Spargelernte in Münster unter erschwerten Bedingungen angelaufen: Aufgrund der Corona-Krise fehlen viele Mitarbeiter

08. April 2020

Appell für Einkauf bei heimischen Spargelbauern / Regionalität und Qualität im Mittelpunkt

Münster <WLV> Seit einigen Tagen sprießen nun die ersten Stangen aus den Spargeldämmen. Die Bedingungen für das Wachstum des Kaisergemüses waren in den vergangenen Wochen gut: Nachdem die Spargelbauern aufgrund des vielen Niederschlags zwar spät mit den Vorbereitungen (Anhäufen der Spargeldämme, Auslegen der Folien) begonnen haben, begünstigten die milden Temperaturen und der Regen zuletzt das Wachstum der Pflanzen. Alles andere als günstig waren jedoch die Bedingungen für die Anreise der Saisonarbeitskräfte: Erst in der vergangenen Woche hatten das Bundesinnen- und das Bundeslandwirtschaftsministerium sich auf die Einreise von jeweils 40.000 osteuropäischen Saisonarbeitskräften in den Monaten April und Mai verständigt. Vielen langjährigen Mitarbeitern aus Osteuropa, die normalerweise während der Saison auf den Münsteraner Familienbetrieben tatkräftig anpacken, war eine Anreise durch das Corona-Virus und die damit verbundenen Grenzschließungen zuletzt nicht möglich. Etwa 85 Prozent der Arbeitskräfte fehlen in der Folge noch. „Das Fehlen der Stammbelegschaft stellt die Betriebe vor existenzielle Herausforderungen“, weiß Marion von Chamier, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes (WLAV).

Nach aufreibenden Wochen freuen sich die Münsteraner Spargelbauern Stephan Bäcker, Wilhelm Spielbrink und Burkhard Lütke Laxen nun umso mehr über den ersten Spargel von ihren Feldern. „Langeweile kennen wir Spargelbauern zu Beginn der Ernte ohnehin nicht. In den vergangenen Tagen und Wochen standen unsere Telefone aber nicht mehr still, die Ausbreitung des Corona-Virus hat uns vor enorme Herausforderungen gestellt. Dutzende Arbeitskräfte fehlten zum Saisonstart“, erzählt Stephan Bäcker vom gleichnamigen Spargelhof in Münster-Gelmer. Auf allen drei Spargelbetrieben tragen regulär in der Erntezeit von Spargel und Erdbeeren fast 500 Mitarbeiter maßgeblich zur Ernte bei. „Weil rund 85 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Rumänien und Polen bisher nicht anreisen konnten, waren wir von heute auf morgen in größter Not. Mit viel Aufwand und Flexibilität haben wir deshalb kurzerhand versucht, uns auf die neuen Gegebenheiten einzustellen, indem wir die fehlenden Mitarbeiter durch Arbeitskräfte aus anderen Branchen und Arbeitslose ersetzt haben“, berichtet Stephan Bäcker.

Die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten nach den Bewerbungsgesprächen nun schnell für die körperlich schwere Arbeit angelernt werden. Viel Organisationstalent war zudem nötig, um die Ernte mit den zur Verfügung stehenden Arbeitsstunden zu koordinieren. Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu vermeiden, haben sich auch die Arbeitsbedingungen auf Feld und Hof gewandelt. Der nötige Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Mitarbeitern muss strikt eingehalten werden und macht mehrere Arbeitsschritte nötig.  Die Spargelbauern hoffen, dass sie in den nächsten Tagen weitere Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa einfliegen lassen können.

„Die Ernte lässt sich nicht vertagen, wir sind deshalb um jede helfende Hand dankbar, die uns in diesen Tagen unterstützt. Die Solidarität in der Gesellschaft war klasse, wir haben viel Zuspruch und Unterstützung erfahren. Viele Menschen haben sich auf unseren Höfen gemeldet, die bei der Ernte, dem Waschen, Wiegen und Verpacken des Spargels helfen wollten. Jetzt sind wir mehr denn je darauf angewiesen, dass die Münsteraner auf den von unseren Feldern geernteten Spargel zurückgreifen“, sagen die Spargelbauern Wilhelm Spielbrink aus Handorf und Burkhard Lütke Laxen aus Gelmer.

„Für unsere Spargelbauern sind die kommenden Wochen ganz entscheidend, in denen es gelingen muss, möglichst viel Spargel zu ernten und diesen trotz des Kontaktverbots an die Kunden zu verkaufen. Ohnehin schätzen die Münsteraner den heimischen Spargel, der von ausgezeichneter Qualität und Frische zeugt. Jetzt kann jeder einzelne dazu beitragen, unsere Spargelbauern in dieser schweren Krise zu unterstützen, indem er vor Ort in den Hofläden einkauft. Das Motto ‚Support your local partners‘ gilt hier mehr denn je. Die Höfe haben große Existenzsorgen, mit dem Einkauf vor Ort können sie erheblich unterstützt werden“, weiß Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster.  

Bei den Münsteranern ist der erste Spargel besonders beliebt: „Auf unseren Spargelhöfen können die Kunden jetzt superfrischen Spargel kaufen, der morgens auf den Feldern gestochen wird. Rund um den Genuss des Kaisergemüses halten wir viele Rezepte, Tipps und weitere Zutaten für unsere Kunden bereit“, sagen die Münsteraner Spargelbauern. Neben der Sonne haben auch die Anbauer zum Saisonstart beigetragen, denn immer mehr Spargel wird in Minitunneln angebaut, in denen sich die Dämme noch schneller erwärmen als unter Folie, die auf dem Damm aufliegt. Die Sonnenenergie wird genutzt, um die Erde im Spargeldamm zu erwärmen, damit der Spargel früher austreiben kann.

Spargel ist die Nummer eins des deutschen Gemüsesortiments. In und um Münster bauen etwa zehn Betriebe auf einer Fläche von 250 Hektar das leckere Gemüse an. Von diesen Spargelfeldern werden jährlich 1.125 Tonnen Spargel, also 4.500 Kilogramm pro Hektar, geerntet. Bei der Vermarktung des Spargels kommt den Marktständen und Hofläden eine besondere Bedeutung zu, denn rund 70 Prozent werden auf diesem Wege an die Verbraucher verkauft. „Die Münsteraner Landwirtschaft ist vielfältig. Der Anbau des Spargels ist für Münster von großer Bedeutung und garantiert einen starken regionalen Bezug, den man schmeckt“, sagt Susanne Schulze Bockeloh.

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