Schwere Krise auf dem Milchmarkt erfordert schnelle Hilfe

23. Mai 2016

Röring: „Strukturbrüche nur von Politik und Wirtschaft gemeinsam zu verhindern!“

Münster <wlv> Vor dem Hintergrund der schweren Krise auf dem Milchmarkt fordert der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) staatliche Hilfen zur Überbrückung akuter Zahlungsschwierigkeiten vieler Milchbauern und eine grundlegende Neubetrachtung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Milchbauern, Molkereien und dem hochkonzentrierten deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Ohne ein schnelles und entschlossenes Handeln drohe dem Sektor ein Debakel, so der Verband im Rahmen eines Pressegesprächs, das heute auf dem Milchviehbetrieb Schulze Dieckhoff in Münster stattfand.

„Ausmaß und Dauer der aktuellen Krise auf dem Milchmarkt sind für unsere heimischen Milchbauern ruinös. Wenn wir einen massiven Rückgang der Milchviehhaltung - und damit auch das Verschwinden der Kühe aus vielen Landschaften – verhindern wollen, muss umgehend gehandelt werden. Wir brauchen schnelle und unbürokratische Liquiditätshilfen von staatlicher Seite als Soforthilfe und parallel eine Neuordnung der Rahmenbedingungen und Wirtschaftsbeziehungen innerhalb der Wertschöpfungskette bei Milch“, sagte WLV-Präsident Johannes Röring heute in Münster.

Angesichts eines weltweit herrschenden Überangebots an Milch und historischer Tiefstpreise für die Milchbauern sieht der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband Lösungsansätze zur Überwindung der Krise in 4 Punkten:

1)    Soforthilfen der Bundesregierung zur Verhinderung eines Strukturbruchs
(Bürgschaftsprogramm für landwirtschaftliche Betriebe, für 2017 und 2018 die Anhebung der Bundeszuschüsse zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung, Einführung eines steuer-lichen Freibetrag zur betrieblichen Schuldentilgung, Entlastung bei der Besteuerung des
sogenannten „Agrardiesels“).

2)    Offene Diskussionen über die Neuregelung von Lieferbeziehungen zwischen Milchbauern und Molkereien (Kündigungsfristen, Andienungs- und Abnahmeverpflichtungen, Kapitalbindung, Preisabsicherungsmöglichkeiten, eine verbindlichere Mengenplanung für das Molkereiunternehmen, freiwillige Mengenreduzierungen). Hierzu WLV-Präsident Röring: „Die Ausgestaltung von Lieferbeziehungen, Verträgen, Mengenplanungen oder Preismodellen muss neu überdacht werden, zugleich aber Sache der Marktakteure bleiben. Vorgaben der Politik lehnen wir strikt ab!“

3)    Korrektur der Marktdominanz des LEH im Kartellrecht
Die Verhandlungsmacht der Molkereien und Milchbauern gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) muss deutlich gestärkt werden (Einrichtung eines Verkaufskontors oder zumindest die Erlaubnis zur Abstimmung gemeinsamer Verkaufsstrategien für Molkereien, Konzentration des LEH in Deutschland muss begrenzt werden).

4)    Ende der Billigpreisstrategie im LEH!
Die Billigpreisstrategie des dt. LEH steht im Widerspruch zu dessen vollmundigen Bekenntnissen zu mehr Nachhaltigkeit und Regionalität. Der Handel muss sich künftig auch in seiner Einkaufspolitik „nachhaltig“ zeigen: Verkaufspreise von 46 Cent je Liter Vollmilch im Supermarkt sind nicht nachhaltig, sie zerstören die Existenz vieler Bauernhöfe. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband fordert den LEH dazu auf, eine „Verantwortungspartnerschaft mit der Landwirtschaft“ einzugehen. Zentrales Ziel einer solchen Partnerschaft müsse sein, auskömmliche Erzeugerpreise für heimische Milchbauern zu ermöglichen.

Presse-Kontakt

Bilder vom Pressegespräch