Drei Bauernhöfe, drei Produktionsrichtungen, und überall Tierwohl: Rundreise mit Politik

22. Juli 2020

„Familienbetriebe brauchen längerfristige Planungssicherheit“

Abschlussrunde auf dem Betrieb von Michael Stinn

Kreis Olpe. Drei Bauernhöfe, drei unterschiedliche Produktionsrichtungen und Tierwohl überall im Vordergrund: Das zeigte der Landwirtschaftliche Kreisverband Olpe am Mittwoch dem Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Heider (CDU) in einer kleinen Rundreise. Dabei wurde eins klar: Vor allem die flächengebundene Tierhaltung im südlichen Westfalen entspricht am meisten dem gesamtgesellschaftlich gewünschten Bild von Landwirtschaft, darüber hinaus machen die meist mehreren Standbeine die Bauernhöfe krisenfester. Doch was sich derzeit in der rasend schnell wechselnden Gesetzgebung abspielt, stellt die Familienbetriebe im Sauerland vor schier unlösbar scheinende Probleme.

 

Sauenhaltung in Sange

Vor zwei Jahren hat Familie Kampmann sehr viel Geld in eine modernere und tiergerechtere Sauenhaltung mit deutlich mehr Tierkomfort und Platz investiert. Mit dieser Investition ist Familie Kampmann eine der wenigen Vorreiter deutschlandweit. Umso ärgerlicher ist es, dass sich die politischen und staatlich geförderten Ziele innerhalb von zwei Jahren wieder verändert haben. Die Sauenhaltung in Deutschland steht vor einem gewaltigen Umbruch. Gerade viele kleinere Familienbetriebe die eigentlich gesellschaftlich gewollt sind, können diesen Schritt nicht weiter mitgehen.  Durch die neue Tierschutznutztierhaltungsverordnung wird ein weiterer Großteil der Sauenhaltung ins Ausland verlagert, wo wir jeglichen Einfluss auf das Tierwohl und die Qualität unserer Lebensmittel verlieren.  Jetzt gilt es vereinfachte Rahmenbedingungen im Bau- und Immissionsschutzrecht zu schaffen, damit die verbleibenden Betriebe die Möglichkeit bekommen, die neue Tierschutznutztierhaltungsverordnung umzusetzen. 

 

Melkroboter in Hespecke

Auf dem zweiten Bauernhof, dem Milchkuhbetrieb von Holger Lorenz in Lennestadt-Hespecke, ging es um Kuhkomfort und moderne Technik im Stall: Im Boxenlaufstall können sich die Milchkühe frei bewegen, sich an einer Kuhbürste den Rücken kraulen lassen und zudem den „Melkroboter“ betreten, wann sie wollen. Dort wird jeder Kuh persönlich ihre Menge an Kraftfutter zugeteilt und der Roboter erkennt, um welche Kuh es sich handelt und erfasst deren aktuelle Milchqualität und –menge sowie den Gesundheitszustand des Tieres. Doch nach wie vor sind die Auszahlungspreise für Milch niedrig, durch den fehlenden Export-Absatz durch die Corona-Krise ist der Milchpreis noch einmal gesunken. Um auf die Futterknappheit durch die Trockenjahre flexibler reagieren zu können, ist es nach Ansicht der Grünlandbetriebe durchaus sinnvoll zu erlauben, an geeigneten Stellen ehemalige Waldflächen ohne Ausgleich in Acker umzuwandeln (was bisher nicht gestattet ist) – so könnten zum Beispiel Kleegras, Mais oder Grünroggen als hochwertiges Grundfutter oder Kartoffeln für die Direktvermarktung angebaut werden.

 

Mutterkuhhaltung im Repetal

Die Mutterkuhhalter im Kreis Olpe, allen voran Michael Stinn, Matthias Stuff und Tobias Belke, machten Dr. Heider vor allem eines klar: Die ökologische und landschaftspflegerische Leistung der Mutterkuhhalter im Bergland wird nicht honoriert, die finanzielle Situation auf den Höfen ist eng: Futtermangel durch Trockenheit, schlechte Absatzmöglichkeiten für Absetzer und Rindfleisch und gestiegene Kosten für Auflagen aus der Düngeverordnung haben diese Tierhaltung unrentabel gemacht. Darum schlagen die Mutterkuhhalter Alarm: Vielen Betrieben drohe in Kürze das wirtschaftliche Aus, wenn nicht eingegriffen würde. Dort müsse eine angemessene Förderung für die Bewirtschaftung und Beweidung extensiven Grünlands eingerichtet werden.

 

„Langfristige Planungssicherheit gewährleisten“

„Die Landwirtschaft im Kreis Olpe begrüßte sehr, dass sich mit Dr. Heider ein Bundespolitiker von der Situation vor Ort persönlich ein Bild gemacht hat. Wir hoffen, dass dieser Besuch dazu beiträgt, dass Gesetzesänderungen in Berlin uns langfristig mehr Planungssicherheit geben und das Fachwissen der Praktiker stärker mit einbezogen wird,“ fasste Bernd Eichert den Besuch im Repetal zusammen. Er mahnt: „Die gesellschaftlich gewünschte Veränderung der Landwirtschaft in Deutschland darf nicht allein zu Lasten der Bauernfamilien gehen!“

 

Teilnehmer:

Dr. Matthias Heider (CDU), MdB

Bernd Eichert, Landwirt, Stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe

Georg Jung, Geschäftsführer

 

Felix Kampmann, Sauenhalter in Finnentrop-Sange

Birgit und Holger Lorenz, Milchbauern in Lennestadt-Hespecke

Michael Stinn, Mutterkuhhalter in Attendorn-Repetal

Matthias Stuff, Mutterkuhhalter in Olpe

Tobias Belke, Mutterkuhhalter in Attendorn

 

Betriebsinformationen:

 

Betrieb Kampmann, Sange:

 75 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche mit Weizen, Gerste, Raps und Mais

40 Hektar Wald

Zuchtsauen (Ferkelaufzucht ausgelagert)

Vater und Sohn als Familienarbeitskräfte, eine Mitarbeiterin

 

Betrieb Lorenz, Hespecke:

 Milchkuhbetrieb mit 65 Kühen rot- und schwarzbunt. Melksystem: Melkroboter. 70 Rinder Nachzucht. Fläche: Insgesamt  68 Hektar, davon 10 Hektar Ackerland (Mais).

 

Betrieb Stinn im Repetal:

 73 Hektar land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche, 75 Mutterkühe, 160 Rinder insgesamt, Rassen Charolais und Limousin

 Des Weitern: Lohnunternehmen für Forstarbeiten, Winterdienst und erneuerbare Energien.

 

 

 

Positionspapier Mutterkuhhalter ( Dateigröße: 27 KB)

Presse-Kontakt

Bernd Eichert, Holger Lorenz, Matthias Heider, Birgit Lorenz und Jochen Ritter (v. links) auf dem Milchbauernhof in Hespecke

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