"Wasser ist der begrenzende Faktor"

07. Oktober 2020

Erntedankgespräch des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe

Bernd Eichert, zweiter Kreisverbandsvorsitzender; Tobias Kaufmann und Mutter Andrea; Hildegard Hansmann-Machula, Vorsitzende des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit; Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe; Georg Jung, Geschäftsführer (v. links).

Wenden/Kreis Olpe. Mäßige Grasernte auf Grünland, eine ordentliche Getreideernte bei schlechten Preisen und ein Wegsterben des Waldes – im Corona-Jahr 2020 ist den Landwirten kurz nach dem Erntedankfest - wie vielen anderen Branchen auch - nicht zum Jubeln zumute. „Hohe Futterkosten bei einem stagnierenden Milchpreis machen den Milchbauern zu schaffen. Die Freude über eine durchschnittliche Getreideernte wird durch niedrige Preise gedämpft und der Verkauf von Fleisch an die Gastronomie ist durch Corona-Auflagen sehr zurückgegangen. Und die schlimmste Umweltkatastrophe spielt sich direkt vor unseren Augen ab: Der Wald im Sauerland stirbt." Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe, kann auf dem Betrieb der Familie Kaufmann in Wenden zur traditionellen Erntedank-Pressekonferenz des Kreisverbandes zur Ernte in der Region nur eine mäßige Bilanz ziehen.
Hoffnung macht dem Vorsitzenden jedoch mit der Zuverlässigkeit der Bauernhöfe: „Corona hat zu großer Veränderung im täglichen Umgang geführt, trotz aller Herausforderungen hat die Landwirtschaft die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln aufrechterhalten können. Auch wenn fehlende Erntehelfer und Schlachthofschließungen die Arbeit nicht gerade einfacher gemacht haben." Einen Vorteil gebe es dennoch: Die Direktvermarkter hatten vor allem während des lock-downs einen deutlich höheren Zulauf: „Die Wertschätzung für regional erzeugte Lebensmittel ist gestiegen."
Grasernte mit mindestens 20% weniger Ertrag
Richard beschreibt bei der Grasernte ein wachsendes Problem: „Im dritten Jahr in Folge führte die Trockenheit zu Problemen bei der Grundfutterversorgung der Rinder. Daher muss Futter zugekauft werden, und das oft von weit her, weil es in der Nähe keine Überschüsse gibt. Daher können die Betriebe keine Reserven mehr für das nächste Jahr anlegen."
Richard erinnert sich: „Die im Frühjahr gefallenen Niederschläge reichten bei weitem nicht aus, den Boden zu befeuchten. Bis Mitte Mai war der erste Schnitt – die wichtigste Ernte für die Milchkuhbetriebe – eingefahren, der zweite und dritte Schnitt folgten in vier- bis fünfwöchigem Abstand. Alle drei Schnitte hatten mindestens 20 % weniger Ertrag, waren aber von sehr guter Qualität! Den üblichen vierten und fünften Schnitt hat es wegen der Trockenheit so gut wie nicht gegeben." Er hoffe jetzt noch auf Niederschläge im Oktober – ohne Bodenfrost – die vielleicht noch einmal etwas Wachstum auf den Wiesen bringen könnten.
Heu hingegen war in der Qualität sehr gut zu werben, war wie alle Grassorten aber auch in der Menge etwas weniger.
Mais sieht gut aus
Zum Mais, der ebenfalls als Grundfutter für die Rinderherden dient, kann der Vorsitzende bisher sagen: „Der Mais steht bis auf wenige Ausnahmen sehr gut. Die angelaufene Maisernte mit guten Erträgen wird die Futtersituation etwas entspannen."
Dass diese Aussagen nicht für jeden Fleck im Kreis Olpe zutreffen, weiß Michael Richard auch: „Die Gewitterschauer haben im Kreisgebiet zu unterschiedlichem Wachstum geführt. Daher sind auch die Ernten teils punktuell unterschiedlich."
Anbausysteme dem Klimawandel anpassen
Bernd Eichert, stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender und Bio-Bauer mit Mutterkuhhaltung, sieht für die Zukunft eine Veränderung des Anbaus: „Hier hat sich herausgestellt, dass das Wasser der begrenzende Faktor ist und die Witterungsverhältnisse örtlich sehr unterschiedlich waren und somit auch örtlich unterschiedliche Erträge zustande gekommen sind. Wasser wird knapp, für Tiere, für Menschen und jetzt auch nicht mehr nur für die Landwirtschaft! Für die Zukunft der Betriebe müssen wir kleinstrukturierter flächenspezifisch handeln, das Risiko auf verschiedene Pflanzen verteilen. Das heißt, unsere Anbausysteme dem Klimawandel durch Diversifizierung anpassen." Eine Möglichkeit sei zum Bespiel, stellenweise Grünland zu Ackerland zu machen. „Durch den Anbau von Futtergetreiden könnten wir die Situation etwas entspannen."
Kartoffel und Gemüse
Gut klar geklommen mit der Witterung seien Kartoffeln und Gemüse, diese seien in Qualität und Masse gut. Die Niederschläge zwischendurch seien passend gewesen. Eichert: „Nach allem, was ich gehört habe, hat unserem Gemüse das Wasser gereicht: Es waren immer mal wieder Niederschlagsereignisse zwischen 10 und 20 mm in der Summe."
Erntedankfest
Zum Erntedankfest sagen die Landwirte in diesem Jahr ein ganz besonderes Danke: „Milchviehbetriebe sind in 2020 „nur" finanziell betroffen, Direktvermarkter haben allerdings deutlich davon profitiert, dass die Menschen wieder bewusster regional eingekauft haben. Corona zeigt uns, dass nicht alles selbstverständlich ist, daher sagen wir in diesem Jahr ganz besonders zu Erntedank „Danke" dafür, dass wir ausreichend Lebensmittel in hervorragender Qualität erzeugen konnten und unser Tisch reich gedeckt ist."
Mit vielen Standbeinen die Existenz sichern
Familie Kaufmann ist vor knapp drei Jahren so richtig durchgestartet: Die Rindermast und Jungbullenaufzucht wurde modernisiert und ein überdachter Reitplatz gebaut. Tobias Kaufmann ist voll in den Betrieb eingestiegen. Der über 250 Jahre alte Hof Kaufmann ist rundum gepflegt und Betriebsamkeit herrscht an allen Ecken. Kaufmanns blicken optimistisch in die Zukunft: „Wir haben uns mit unseren zwei Standbeinen gut aufgestellt, haben durch die Pensionspferdehaltung eine weitere Einkommensquelle erschlossen und bleiben durch die Rinderhaltung ein starker landwirtschaftlicher Betrieb."

