300 Bauern aus OWL in Berlin „Kummerbriefkasten“ reist über Bielefeld und Minden-Lübbecke nach Berlin Sorgenbriefe der Landwirte an Bundeskanzlerin und Ministerinnen

26. November 2019

Sorgen-Briefkasten-Berlin: Minden-Lübbecker Landwirte und Landwirtinnen transportierten den „Sorgbriefkasten“ nach Berlin: Carolin Schöphörster, Norbert Stamm, Mechthild Stamm, Johannes Henkelmann, Mirko Schmale, Dominik Schmedt

Mirko Schmale aus Rahden-Varl und Dominik Schmedt aus Stemwede-Dielingen reisten mit großem Gepäck zur Kundgebung der Bauern nach Berlin (26.11.2019). Sie hatten mit 70 weiteren Landwirten und Landwirtinnen aus dem Kreis Minden-Lübbecke den „Sorgenbriefkasten“ dabei, den sie bei der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor übergaben. Der große „Kummerkasten“ der Landwirtschaft war voll mit Briefen, mit Anliegen der Bauernfamilien, gerichtet an die Bundekanzlerin Angela Merkel, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze.

Die Briefe waren auf der Staffelfahrt von Bonn nach Bielefeld am Montag in der großen Briefkiste gesammelt und in Bielefeld übergeben worden. Der Kasten, am Trecker von Mirko Schmale angehängt, rollte dann von Bielefeld nach Rahden. Von dort wurde er am Dienstag in der Frühe mit dem Bus der Minden-Lübbecker Mitstreiter nach Berlin transportiert.

Der randvolle „Sorgen-Briefkasten“ enthält Ängste, Empfehlungen, Forderungen, Bitten an die Bundesregierung. Alle waren aufgefordert, die an der Staffelfahrt teilnahmen oder auch gerade nicht dabei sein konnten, Briefe mit ihren Anliegen, Sorgen zu formulieren. „Wir hörten, dass viele Briefe von auch von Ehepartnern, Eltern, Kindern oder Enkeln geschrieben wurden“, so Hubertus Beringmeier, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe, bei der Übergabe in Bielefeld und Berlin.

Ein ganzer Berufsstand ist mobilisiert

Tausende Bäuerinnen und Bauern aus ganz Deutschland machten sich am Montag und Dienstag auf den Weg nach Berlin. „Einige Landwirte seien aus OWL mit dem Schlepper oder mit dem LKW, beladen mit Traktoren, gefahren, um am Dienstag um 12 Uhr bei der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin zu sein“, schildert Beringmeier. Ein Großteil der etwa 300 Bäuerinnen und Bauern aus Ostwestfalen-Lippe seien mit dem Zug, Sonderzug, Bus oder Auto in die Hauptstadt gereist. Begleitend gab es diverse Aktionen so beispielsweise Mahnfeuer im Kreis Paderborn. Aufgerufen hat die Bewegung „Land schafft Verbindung“, Landwirte und Landwirtinnen, die sich vorwiegend über die sozialen Netzwerke zusammengeschlossen haben. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und der Landwirtschaftliche Bezirksverband unterstützen diese Aktion.

„Wir fordern mehr Sachverstand“, unterstreicht Schmedt. „Wir suchen den Dialog.“ Sie demonstrieren dafür, dass sie in Veränderungsprozesse mit einbezogen werden. Sie wollen diese mitgestalten. Über die Köpfe derer, die Änderungen nachher umsetzen müssen, zu entscheiden, sei zu kurz gedacht. „Das gilt für das Insektenprogramm ebenso wie für die Düngeverordnung oder auch das umstrittene Mercosur-Abkommen“, bekräftigt Beringmeier. Im Zusammenhang mit der geplanten Düngeverordnung erklärt der Landwirt aus Hövelhof, der Gewässerschutz stehe an höchster Stelle: „Wo es lokal Probleme gibt, muss natürlich nachgebessert werden.“ Dies werde auch von der Landwirtschaft mitgetragen und unterstützt.

„Es gibt viele Baustellen. Wir müssen sie gemeinsam angehen“, unterstreicht Dominik Schmedt. „Dann erreichen wir doch viel mehr“, ist auch Hubertus Beringmeier überzeugt, „wenn unsere Erfahrungen aus der täglichen Arbeit mit einfließen und berücksichtigt werden.“ Kooperation statt Ordnungsrecht, Miteinander statt überzogener Bürokratie- und Auflagenflut, so dass wir alle Beteiligten mitnehmen – das ist das Anliegen der Landwirte. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten“, so Beringmeier, „doch wir allein können nicht alle Probleme der Zukunft lösen.“

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