Erntedank:
Gedanken des Kreisverbandsvorsitzenden, Dieter Hagedorn um Erntedankfest

01. Oktober 2021

 

Natürlich sind wir dankbar im biblischen Sinne, dass wir ohne große Naturkatastrophen eine Ernte einfahren durften, die wir in geteilter Erinnerung behalten dürften. Mit Schrecken erfuhren wir nur 300 km entfernt wie unberechenbar die Umwelt - Klima und Natur - sein kann. Das einzig Gute daran war eine Welle der Hilfsbereitschaft, die an der Wurzel der Gemeinschaft von einer bleibenden Solidarität zeugt.

Landwirtschaftlich gesehen wird 2021 als eines mit Herausforderungen in Erinnerung bleiben. Landwirtschaft wird derzeit mit immer neuen Herausforderungen von Gesellschaft und Politik konfrontiert wie: die Ausweisung der roten Gebiete und neuer Wasserschutzgebiete, die noch nicht vollendete GAP, die direkt in unsere Bewirtschaftung eingreift, die Empfehlungen der „Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL)" der Bundesregierung oder aber auch die Farm to Fork auf europäischer Ebene bis hin zu der neuen quasi Enteignung in der Pflanzenschutzanwendungsverordnung basierend auf dem Insektengesetz.

Bei der Milch und in der Schweinehaltung liegen die Nerven blank. Hier braucht es in der Tat schon starke Überzeugung, die Tierhaltung nicht aufzugeben. Ich kann nur an den Verbraucher und den Handel appellieren: Seid Euch bewusst wie wertvoll die inländische Erzeugung von Lebensmitteln wie frische Milch, Käse oder aber auch ein guter Braten mit sicherer überprüfbarer Herkunft ist. Wird es nicht hier erzeugt, irgendwo wird es erzeugt. Die Frage ist nur wie und mit welchen Umweltfolgen.

An die Politik kann ich nur appellieren: Lasst uns zu einen für die Landwirtschaft machbaren Rahmen finden, der dann aber auch Bestand hat. An der Wirtschaftlichkeit wird sich zeigen, ob die Bekenntnisse zum landwirtschaftlichen Betrieb ernst gemeint waren, oder ob wir uns in Zukunft über fremdfinanzierte Agrar-Holdings unterhalten müssen.

Fakt ist, die Enttäuschung bei uns Landwirten sitzt so tief, dass wir uns von keiner gesellschaftlichen Gruppe und Partei vertreten fühlen.

Wie jeder Verbraucher spüren auch wir im Moment sehr hohe Preissteigerungen im Rohstoffbereich. Dies ist auch eine Folge, wenn Produktion und Energieerzeugung ins Ausland verlegt werden. Statt vieler kleinere Anbieter sind wir in der Abhängigkeit derer, die Basiselemte unsere Produktion herstellen, beispielsweise Chips für alle Technologiebereiche, Gas und Öl aber auch Dünger.

Ja, wir sind dankbar, aber die Bürde und die Vielzahl der Probleme nimmt das Lächeln, nimmt die Zuversicht.

 

Dieter Hagedorn

-Kreisverbandsvorsitzender-

 

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