lösungen gegen die rasante Käferausbreitung. Die Waldbauern dürften mit den klimabedingten Waldschäden und einer Wiederbewaldung nicht allein gelassen werden. Dieses sieht der Vorsitzende als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Turbulente Märkte und Preisverfall

Die Märkte für landwirtschaftliche Produkte seien in vielen Bereichen unter großen Druck geraten, blickt der Vorsitzende zurück. Ob im Schweine-, Milch-, Rindfleisch-, Geflügel- oder Eiermarkt - die Lage sei schwierig. Für die Sauen- und Schweinehalter habe die gesamte Lage gravierende Auswirkungen, dabei habe es Anfang des Jahres ganz gut ausgesehen. Seit März ging es dann mit dem Schweinepreis stetig bergab. Corona und die hohen Vorsichtsmaßnahmen in der Schlachtbranche sowie der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im September führten zu enormen Preiseinbrüchen und zu großen Sorgen bei den Schweine- und Sauenhaltern.

„Weiterhin machen den Milchbauern niedrige Erzeugerpreise, drei trockene Jahre hintereinander und weiter steigende Kosten zu schaffen", so WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier. Die Bullenmäster würden unter der Schließung der Gastronomie und dem Wegfall des Weihnachtsgeschäfts leiden. Ebenso habe auf dem Geflügel- und Eiermarkt ein Preisverfall eingesetzt. Die Märkte ständen durch den erneuten Corona-Lockdown in Deutschland und in anderen Ländern der EU weiter unter Druck. Der Ausfall im Eventmanagement, von Veranstaltungen, Weihnachtsmärkten, Weihnachtsfeiern und der Gastronomie sei marktbelastend. Bei Schweinefleisch kommt der fehlende Export vor allem nach Asien, hinzu wegen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest. „Denn Teile vom Schwein wie Pfoten oder Ohren, die bei uns nicht gegessen werden, sind in asiatischen Ländern beliebt", erläutert Meyer. Der Preisverfall müsse endlich aufhören. „Wir brauchen faire Preise und europaweit einheitliche Wettbewerbsbedingungen", fordert Meyer.

Nicht auskömmliche Preise, sondern höhere, kostenverursachende Anforderungen bei Tierhaltung und Ackerbau - von Politik und Gesellschaft: Welchen Platz hat die Landwirtschaft in Deutschland? „Wir bekennen uns zur Weiterentwicklung der Tierhaltung. Wir als Bauern wollen den Weg weitergehen", unterstreicht Tillman. „Wir stellen uns den neuen Herausforderungen, wir wollen aber die Entwicklungen aktiv mitgestalten." Außerdem müsse es gesellschaftlich begleitet werden bis hin zur klaren Kaufentscheidung an der Ladentheke. „Gerade die jungen Leute brauchen planbare, verlässliche Zukunftsperspektiven", erklärt Tillmann. Die deutschen Bauern stehen für „Made in Germany" und wollen es auch weiterhin.  

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