Das Winterfutter für Rinder ist gesichert

11. Oktober 2021

Erntedankpressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe auf dem Ferienhof Quinke

Michael Richard, Hildegard Hansmann-Machula, Guido und Tina Quinke und Stefan Becker-Borggräfe (von links).

Melbecke/Kreis Olpe. „Der viele Regen in diesem Jahr hat dem Grünland gutgetan - die Grasernte hat für teils übervolle Silagelager gesorgt. Auch der stark geschädigte Wald kann so langsam seine Wasserspeicher wieder auffüllen. Die Getreideernte war wegen des Regens teils schwierig. Desaströs ist hingegen nach wie vor die Situation der Schweinhalter." – Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe, fasst anlässlich der Erntedankpressekonferenz auf dem Urlaubsbauernhof der Familie Quinke in Lennestadt kurz zusammen, wie sich die diesjährigen Erntesaison auf die Bauernhöfe im Kreis Olpe ausgewirkt hat.
Grünland / Mais / Wald
„Das Positive zuerst" fährt Michael Richard fort, „dem Grünland hat der früher so typisch nasse sauerländer Sommer seht gut getan." Er berichtet von vier Grasschnitten in reichlicher Menge und mittlerer bis guter Qualität. „Im Gegensatz zu den letzten Jahren ist dadurch auf unseren rinderhaltenden Betrieben auf jeden Fall schon mal die Futterversorgung weit über den Winter hinaus gesichert", freut sich Richard. Und weiter: „Wir haben gute Preise für Rindfleisch und stabile Milchpreise." Auch der Mais sehe spitzenmäßig aus. Der Vorsitzende wagt mitten in der Ernte eine Prognose: „Der Mais kommt gut mit sich ändernden Wetterbedingungen klar und es sieht so aus, als könnten die Tierhalter ihre Futtervorräte durch den energiehaltigen Mais sehr gut ergänzen." Auch im durch den Borkenkäfer stark geschädigten Wald zeichnet sich zumindest eine Erholung des Bodens ab. Richard: „Die Wasservorräte in den Waldböden sind zwar noch nicht aufgefüllt, aber sie nehmen wieder zu." Bei einem Blick in den Wald – oder besser gesagt: in das, was noch von ihm übrig ist - wird Michael Richard drastischer: „Da kommen einem die Tränen. Blitzartig hat der Borkenkäfer in den letzten drei Jahren die Fichtenwälder vernichtet. Kapital von Generationen ist verschwunden. Als wichtigstem CO2-Speicher muss der Wiederaufbau des Waldes als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und umgesetzt werden!" Dennoch sind im Wald trotz enormer Verluste und gewaltigen Holzmengen die Absatzmöglichkeiten für Rundholz gut. Viel Holz wird, außer an die heimischen Säger auch auf den asiatischen Markt zu akzeptablen Preisen verkauft."
Getreide / Schweine
Bernd Eichert, stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender, hat nicht so Erfreuliches über die diesjährige Getreideernte zu berichten: Er beschreibt die zittrig verlaufene Saison: „Die Getreideernte war in diesem Jahr spannend: Kurze Regenlöcher machten das Einbringen zum Glücksspiel, zumal dann ja auch die Lohnunternehmer eigentlich immer genau zur gleichen Zeit angefordert wurden. Die Geräusche der teils auch nächtlichen Erntearbeiten werden vielen aufgefallen sein. Die Ernte schien sich schier endlos hinzuziehen. Spät, aber dennoch konnten jetzt die letzten Sonnentragen noch für eine letzte Drusch genutzt werden. Klar ist aber: Die Qualität ist eher schwach, die Menge war ordentlich."
Zur Situation auf dem Schweinemarkt wird Eichert fast düster: „Die ganze Schweineaufzucht ist ein Desaster. Nur noch ca. 1,23 € pro Kilo erhalten die Mäster, wir müssten mindestens 1,50 € erhalten um kostendeckend arbeiten zu können. Bei diesem Preis denken viele ans Aufgeben. Und diejenigen, die jetzt gern in Ställe mit mehr Tierwohl investieren würden, sind dazu überhaupt nicht in der Lage." Ebenso seien die Sauenhalter – und damit Ferkelerzeuger – übers Limit hinaus: „Sie zahlen bei jedem Ferkel Geld drauf, das hat es über so lange Zeit noch nie gegeben. Die gesamte Schweinehaltung steht vor einem gewaltigen Umbruch."
Becker-Borggräfe
Der frischgebackene Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Lennestadt im Landwirtschaftlichen Kreisverband Olpe, Stefan Becker-Borggräfe, nimmt den Faden auf und erzählt zu seinem Engagement im WLV: „Ich freue mich, dass mich die Mitglieder im Ortsverband Lennestadt zum Vorsitzenden gewählt haben, wir haben in der berufsständischen Interessenvertretung gerade in so schwierigen Zeiten wie diesen sehr viel zu tun, um gegenüber der Politik unsere Situation klar zu machen und zu helfen, die Missstände zu beseitigen."
Hildegard Hansmann-Machula
Als Vorsitzende des Öffentlichkeitsarbeitskreises im Landwirtschaftlichen Kreisverband betont Hildegard Hansmann-Machula die Bedeutung der Kommunikation mit der Nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung: Stadt und Land entfernen sich immer mehr voneinander, wir bekommen als Landbewohner immer mehr die politischen Vorstellungen der Städter aufgedrückt. Deshalb ist offenen reden miteinander so wichtig. Einen ganz bedeutenden Beitrag dazu leisten auch unsere Ferienbauernhöfe, die Tag für Tag mit ihren Kunden über Landwirtschaft sprechen."
Quinkenhof
Tina und Guido Quinke vom Quinkenhof sind heilfroh, dass sie wieder Familien beherbergen dürfen. „Die Lockdown-Situationen haben uns persönlich sehr leid und finanziell weh getan, wir freuen uns, dass dieser Spuk vorbei zu sein scheint. Hier können unsere Gäste an der frischen Luft sehr gut Abstand halten und sich von der Enge des Lebens in der Stadt erholen."

Presse-Kontakt

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