Selbst im Sauerland: Drei Jahre lang zu wenig Regen

17. September 1970

Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes - Hof Gelzhäuser mit kreativer Holz-Idee

Hereinspaziert: Ulrich Brinckmann, Lisa und Timo Gelzhäuser, Reiner Grafe und Günter Buttighoffer (von links) besichtigen das tiny-house.

Selbst im Sauerland: Drei Jahre lang zu wenig Regen – Folgen der Trockenheit werden jetzt sichtbar – Wassersparend arbeiten ist die Devise
Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis

Kierspe/Märkischer Kreis. Mäßige Grasernte auf Grünland, eine ordentliche Getreideernte bei schlechten Preisen und ein Wegsterben des Waldes – im Corona-Jahr 2020 ist den Landwirten kurz vor dem Erntedankfest nicht zum Jubeln zumute. „Hohe Futterkosten bei einem stagnierenden Milchpreis machen den Milchbauern zu schaffen. Die Freude über eine durchschnittliche Getreideernte wird durch niedrige Preise gedämpft und der Verkauf von Fleisch an die Gastronomie ist durch Corona-Auflagen sehr zurückgegangen. Und die schlimmste Umweltkatastrophe spielt sich direkt vor unseren Augen ab: Der Wald im Sauerland stirbt." Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis, kann auf dem Betrieb der Familie Gelzhäuser im Kiersper Ortsteil Belkenscheid zur traditionellen Erntedank-Pressekonferenz des Kreisverbandes zur Ernte in der Region nur eine mäßige Bilanz ziehen. Sein Stellvertreter Ulrich Brinckmann aus Iserlohn ergänzt dazu: „Wassersparendes Arbeiten mussten wir hier im Sauerland erst mal üben. Ist aber jetzt bei der Einsaat des neuen Getreides oberstes Gebot – nicht zu viel verdunsten lassen!"
Zufrieden zeigen sich die beiden Vorsitzenden jedoch mit der Krisenfestigkeit der Bauernhöfe: „Corona hat zu großer Veränderung im täglichen Umgang geführt, trotz aller Herausforderungen hat die Landwirtschaft die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln aufrechterhalten können. Auch wenn fehlende Erntehelfer und Schlachthofschließungen die Arbeit nicht gerade einfacher gemacht haben."
Grasernte mit mindestens 20% weniger Ertrag
Buttighoffer beschreibt bei der Grasernte ein wachsendes Problem: „Im dritten Jahr in Folge führte die Trockenheit zu Problemen bei der Grundfutterversorgung der Rinder. Daher muss Futter zugekauft werden, und das oft von weit her, weil es in der Nähe keine Überschüsse gibt. Daher können die Betriebe keine Reserven mehr für das nächste Jahr anlegen."
Buttighoffer erinnert sich: „Die im Frühjahr gefallenen Niederschläge reichten bei weitem nicht aus, den Boden zu befeuchten. Bis Mitte Mai war der erste Schnitt – die wichtigste Ernte für die Milchkuhbetriebe – eingefahren, der zweite und dritte Schnitt folgten in vier- bis fünfwöchigem Abstand. Alle drei Schnitte hatten mindestens 20 % weniger Ertrag, waren aber von sehr guter Qualität! Den üblichen vierten und fünften Schnitt hat es wegen der Trockenheit so gut wie nicht gegeben." Heu hingegen war in der Qualität sehr gut zu werben, war wie alle Grassorten aber auch in der Menge etwas weniger.
Mais sieht gut aus
Zum Mais, der ebenfalls als Grundfutter für die Rinderherden dient, kann der Vorsitzende bisher sagen: „Der Mais steht bis auf wenige Ausnahmen sehr gut. Die anstehende Maisernte mit guten Erträgen wird die Futtersituation etwas entspannen." Das bestätigt auch Brinckmann: „Die Maiskampagne beginnt gerade erst, aber die Bestände, die wir hier im Nordkreis haben, sehen gut aus."
Dass diese Aussagen nicht für jeden Fleck im Märkischen Kreis zutreffen, weiß Günter Buttighoffer auch: „Die Gewitterschauer haben im Kreisgebiet zu unterschiedlichem Wachstum geführt. Daher sind auch die Ernten teils punktuell unterschiedlich."