Namen:
Claudia und Tobias Kaufmann
Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe
Bernd Eichert, Stellvertreter
Hildegard Hansmann-Machula, Vorsitzende des Öffentlichkeitsausschusses im Landwirtschaftlichen Kreisverband Olpe
Georg Jung, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes
Barbara Kruse, Pressesprecherin

Ergänzung Pressemeldung Erntedank um die politischen Themen:

Das Wetter ist so wie es ist – Aber um positiv in die Zukunft zu schauen, machen wir uns auf vielen Gebieten auf den Weg
Der „WLV-Masterplan Mittelgebirge" ist entworfen und wird in den Winterversammlungen mit allen Mitgliedern in den Bergregionen diskutiert.
Er geht maßgeblich auf Vorschläge und Forderungen von uns Landwirten im Kreis Olpe zurück.
Um flexibler auf den Klimawandel regieren zu können, wären einige Änderungen notwendig:
• Bei einem Grünlandanteil von 82 % haben wir keine Sorge, dass das ökologisch wertvolle Grünland zu stark geschmälert wird, wenn wir an einigen geeigneten Stellen Grünland zu Acker umwandeln dürften. Dort könnten dann Futtergetreide für unsere Tiere angebaut werden. Das könnte die Futterlager etwas auffüllen.
• Der Wald in Südwestfalen stirbt. Eine ökonomisch erwünschte Nutzung ist erst in frühestens 40 Jahren denkbar, bis dahin verursacht die Wiederaufforstung und Pflege der Bestände nur Kosten. Die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Zwischennutzung dieser Flächen würde eine frühere Wertschöpfung ermöglichen.
• Die Mutterkuhhaltung ist eine ökologisch sinnvolle und landschaftspflegerisch angenehme Form der Grünlandnutzung an Bergstandorten. Diese Form der Tierhaltung ist aber nicht wirtschaftlich einträglich. Eine Unterstützung der Mutterkuhhaltung ist längst überfällig.
Der Wald braucht die Übernahme der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung. Diese Umweltkatastrophe kann nicht den Waldbauern allein überlassen werden. Die bisher beschlossenen staatlichen Förderungen reichen für diesen gigantischen Landschaftsumbau nicht aus.

Zahlen zur Landwirtschaft im Kreis Olpe ( Dateigröße: 29 KB)

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