Grüner Berufszweig übergibt
Erntekrone an Landrätin
- Gemischte Bilanz der heimischen Bauern -

01. Oktober 2021

Bildautor WLV

Stefan Schmidt (links), Iris Niermeyer (2. links), Eva Rahe (3. links), Rainer Meyer (2. rechts) und Volker Schmale (rechts) überreichten Landrätin Anna Katharina Bölling (4. links) eine prächtig geschmückte Erntekrone

Minden-Lübbecke/wlv (Re): Über eine prächtige Erntekrone kann sich Landrätin Anna Katharina Bölling freuen. Diese bekam sie am Freitag (30.9.2021) von Vertretern des grünen Berufszweiges im Kreishaus überreicht.

Erntekrone von Ortslandfrauen Hille-Hartum gebunden

Dieses schön geschmückte Erntedanksymbol wurden vom Ortslandfrauenverband Hille-Hartum gebunden. Die Landrätin bedankt sich für das hervorragende Kunstwerk. Sie sage heute gleich drei Mal Danke: Für das prächtige Schmuckstück, das jetzt im Kreishaus hänge. „Für die tolle Arbeit der Landfrauen und Landwirte, die - einmal mehr - zeigt, was für Powermenschen wir hier im Mühlenkreis haben", so die Landrätin, „und natürlich für die Ernte. Denn der Erntedank erinnert uns daran, dass Lebensmittel eben nicht selbstverständlich am Marktstand oder im Regal liegen.

Iris Niermeyer, Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Minden-Lübbecke, macht in ihrer Ansprach deutlich, dass das Erntedankfest immer noch ein wichtiges Fest im Jahreslauf sei. „Wir leben in einem Land, wo es keinen Hunger mehr gibt", so Niermeyer. Volle Supermarktregale seien uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Über frische Erdbeeren zu Weihnachten, exotische Früchte, Superfood aus Südamerika, Rindfleisch aus Argentinien und Kiwis aus Neuseeland wundere sich niemand. „Dabei sollten wir angesichts des Klimawandels doch erst einmal die langen Transportwege vermeiden", gibt die Landfrauenvorsitzende zu Bedenken. „Von den Bedingungen der Erzeugung in diesen Ländern ganz abgesehen." Sie fragt: „Müssen wir den armen Menschen in Peru ihr karges Essen wegessen? Nur weil Chia hier als Superfood deklariert wird?" Haferflocken würden es doch auch tun! Sie unterstreicht: „Wir brauchen eine vielseitige Ernährung und wir brauchen regionale Produkte." Eine regionale Versorgung funktioniere aber nur mit einer starken Landwirtschaft. Doch das Leben und Arbeiten der hiesigen Bauernfamilien werde ihnen immer schwerer gemacht. Derzeit gebe es einen ganz großen Bruch und viele Höfe würden ihre Tore schließen.

Symbol einer vielfältigen Landwirtschaft

Kreisverbandsvorsitzender Rainer Meyer erklärt in der Feierstunde, dass die Krone aus Getreideähren Symbol einer vielfältigen Landwirtschaft im Kreis sei. Sie stehe für die gesellschaftliche Wichtigkeit des grünen Berufszweiges, für die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen und regionalen Lebensmitteln und ebenso für deren Wandel und den Wandel unserer Gesellschaft. Meyer schildert ebenfalls die prekäre Lage der hiesigen Bauernfamilien. Klimawandel, Globalisierung, immer höhere Auflagen, Verordnungen und vor allem ökonomische Zwänge: Die Landwirtschaft sei mit vielen Anforderungen konfrontiert. Doch gerade die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die Versorgungsicherheit für ein Land sei, betont Meyer und untermauert: Wenn man die regionale Erzeugung wirklich wolle, dann müsse der bäuerliche Familienbetrieb auch Perspektiven haben. „Bei nicht auskömmlichen Preisen wissen die Landwirtsfamilien nicht, wie sie ihre Höfe für die Zukunft aufstellen sollen", merkt Meyer an. „Viele wollen mehr für das Wohl ihrer Tiere tun." Um die Ställe zu verändern, bräuchten sie jedoch einen klaren Weg für die Zukunft und das so schnell wie möglich.

Erntebilanz

In seiner Erntebilanz resümiert Kreislandwirt Volker Schmale: „Wir haben in diesem Jahr eine durchschnittliche Ernte eingefahren." Nach drei Jahren mit Trockenheit und Hitze folgte 2021 ein feuchter und kühler Frühling sowie Sommer. Aufgrund der unbeständigen Witterung gestaltete sich die Ernte als Hängepartie. Regelmäßige Regenfälle und niedrigere Temperaturen führten dazu, dass die Landwirte immer nur in kurzen Zeitfenstern ernten konnten. Ertraglich erfüllte die Getreideernte nicht die Erwartungen, die das Frühjahr versprach", berichtet Schmale. Die gute Wasserversorgung im Mai und Juni und der optische Eindruck der Bestände hätten eigentlich auf ein gutes Ergebnis hoffen lassen. „Außerdem litten die Qualitäten aufgrund der unbeständigen Witterung zur Haupterntezeit.

„Gott sei Dank" von Starkregen und Unwettern verschont

„Von den verheerenden Unwettern blieben wir zum Glück verschont", unterstreicht der Kreislandwirt. Es zeige uns aber, „dass wir doch nicht alles in der Hand haben. Die schlimmen Bilder von der Flutkatastrophe zwischen Kölner Bucht und Eifel kommen uns noch immer vor Augen und zeigen wie sehr wir auf Gottes Gnade angewiesen sind. Das sollten wir alle nicht vergessen."

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