Getreide von guter Qualität und Menge
Für Ulrich Brinckmann war die Getreideernte in diesem Jahr entspannt, „wir sind mit den Erträgen quantitativ und qualitativ zufrieden." Zwar habe man im Frühjahr ein bisschen Angst um alle Pflanzen haben müssen, aber die Niederschläge, die dann speziell im Juni kamen, hätten „doch einiges rausgerissen." Brinckmann: „Das Getreide liegt von der Erntespanne zwischen 70 und 90 Doppelzentner pro Hektar bei fast allen Pflanzen.
Kartoffel und Gemüse
Gut klar geklommen mit der Witterung seien Kartoffeln und Gemüse, diese seien in Qualität und Masse gut. Die Niederschläge zwischendurch seien passend gewesen. Brinckman: „Es waren immer mal wieder Niederschlagsereignisse zwischen 10 und 20 mm in der Summe."
Bodenqualität entscheidend
Dabei zeige es sich, dass die Bodengüte sehr über die Erträge entscheidet, das heißt, guter Boden guter Ertrag, schlechter Boden mit Sand oder Steinen drunter mit wenig Wasserhaltevermögen brachte schlechte Erträge hervor.
Die Getreidebauern sind derzeit mit dem Wetter zufrieden: Jetzt wird das Getreide für nächstes Jahr gesät, Besonderheit sei allerdings, dass man wassersparend arbeiten müsse, so Brinckmann. „Achtgeben, dass nicht zu viel verdunstet, weil von oben kommt ja nun mal nichts."
Erntedankfest
Zum Erntedankfest sagen die Landwirte in diesem Jahr ein ganz besonderes Danke: „Milchviehbetriebe sind in 2020 „nur" finanziell betroffen, Direktvermarkter haben allerdings deutlich davon profitiert, dass die Menschen wieder bewusster regional eingekauft haben. Corona zeigt uns, dass nicht alles selbstverständlich ist, daher sagen wir in diesem Jahr ganz besonders zu Erntedank „Danke" dafür, dass wir ausreichend Lebensmittel in hervorragender Qualität erzeugen konnten."
Mit kreativen Ideen das Käferholz selbst nutzen
Timo und Lisa Gelzhäuser sehen ihre Geschäftsgrundlage, den Forst, täglich weiter absterben. Damit stirbt aber auch ein wertvoller CO2-Speicher und ein wichtiger Raum für die Naherholung. Gelzhäuser: „Die Gesamtgesellschaft muss endlich den Zustand des Waldes wahrnehmen!" Zudem würde es im Wald so langsam gefährlich: „Viele Flächen werden nicht geräumt, Bäume sind trocken und drohen umzufallen." Der Wald brauche einen starken Impuls, meinen die Forstleute, Gelzhäuser: „Der Katastrophe muss ins Auge geblickt werden, wir müssen den Wald für die gesamte Bevölkerung retten. Allein schon von öffentlicher Hand Holzhäuser zu bauen wäre ein Bekenntnis."
Das Holz ist nicht unbrauchbar, im Gegenteil, man wird es nur nicht mehr los – wenigstens nicht zu einem Preis, der nach den Aufarbeitungskosten noch einen Erlös bringt. Also haben die Geschwister Gelzhäuser sich ein kleines Sägewerk und Hobelmaschine angeschafft. Dort sägen sie passende Bretter und bauen eben Häuser. Der Bretterverkauf ist inzwischen gut angelaufen, tiny-houses werden nach Bedarf produziert.

Namen der Teilnehmer:

• Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis
• Timo und Lisa Gelzhäuser
• Ulrich Brinckmann, Schweinemäster aus Iserlohn, stellv. Kreisverbandsvorsitzender
• Dr. Christina Große-Frericks, Vorsitzende des Öffentlichkeitsausschusses
• Reiner Grafe, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Kierspe
• Nikola Galla, Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis

 

Zahlen zur Landwirtschaft im Märkischen Kreis ( Dateigröße: 28 KB)

Presse-Kontakt

Ein richtiges kleines Sägewerk inclusive Hobelmaschine ist in Belkenscheid entstanden.

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