Blühflächen mit doppeltem Effekt: Artenschutz und Produktion erneuerbarer Energie

23. Juli 2020

Landwirt Henrik Lütke Brintrup nutzt „Bunte Biomasse“ für mehr Biodiversität

Münster <WLV> Bereits das dritte Jahr in Folge wächst auf dem Acker von Henrik Lütke Brintrup in Münster-Roxel eine bunte Mischung aus 20 Wild- und Kulturpflanzen. Neben dem Echten Eibisch, der Flockenblume und der Wilden Möhre wachsen zum Beispiel auch Fenchel, Beifuß, Malve, Steinklee, Lichtnelke und Rainfarn auf dem Feld. Die mehrjährige Mischung aus überwiegend heimischen Arten bietet im Sommer und Winter einer Vielzahl von Insekten Nahrung, Schutz für Wildtiere und sichert auf diese Weise den Artenreichtum. Gleichzeitig wird die Blühmischung im weiteren Jahresverlauf geerntet und alternativ zum Mais für die Energieerzeugung aus Biomasse genutzt.

„Diese Blühmischung ist ökologisch besonders wertvoll. Nach dem Abreifen wird sie einmal jährlich geerntet und anschließend in unserer Biogas-Anlage vergoren. So entsteht erneuerbare Energie, die ressourcenschonend auf unserem Hof zum Heizen der Ställe eingesetzt wird. Die Wertschöpfung bleibt somit vor Ort und schont Natur und Umwelt“, freut sich Henrik Lütke Brintrup, der die Mischung vor drei Jahren nach der Gerstenernte auf umgerechnet 10.000 Quadratmetern ausgesät hat. Als Dauerkultur kann sie mindestens fünf Jahre beerntet werden. Der Anbau der mehrjährigen Mischungen wird gemeinsam von der Stadt Münster und dem Projekt Bunte Biomasse, einem Gemeinschaftsvorhaben der Veolia Stiftung, dem Deutschen Jagdverband und der Deutschen Wildtier Stiftung, mit 250 Euro pro Jahr und Hektar über drei Jahre gefördert. Damit wird der Minderertrag gegenüber herkömmlichen Biomassekulturen wie Mais ausgeglichen.

Nach der Ernte der Blühmischung treiben die Pflanzen neu aus. „Diese Blühmischung macht den Anbau von Energiepflanzen integrierbar, sie ist aus Biodiversitätsgründen wertvoll und aus landwirtschaftlicher Sicht zweckmäßig“, weiß Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. „Produktionsintegrierte Naturschutzmaßnahmen wie diese erhöhen nicht nur das Lebensraumpotenzial insbesondere von blütenbesuchenden Insekten, sondern sind auch eine willkommene optische Abwechslung und können sinnvoll zur Energiegewinnung genutzt werden“ so Dirk Dreier vom Städtischen Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Christian Kemnade, der das Projekt „Bunte Biomasse“ bei der Deutschen Wildtier Stiftung koordiniert, ergänzt: „Der Anbau der mehrjährigen Wildpflanzenmischungen hilft nicht nur Insekten und Wildtieren, sondern schützt auch unsere Böden und Gewässer.“ Werner Kuhn hat die Idee der Energiegewinnung aus Wildpflanzen mit entwickelt und berät die an dem Projekt „Bunte Biomasse“ teilnehmenden Landwirte beim Anbau. „Mithilfe dieses Projektes verknüpfen wir die Energieerzeugung aus Biomasse eng mit dem Arten- und Naturschutz. Die mehrjährige Mischung ist eine ökologisch notwendige und ökonomisch tragfähige Ergänzung zu konventionellen Energiepflanzen“, weiß Werner Kuhn. Für das Projekt (www.BunteBiomasse.de) werden nun weitere Landwirte und Biogasanlagenbetreiber gesucht, die das innovative Anbausystem in Münster nutzen möchten.

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